"Vorfreude" - das ist das Wort, was man beim SC St. Tönis aktuell wohl am häufigsten hört. Bei Trainer Bekim Kastrati ist die Vorfreude "riesig", beim sportlichen Leiter Holger Krebs sogar "sensationell groß". Er gab außerdem zu: "Wir können kaum noch schlafen, bis endlich Freitag ist."
Denn am Freitag geschieht für den Amateurklub vom Niederrhein etwas Historisches: Er bestreitet sein allererstes Spiel überhaupt im DFB-Pokal. Gegner ist Bundesligist Eintracht Frankfurt. "Das ist für uns ein absolutes Highlight. Eintracht Frankfurt ist in meinen Augen eine Top-5-Mannschaft aus Deutschland", sagte Kapitän Maximilian Pohlig und sparte nicht mit Lob für den kommenden Gegner, der mit namhaften Profis wie Mario Götze oder Jonathan Burkardt anreisen wird.
Vorfreude in Tönisvorst: DFB-Pokal auf der Grotenburg gegen die Eintracht
Bildquelle: IMAGO / DeFodi Images3 Min. 13 Sek.. Verfügbar bis 20.08.2028.
"Es ist natürlich für jeden Amateurfußballer ein absoluter Traum, so ein Spiel zu spielen, gegen solche Gegenspieler", strahlt Pohlig. "Ich verfolge jedes Wochenende die Bundesliga, da kennt man die Spieler natürlich." Umso näher die Partie rückt, umso mehr kribbelt es beim Kapitän und seinem Team: "Wer da als Amateurfußballer sagt, dass er nicht nervös ist, der lügt in meinen Augen. Aber die Vorfreude überwiegt." Da ist es wieder, das momentan so viel benutzte Wort.
Ein Hauch Bundesliga in der Grotenburg
Neben Vorfreude sorgt die Partie bei den Verantwortlichen des SC St. Tönis aber auch für jede Menge Arbeit. Denn damit das Spiel am Freitagabend tatsächlich angepfiffen werden kann, gibt es noch jede Menge zu tun. "Man hat gefühlt 64 Din-A4-Seiten zu erfüllen, um ein DFB-Pokal-Spiel auszurichten", berichtet Sportchef Krebs.
Und genau diese Vorgaben sind es auch, die den SC St. Tönis zu einem Umzug gezwungen haben. Gespielt wird nicht in der heimischen Jahn-Sportanlage, sondern in der gut zehn Kilometer entfernten Grotenburg, dem Stadion von Ligakonkurrent KFC Uerdingen. Als die Anfrage aus St. Tönis kam, habe man keine Sekunde gezögert, so ein Sprecher der Stadt Krefeld. Im Gegenteil: "Es ist ein Glücksfall, dass nach langer Zeit mal wieder eine Bundesligamannschaft den Rasen der Grotenburg bespielt."
Viel Arbeit für die Ehrenamtler
Dazu muss im Vorfeld jedoch einiges gemacht werden: Technik verlegen, Pressekonferenzraum einrichten, Wegekonzept erstellen, um nur mal ein paar Dinge zu nennen. "Da braucht man schon etwas Organisationsgeschick, um alle Ansprechpartner zu händeln", verrät Vorstandsmitglied Lukas Moes, "sei es die Dienstleister vom DFB, die Stadt Krefeld, Ordnungsdienst, Caterer - also da kommen schon eine ganze Menge zusammen."
Da ist schon ein engagiertes Team nötig, um das zu stemmen. "Wir sind die ganze Woche nachmittags mit 15 bis 20 Ehrenamtlern vor Ort, um alles zu regeln", so Krebs. Sein Ziel: Am Ende sollen alle 10.893 Zuschauer zufrieden nach Hause gehen. Wie groß die Euphorie rund um das Pokalspiel ist, zeigt auch die Tatsache, dass das Stadion innerhalb weniger Minuten ausverkauft war.
St. Tönis vs. Frankfurt: Favoritenrolle klar verteilt
Sportlich gesehen ist St. Tönis natürlich der extreme Außenseiter. Schließlich ist der Ortsteil von Tönisvorst sonst eher für seine Apfelbäume als für großen Sport bekannt. Obwohl die westlich von Düsseldorf gelegene Stadt mit Lea Schüller bereits eine waschechte Fußball-Nationalspielerin hervorgebracht hat.
"Das ist mit Abstand das größte Spiel der Vereinsgeschichte und es wird wahrscheinlich auch für viele Jahre das größte bleiben", so Krebs. Auch Trainer Kastrati ist mit Blick auf das Duell gegen Frankfurt "stolz und dankbar", betonte aber auch: "Das Spiel hat uns keiner geschenkt. Wir haben es uns wirklich verdient." Und zwar durch die Finalteilnahme im Niederrheinpokal - auch wenn der letztlich an den MSV Duisburg ging.
Saisonstart für St. Tönis geglückt
Auch die aktuelle Form des SC St. Tönis stimmt. Dem 3:1 im Niederrheinpokal beim FC Büderich folgte zum Liga-Auftakt ein 3:2-Sieg gegen die 1. Spvg. Solingen-Wald - nach 0:2-Rückstand. In Frankfurt dagegen hängt der Haussegen nicht erst seit der 0:7-Testspielniederlage gegen den FC Brentford mächtig schief.
Zwar betonen dennoch alle rund um den Oberligisten, "realistisch keine Chance" zu haben, so ein bisschen Hoffnung ist aber natürlich doch immer da. Zum einen, so Sportchef Krebs mit einem Augenzwinkern, habe St. Tönis noch nie ein DFB-Pokalspiel verloren. Okay, der Fünftligist hat ja auch noch nie eins gespielt.
Aber da wäre ja noch der Stadiontrumpf. "Meiner Recherche nach hat Eintracht Frankfurt die letzten drei Spiele in der Grotenburg verloren. Wir haben unsere drei bisher dort ausgetragenen Pflichtspiele allesamt relativ deutlich gewonnen." Und dann greift das Team laut Krebs auch noch auf einen kleinen Trick zurück: "Wir ziehen uns in der Kabine um, wo wir uns immer umziehen, also in der Gästekabine. Kurz: Mir fällt gerade nichts ein, was für Frankfurt spricht."
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Sportlichen Leiter Holger Krebs
- Interview mit Kapitän Maximilian Pohlig
- Interview mit Vorstandsmitglied Lukas Moes
- Interview mit Trainer Bekim Kastrati
- Homepage des SC St. Tönis
- Homepage der Stadt Krefeld
Sendung: WDR.de, "Vorfreude in Tönisvorst: DFB-Pokal auf der Grotenburg gegen die Eintracht", 20.08.2026, 20:51 Uhr
