Neue Regeln fürs Stadion geplant? Das gilt schon jetzt für Fußballfans
Stand:
Regeln und Verbote - im Fußballstadion müssen Fans in Sachen Sicherheit einiges beachten. Kommen weitere Verschärfungen?
Mehr Sicherheit in Fußballstadien? Dieses Thema steht auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz von Mittwoch bis Freitag in Bremen. Es geht um die Frage, wie im Stadion und am Bahnhof gewaltbereite Fans unter Kontrolle gehalten werden können. Schließlich kommt es immer wieder unter Anhängern zu Auseinandersetzungen - auch mit Körperverletzungen. Das verursacht Kosten untere anderem für Ordnungsbehörden und Rettungskräfte.
Welche verschärfte Stadion-Regeln planen die Innenminister?
Das ist mittlerweile unklar. Im Raum standen ursprünglich diese Pläne:
Zwang zu personalisierten Tickets
mögliche KI-gestützte Überwachung mit Gesichtserkennung in Stadien
Stadionverbote auf Verdacht
Beim DFB-Pokalspiel zwischen Dortmund und Leverkusen rollten Fans am Dienstagabend ein Banner aus.
| Bildquelle: Ina Fassbender, AFP
Nach massiven Protesten von Fan-Gruppen (beispielsweise "Finger weg von unserer Fankultur") und Fußballvereinen scheint die Politik aber zurückzurudern. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Sportinformationsdienst (SID), es würden angeblich geplante Maßnahmen kritisiert und Ängste geschürt, die auf der Konferenz in Bremen nicht zur Debatte stünden. "Insbesondere Themen wie Gesichtserkennung im Stadion und personalisiertes Ticketing stehen nicht auf der Tagesordnung - entsprechende Beschlüsse sind weder geplant noch vorgesehen", so Herrmann.
Was sagen Vertreter von Fan-Gruppen und Fußballvereinen?
Mitte November 2025 waren mehrere Tausend Fußballanhänger von mehr als 50 Klubs aus ganz Deutschland dem Aufruf der "Fanszenen Deutschlands" gefolgt und hatten in Leipzig gegen die möglicherweise bevorstehenden strengeren Sicherheitsauflagen protestiert. Viele Fanszenen drückten ihren Protest zuletzt bundesweit in den Stadien aus, indem sie zu Spielbeginn 12 Minuten schwiegen und auf jeglichen Support ihrer Teams verzichteten.
Fans - wie hier des FC Augsburg - protestieren im Stadion gegen die geplanten Änderungen.
| Bildquelle: IMAGO/foto2press/Oliver Zimmermann
Fangruppen hatten in einem Schreiben an die Innenministerkonferenz, das dem WDR vorliegt, Maßnahmen wie etwa Stadionverbote auf Verdacht als überzogen abgelehnt. Sie fordern in einen "ergebnisoffenen sowie transparenten Dialog über die Sicherheitslage in und um die Stadien" mit Fans, Vereinen, Fanprojekten und dem Nationalen Ausschuss für Sport und Sicherheit (NASS) einzutreten. Eine Diskussion über die Sicherheit in und um die Stadien könne "nur dann legitim sein, wenn sie offen, ehrlich und faktenbasiert ist." Dies sei momentan nicht der Fall.
Zu den Unterzeichnenden des Schreibens gehören neben dem Bündnis Aktiver Fußballfans e.V. sowie dem Dachverband der Fanhilfen e.V. auch F_in Netzwerk Frauen im Fußball, Queer Footballl Fanclubs und der Verein Unsere Kurve.
Zuletzt hatten immer mehr Vereine und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sowie die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Anhängern Unterstützung zugesagt.
Sicherheit im Stadion - Fans und Politik im Dauerclinch
Was sagen Vertreter von Fan-Gruppen zu den Äußerungen von Bayerns Innenminister Herrmann?
Der Verein "Unsere Kurve" reagierte "mit einiger Verwunderung" auf die Äußerungen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Seit Wochen wurden entsprechende Maßnahmen ohne jeden Widerspruch in den Medien platziert", sagte der 1. Vorsitzende Jost Peter gegenüber dem SID. "Jetzt versucht Herr Herrmann, die Realität im Nachhinein umzudeuten. Das fügt sich nahtlos ein in seine ebenso unzutreffende Behauptung, er spreche mit Fanvertreter*Innen zu diesen Themen."
Die Fanvereinigung sieht Herrmanns Einlassungen als Folge der breiten Kritik "an Hinterzimmerpolitik und populistischen Schnellschüssen", wie Jost Peter es formulierte: "Wenn die Innenminister*Innen jetzt einen Rückzug antreten, ist das ein Erfolg für die Fans und die Zivilgesellschaft." Er forderte, dass die möglichen Maßnahmen nun auch "offiziell" vom Tisch seien müssten und kündigte an, die Entwicklung zur Praxis der Stadionverbote genau zu verfolgen.
Was darf man schon jetzt nicht mit ins Stadion nehmen?
Die Liste der verbotenen Gegenstände im Stadion ist lang. Laut dem Weltfußballverband FIFA sind im Stadion beispielsweise nicht erlaubt - eine kleine Auswahl:
Waffen, Sprengkörper, Zünder und Werkzeug jeder Art
Helme oder andere Arten von Verkleidungen oder Kleidungsstücken, die ausdrücklich dazu dienen, eine Person unkenntlich zu machen - mit Ausnahme religiöser Kopfbedeckungen oder medizinische Masken und Gesichtsvisiere
Feuerzeuge, Streichhölzer, Sprühdosen
Flaschen
Fahnen, Transparente, Flugblätter, Kleidung oder andere Utensilien, die politischer, beleidigender oder diskriminierender Art sind
Rundfunk- oder Hochfrequenzgeräte sowie alle anderen Geräte, die zu einer Unterbrechung oder einem Ausfall der Übertragung oder des IT-Betriebs im Stadion führen können
Instrumente, die Laserstrahlen abgeben, Laserpointer oder Geräte mit ähnlichen Emissionen
Drohnen
Was sonst nicht laut FIFA im Stadion erlaubt ist, könnt ihr hier nachlesen.
Dinge anzünden oder Pyrotechnik in die Menge werfen
andere beleidigen oder sonstige Straftaten begehen
Stadionverbote können auch für verschiedene Ligen und die Pokalspiele gelten.
| Bildquelle: David Inderlied / dpa
Ein Stadionverbot wird in der Regel von den Vereinen selbst ausgesprochen, die Vereine nutzen hierbei ihr Hausrecht. Die Dauer eines Stadionverbots hängt von der Schwere des Vorfalls ab. Sie kann von einer Woche bis hin zu mehreren Jahren reichen. Die Missachtung des Stadionsverbotes gilt als ein Fall von Hausfriedensbruch.
Ein Stadionverbot kann entweder nur für ein bestimmtes Stadion ausgesprochen oder bundesweit für mehrere Stadien. Das Verbot sprechen die Vereine oder DFB aus. Ein bundesweites Stadionverbot gilt für alle Stadien einer Liga als auch für Länderspiele und den DFB-Pokal.