Wer dachte, kurioser geht es nicht mehr, der wurde eines Besseren belehrt. Die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada hat diesmal einige skurrile Premieren geboten – von einer gigantischen Halbzeitshow über eine Welle von Ü40-Spielern bis hin zum Rote-Karte-Eklat um den US-Präsidenten. Da geriet der Hype um das größte Turnier aller Zeiten fast schon zur Nebensache. Hier ist unsere Top 5:
1. "Offizielle" Trinkpausen
Früher hieß es: "Trinken müsst ihr vorher." 2026 war klar: Bei Sommerhitze zwischen 30 und 40 Grad übersteht kein Profi 90 Minuten ohne Wasser – und schon gar nicht der Schiedsrichter. Also führte die FIFA offiziell planbare Trinkpausen ein, mit Grafik-Einblendung und Sponsorenlogo. Und natürlich wurden die Trinkpausen auch bei niedrigeren Temperaturen konsequent eingehalten.
Aus der Wasserflasche wurde eine eigene Spielphase: Trainer nutzten die Pause für spontane Taktik-Besprechungen, TV-Analysten für Kurzstatistiken und die Zuschauer für den Sprint zur Toilette. Nur die Stürmer fanden es schade – gerade als sie endlich ins Pressing kamen, pfiff der Schiri zur "Hydration Break".
2. Die 27-minütige Halbzeitshow beim Finale
Was früher 15 Minuten Analyse, Werbung und Stadionmusik war, ist 2026 endgültig im Entertainment-Olymp angekommen: die Halbzeitshow beim Finale zwischen Spanien und Argentinien. Statt lahmen "Best-of-Fanclips" fuhren die Veranstalter eine Super-Bowl-artige Inszenierung auf – inklusive Popstars wie Madonna, Shakira, Justin Bieber und die K-Pop-Gruppe BTS, eine Lasershow und Choreografie mit Drohnen.
Madonna-Auftritt beim Fußball-WM-Finale 2026
Während die Spieler noch über den Verlauf der ersten Halbzeit grübelten, tanzten über ihnen bereits blinkende Quadrocopter das WM-Logo in den Himmel. Der eine oder andere Kommentator wirkte später leicht überfordert, wenn er nach drei Feuereffekten und einem Auftritt der Muppets wieder zu "der taktischen Rolle des Sechsers" zurückkehren sollte.
Und die Trainer? Die forderten insgeheim wohl eine eigene Halbzeitpause – um mal ganz ohne Pyro mit der Mannschaft reden zu können. Sie kritisierten scharf, dass die Kabinenzeit durch das Mega-Spektakel auf stolze 27 Minuten ausgeweitet wurde.
3. So viele Ü40-Spieler wie noch nie bei einer WM
Bei der WM 2026 standen so viele Ü40‑Spieler wie noch nie zeitgleich in den offiziellen Kadern der Nationalteams. Zum Vergleich: In den 22 Turnieren von 1930 bis 2022 waren in fast einhundert Jahren WM-Geschichte insgesamt gerade mal sieben Spieler dabei, die 40 Jahre oder älter waren – bei dieser WM waren es auf einen Schlag sieben. Die Weltmeisterschaft wurde damit zur Bühne für die älteste Generation, die der moderne Turnier-Fußball je gesehen hat.
4. US-Präsident mischt sich wegen roter Karte ein
Ein Vorfall sorgte aber für richtig viel Empörung: Die FIFA annullierte die Rotsperre für US-Stürmer Folarin Balogun – und das nur wenige Stunden vor dem wichtigen Achtelfinale gegen Belgien. Der Torjäger durfte also plötzlich doch auflaufen. Ursprünglich hatte Balogun im Gruppenspiel gegen Bosnien und Herzegowina Rot gesehen und war automatisch für ein Match gesperrt worden.
Rot-Debatte um US-Stürmer Folarin Balogun
Brisant wurde das Ganze durch einen Anruf aus dem Weißen Haus: US-Präsident Donald Trump hatte persönlich bei FIFA-Chef Gianni Infantino durchgeklingelt und die Rote Karte scharf kritisiert. Der Weltverband betonte zwar eilig, die Entscheidung sei von unabhängigen Gremien getroffen worden, aber viele fragen sich, wie unabhängig das wirklich war.
5. Trubel um Panini-Alben
Panini-Alben gehörten bisher zu jeder WM wie der Elfmeter zum Nervenzusammenbruch – aber 2026 wurde daraus eine ganz eigene Schlagzeile. Die Sammelhefte waren so vergriffen, dass sich vor Kiosken endlose Schlangen bildeten. Wer überhaupt ein Album ergatterte, behandelte es wie eine seltene Wertanlage: sicher eingeschweißt und versteckt.
980 Sticker gab es dieses Jahr zu sammeln - so viele wie noch nie.
Das führte zum vielleicht absurdesten Bild dieser WM: Erwachsene, ansonsten ernsthafte Menschen, die auf Tauschbörsen über den Wert von doppelt vorhandenen Innenverteidigern diskutierten wie über Aktienkurse.
Am Ende wird man sich an diese WM 2026 wohl vor allem wegen ihrer Premieren erinnern. Und vielleicht ist genau das das neue WM-Gefühl: Fußball ist eine gigantische Mischung aus Sport, Show, Politik und Sammelalbum-Drama.
Quellen:
- Nachrichtenagentur DPA
- Berichterstattung von Tagesschau und Sportschau zur Fußball WM
- Fußball-Portal "Transfermarkt"
Sendung: WDR.de, Skurrile Premieren bei der WM, 20.07.2026, 15:30 Uhr