Die Kooperationsvereinbarung nennt sich "Stadionallianzen NRW" - die es schon seit 2020 gibt. Diese Kooperation wurde am Donnerstag erneuert und erweitert.
Neu dazu zählen nun auch die Drittliga-Vereine aus NRW: Alemannia Aachen, MSV Duisburg, Rot-Weiß Essen, Köln mit Fortuna und Viktoria, Preußen Münster und der SC Verl.
"Fußball soll in sicheren Stadien stattfinden und Freude machen, ohne Gewalt und ohne Pyrotechnik", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Zuge der Vertragsunterzeichnung.
Außerdem schließt sich nicht nur die Landes- sondern jetzt auch die Bundespolizei der Zusammenarbeit an. Sie ist unter anderem für die Sicherheit in Bus und Bahn, also auf der An- und Abreise rund um den Stadionbesuch verantwortlich.
Was sind Stadionallianzen?
"Stadionallianzen" gibt es in mehreren Bundesländern. Das Format wurde von der Deutschen Fußballliga initiiert und soll die Kooperation unterschiedlicher Akteure beim Thema Sicherheit rund um Fußballspiele verbessern. Welche Akteure sich dabei neben der Polizei und den Vereinen versammeln, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Anders als in NRW werden in manchen anderen Bundesländern auch Fanprojekte einbezogen.
Weniger Polizei im Stadion, stärkere Einlasskontrollen
Die Sicherheit im Stadion liegt hingegen grundsätzlich im Verantwortungsbereich der Vereine, denn sie sind die Veranstalter der Spiele. Laut Reul soll es daher künftig weniger Polizeipräsenz in den Stadien geben, stattdessen werde die Qualifizierung von Sicherheits- und Ordnungsdiensten gefördert. Um das Mitbringen und spätere Abbrennen von Pyrotechnik zu verhindern, sollen auch striktere Einlasskontrollen durchgeführt werden.
Die Fans fordern schon lange, dass es weniger Polizeipräsenz in den Stadien geben soll. Reul sagte, dass das Innenministerium durch die Vereinbarung den Fans nun "die Hand reichen" würde. Auch Fan-Märsche werde die Polizei nur noch in Ausnahmefällen begleiten und das Vorgehen gemeinsam mit den Vereinen abstimmen.
Kritik: Fehlende Einbeziehung der Fans
Die Politik appelliere mit der Vereinbarung an die Eigenverantwortung der Fans: "Ich habe viele Zuschriften von Fans, die sagen: 'Das kriegen wir schon alleine hin. Wenn ihr kommt, reizt uns das nur.' Jetzt kann es bewiesen werden", so Reul. Für die Vereinbarung seien deshalb auch die Fanbeauftragten der Vereine einbezogen worden.
Dabei handelt es sich allerdings um Angestellte der Vereine, aber nicht um unabhängige Vertreter der Fans. Deren mangelnde Einbeziehung ist ein zentraler Kritikpunkt. "Wir haben Herrn Reul mehrfach unsere Mitwirkung angeboten, aber keine Antwort erhalten", so Patrick Arnold von der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW.
"Stadionallianzen" für mehr Sicherheit beim Fußball
NRW-Sport. 23.07.2026. 02:07 Min.. Verfügbar bis 22.07.2028. WDR Online. Von Daniela Müllenborn.
Forderung: Prävention statt Repression
Aus Sicht der Fanprojekte sei es zwar ausdrücklich zu begrüßen, dass Innenministerium und Vereine gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit übernehmen würden. "Kritisch sehen wir allerdings, dass Fans und Präventionsarbeit dabei außen vor bleiben", so Arnold. "Wer Fußballfans ausschließlich als Störer und polizeiliches Gegenüber sieht, wird auch in naher Zukunft nicht zu einer Befriedung der Verhältnisse beitragen."
Die Frage danach, wer für die Sicherheit in Fußballstadien verantwortlich ist und diese auf der anderen Seite gefährdet, stellt sich schon lange. Die Polizei verweist dabei immer wieder auf hohe Einsatzzahlen. So leisteten die NRW-Beamten laut Reul in der Saison 2024/25 rund 460.000 Arbeitsstunden im Kontext Fußball. Dies entspräche dem Arbeitspensum von 350 Vollzeitkräften.
Fanvertretungen verweisen hingegen immer wieder darauf, dass die Präsenz der Polizei sowie ein eskalatives Verhalten der Einsatzkräfte auch zu mangelnder Sicherheit im Stadion beitragen könne.
Wer Gewalt wirksam reduzieren wolle, müsse in Prävention investieren, schreibt etwa die Fanvertretung "Unsere Kurve" auf ihrer Website. Sozialpädagogische Arbeit von Fanprojekten verdiene deshalb politische Unterstützung.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz des Innenministeriums NRW
- Pressemitteilung des Innenministeriums NRW
- Webseite Unsere Kurve e. V.
- Gespräch mit Patrick Arnold, Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW
- Deutsche Presseagentur
Sendung: WDR.de, "'Stadionallianzen' für mehr Sicherheit beim Fußball", 23.07.26, 18:28 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 23.07.2026, 18:45 Uhr