Anna-Elisabeth Ehlers strahlt über das ganze Gesicht. In den letzten Wochen ist ihr eine Topleistung nach der anderen gelungen.
Anfang Juni verbesserte die 19-Jährige beim Mehrkampf-Meeting auf Teneriffa ihre Bestleitung um mehr als 500 Zähler. Zum ersten Mal übertraf sie die 6.000 Punkte-Marke. Mit 6.216 Punkten gewann Ehlers den Siebenkampf und schob sich in die deutsche Spitze vor.
1,90 Meter in Ratingen
Beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen Ende Juni überzeugte die Athletin vom TSV Bayer 04 Leverkusen erneut, mit 6.193 Punkten wurde sie vierte. Ein echtes Ausrufezeichen setzte die 1,75 Meter große Siebenkämpferin dabei in ihrer Paradedisziplin Hochsprung: Mit 1,90 Meter gelang ihr eine persönliche Bestleistung, damit sprang sie 15 Zentimeter höher als Ratingen-Siegerin Annik Kälin aus der Schweiz.
Nur eine Woche nach dem kräftezehrenden Siebenkampf in Ratingen war die Leverkusenerin schon wieder am Start. Mit 1,89 Meter wurde sie Deutsche U23-Meisterin im Hochsprung und versuchte sich danach einmal an 1,94 Meter - der Direkt-Norm für die Leichtathletik-EM in Birmingham (10.-16.08.2026). Doch das war noch eine Nummer zu hoch.
Nummer zwei in Deutschland
Höher als die gebürtige Hamburgerin sprang in diesem Jahr nur die Wattenscheiderin Christina Honsel. Allerdings kann die Titelverteidigerin am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in ihrem Heimstadion in Bochum nicht antreten. Wegen anhaltender Fußprobleme sagte die Zweimeter-Springerin ihren Start in dieser Woche ab.
Anna, wie Anna-Elisabeth Ehlers in ihrer Trainingsgruppe genannt wird, wechselte 2024 vom TSV Glücksburg 09 ins Rheinland, nach dem Abitur schloss sie sich der Leverkusener Mehrkampfgruppe von Bundestrainer Jörg Roos an. Noch vor ein paar Jahren gehörte der Hochsprung nicht zu ihren Lieblingsdisziplinen. Als sie sich später mehr auf den Mehrkampf konzentrierte, merkte sie aber schnell, dass sie gerade durch den Hochsprung besonders viele Punkte sammeln kann.
"Einzelstart ist entspannter"
Mit großer Vorfreude schaut die Mehrkämpferin den Titelkämpfen im Lohrheidestadion entgegen. An den Einzelstart gehe sie "lockerer und entspannter heran, als an einen Mehrkampf", erzählt sie im WDR-Interview. "Es geht nicht darum, Punkte für ein großes Ganzes zu sammeln, sondern es geht nur um diese eine Disziplin und darum, ein bisschen Spaß zu haben. Als Mehrkämpferin geht es da etwas weniger ernst zu. Im Siebenkampf hat man sonst den Fokus auf allen sieben Disziplinen."
Um die Medaillen mitspringen möchte Ehlers auf jeden Fall. Mit etwas Glück könnte sie sogar die Fahrkarte zu den Europameisterschaften im August lösen. "Ich möchte meine Bestleistung gerne noch einmal verbessern und hoffe natürlich, dass es vielleicht sogar für Birmingham reicht. Als Hochspringerin zur EM zu fahren, wäre natürlich als Mehrkämpferin unglaublich krass."
"Sport soll mein Hobby bleiben"
Auch abseits des Sports sucht die Leverkusenerin mit einen Abi-Durchschnitt von 1,1 die Herausforderung. In Köln studiert sie Jura, das vierte Semester hat sie gerade beendet. Denn für Ehlers steht eins ganz klar fest: "Ich möchte auf jeden Fall später in meinem Leben nichts machen, was mit meinem Hobby zu tun hat. Deswegen habe ich mir auch Jura ausgewählt. Ich möchte natürlich weiterhin Sport machen, aber Sport soll mein Hobby bleiben. Daneben habe ich mir ein sehr trockenes Studium ausgesucht, an dem ich auch unheimlich viel Spaß habe."
Für die Siebenkämpferin wäre ein EM-Start im Hochsprung das I-Tüpfelchen der bisher so erfolgreichen Saison. "Das wäre natürlich unglaublich schön. Aber ich wäre nicht unglücklich, wenn es nicht ausreichen sollte."
Unsere Quellen:
- Interview mit Anna-Elisabeth Ehlers
- TSV Bayer04.de
- Leichtathletik.de
Sendung: WDR.de, "Mehrkämpferin Ehlers will im Hochsprung zur EM", 24.07.2026, 17:28 Uhr