Mohamed Abdilaahi bejubelt seinen Sieg über 3.000 Metern beim Diamond-League-Meeting in Shanghai.

Mohamed Abdilaahi bejubelt seinen Sieg über 3.000 Metern beim Diamond-League-Meeting in Shanghai.

Profi-Läufer aus Mönchengladbach Wie Mo Abdilaahi in die Weltklasse kam

Stand:

Mohamed Abdilaahi hat sich in Rekordzeit vom Talent zum Weltklasse-Läufer entwickelt - weil er erkannt hat, dass weniger manchmal mehr ist. Bei der EM in Birmingham will er endlich auch auf großer Bühne Erfolge feiern.

Von Lukas Thiele

Das Wichtigste in Kürze

  • Mohamed Abdilaahi hat innerhalb von zehn Monaten alle drei deutschen Langstrecken-Rekorde von Dieter Baumann geknackt (3.000, 5.000 und 10.000 Meter)
  • Möglich wurde das auch durch eine mentale Wende: Weniger und gezielteres Training statt des früheren "Trainingsweltmeisters", dazu mehr Gelassenheit im Umgang mit Rückschlägen
  • Vor der EM in Birmingham (ab 10. August) läuft Abdilaahi bei der Deutschen Meisterschaft in Wattenscheid (24.–26. Juli) die 1.500 Meter als taktischen Speedtest

Rund 28 Jahre lang führte Langstreckenläufer Dieter Baumann die deutschen Bestenlisten an. Seine nationalen Rekorde über 3.000 Meter, 5.000 Meter und 10.000 Meter schienen fast unantastbar. Aber eben nur fast. Denn jetzt steht ein neuer Name in den nationalen Bestenlisten ganz oben: Mohamed Abdilaahi.

Innerhalb von nur einem Jahr schnappte Abdilaahi Baumann alle drei deutschen Rekorde weg. "Mir bedeutet das sehr viel, dass ich so uralte Rekorde brechen konnte von einer Legende in Deutschland. Dieter Baumann hat den deutschen Laufbereich sehr geprägt. Dass ich jetzt in seine Fußstapfen treten kann, ist einfach nur unglaublich", sagte Abdilaahi im Gespräch mit dem WDR.

Langstrecken-Rekordler: Mohamed Abdilaahi startet durch

NRW-Sport 15.07.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 14.07.2028 WDR Online

Erster Rekord als Schlüsselmoment

Der gebürtige Mönchengladbacher galt schon immer als Hoffnungsträger der deutschen Leichtathletik. Die großen Erfolge blieben jedoch aus.

Doch dann kam der 11. Juli 2025 und damit ein Schlüsselmoment in Abdilaahis Karriere. Beim Diamond-League-Meeting in Monaco läuft er die 5.000 Meter in 12:53,63 Minuten. Das bedeutete Rang vier - und den deutschen Rekord.

"Da habe ich gesehen: Krass, ich bin ja fast schon Dritter, Zweiter, Erster – das ist nicht mehr weit weg", erinnerte sich Abdilaahi. "Da habe ich gesehen, dass ich auf jeden Fall mithalten kann. Von da an habe ich dieses Selbstvertrauen mitgenommen."

Mohamed Abdilaahi - "Das war der Schlüsselmoment"

01:09 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Abdilaahi kein Trainings-Weltmeister mehr

Ein weiterer wichtiger Punkt: Abdilaahi hat erkannt, dass weniger manchmal mehr ist. "Früher war ich Trainingsweltmeister. Ich habe oft viel zu hart und viel zu viel trainiert. Ich musste einfach lernen, dass ich da auch mal eher zurücktreten muss", sagte er.

Früher habe er sich das Selbstvertrauen aus den Trainingseinheiten geholt, agierte dort mitunter aber auch zu verbissen. Das habe sich geändert: "Ich kann jetzt Sachen besser bewerten, besser damit umgehen. Ich kann mit Niederlagen besser umgehen. Ich kann mit Einheiten besser umgehen, die nicht so perfekt liefen. Das ist alles ein Prozess, den man sich als Athlet erarbeiten muss."

Mohamed Abdilaahi - „War früher Trainingsweltmeister“

01:05 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Großen Anteil daran habe sein Vater gehabt, der seit 2023 wieder zu seinem Team gehört. "Jetzt haben wir ein Trainingskonzept gefunden für mich, wo ich weiß, wann ich hart trainieren muss und wann ich die Belastung rausnehmen muss", erklärte er. "Das war wirklich der Kernpunkt, der mir sehr geholfen hat, dass ich jetzt meine Leistung kontinuierlicher abrufen kann."

Große Meisterschaften mit "ganz anderen Emotionen"

Bei den Leichtathletik-Meetings klappt das schon sehr gut. Bei großen Meisterschaften wartet Abdilaahi, der für den Köner Verein Cologne Athletics startet, noch auf den Durchbruch. "Bei einer WM, bei Olympia oder einer EM ist das nochmal viel schwieriger, weil die Athleten dort wirklich alles herausholen. Auch jemand, der gar nicht so auf dem Schirm ist, kann über sich hinauswachsen."

Mohamed Abdilaahi - „Bin als Athlet mental reifer geworden“

01:03 Min. Verfügbar bis 15.07.2027

Und auch emotional unterscheide sich ein großer Wettkampf von einem regulären Meeting: "Jetzt laufe eigentlich nur für mich selbst und repräsentiere meinen Ausrüster. Wenn ich bei der EM starte, repräsentiere ich mein Land. Da gehst du mit ganz anderen Emotionen rein."

Abdilaahi bei EM unter den Favoriten

Ab dem 10. August hat Abdilaahi erneut die Chance, endlich bei einer großen Meisterschaft einen Erfolg zu feiern. Dann startet in Birmingham die Leichtathletik-EM. Erstmals zählt er zu den Favoriten. "Ich möchte um den Sieg und um Medaillen mitlaufen. Ob es am Ende klappt, weiß niemand, aber genau das ist ja das Schöne am Sport", zeigte Abdilaahi aber seine neu gewonnene Gelassenheit.

Vorher steht noch ein Diamond-League-Meeting in London auf dem Plan undv om 24. bis 26. Juli tritt Abdilaahi bei den Deutschen Meisterschaften an - für den in Dortmund lebenden Läufer praktisch ein Heimspiel. Dort will er bewusst nicht seine Paradedistanzen laufen, sondern die 1.500 Meter: "Das ist ein kleiner Speedtest, weil es bei der EM taktischer wird. Vom Rennverlauf her wird das in den letzten Runden ähnlich wie ein 1.500-Meter-Lauf."

Abdilaahi sieht sich erst am Anfang

Mit 27 Jahren sieht sich Abdilaahi noch am Anfang seiner Karriere. Auch Baumann oder sein großes Vorbild Mo Farah seien erst mit 27 durchgestartet. "Ich möchte noch lange, lange auf der Bahn sein. In zwei Jahren sind die Olympischen Spiele. Nächstes Jahr sind Weltmeisterschaften. Ich möchte ganz vorne mit dabei sein und um die Medaillen kämpfen." Im besten Fall wird aus dem ehemaligen Trainingsweltmeister dann ein richtiger Weltmeister.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Mohamed Abdilaahi
  • Leichtatheltik.de
  • Sportschau

Sendung: WDR.de, "Langstrecken-Rekordler: Mohamed Abdilaahi startet durch", 15.07.2026, 16:59 Uhr

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