Frau Eifler, wie haben Sie sich gestern nach dem Sieg gefühlt?
Larissa Eifler: Das Gefühl war überwältigend. Als nach dem Sieg alle auf mich zugestürmt sind und mich gefeiert haben, hatte ich es selbst noch gar nicht realisiert. Heute bin ich einfach unfassbar glücklich und stolz.
Was hat letztlich dazu geführt, dass Sie sich den Titel holen konnten, obwohl Sie keine Favoritin waren?
Eifler: Die Leistung im Fechten hängt stark von der Tagesform ab. Es kommt auf so viele mentale und körperliche Komponenten an. Sekunden entscheiden darüber, wer das Gefecht gewinnt. Es gab immer wieder Tage, an denen eine Komponente nicht gepasst hat und deswegen der große Erfolg und die Ergebnisse bisher nicht da waren. Aber innerlich habe ich immer daran geglaubt, dass mein Tag irgendwann kommen wird. Und daran, dass ich zu den Besten der Welt gehöre. Ich bin unendlich froh und stolz dass ich das jetzt bei der WM zeigen konnte und mich diese Zuversicht so durch den Tag getragen hat.
Welche Faktoren sind bei Ihnen für die Tagesform entscheidend?
Eifler: Bei mir ist das vor allem eine mentale Sache. Vor vier Wochen bin ich bei den Europameisterschaften in der ersten K.-o.-Runde rausgeflogen, ich war total unzufrieden mit dem Ergebnis. In dieser kurzen Zeit konnte ich nicht zu einer besseren Fechterin werden, aber ich konnte gezielt an Tools arbeiten, mit denen ich meine Leistung besser abrufen kann. Zum Bespiel durch Meditation oder Visualisierung. Ich habe darauf geachtet, dass ich entspannter bin, positiver denke und mehr an mich selbst glaube. Ich glaube, dass mir diese Faktoren gestern zum WM-Sieg verholfen haben.
Wie arbeiten Sie konkret an diesen Themen?
Eifler: Ich arbeite dafür mit einem Psychologen zusammen. Es geht darum, dass ich entspannter bin und Spaß haben kann beim Sport ohne diesen Druck. Dieser Druck, dass ich es unbedingt allen zeigen wollte, hat mich immer sehr gehemmt. Gestern konnte ich mich davon zum Glück befreien.
Nachdem Sie 2024 die Qualifikation für Olympia verpasst hatten, haben Sie zunächst ein halbes Jahr Pause gemacht. Hatte das auch mit mentalen Faktoren zu tun?
Eifler: Ja. Das Fechten war immer Mittelpunkt meines Lebens gewesen. Mein großes Ziel war und ist es natürlich, mich für die olympischen Spiele zu qualifizieren. Darauf hatte ich jahrelang hingearbeitet und musste dafür viel hintenanstellen. Als es dann nicht geklappt hat, ist etwas weggebrochen, ich bin in ein Loch gefallen. Also habe ich mich für die Pause entschieden, auch, um herauszufinden, wer ich eigentlich neben dem Fechten bin. Mein Weg der letzten Jahre zeigt mir, dass das die richtige Entscheidung war. So eine Sportkarriere ist eben kein geradliniger Weg, sondern individuell. Ich konnte durch die Pause wieder Motivation und den Spaß am Fechten finden und habe damit mehr gewonnen als verloren.
Wie haben Sie sich, neben dem mentalen Training, auf die WM vorbereitet?
Eifler: Wir waren dank der Finanzierung unseres Verbandes in einem Trainingslager in Peking, ich bin jetzt also seit zwei Wochen schon in Asien. So konnten wir uns an die Zeitverschiebung gewöhnen und hatten gute Trainingspartner.
Wie sind die Trainings- und Wettkampfbedingungen vor Ort?
Eifler: Asien ist Europa da gefühlt immer ein bisschen voraus. Die Weltmeisterschaft ist total gut organisiert und die Stimmung in der Halle war mega. Für mich war es die erste internationale Medaille, ich stand noch nie auf so einem Podium und das dann direkt bei so einer Weltmeisterschaft zu erleben, war überwältigend.
Wie ist der deutsche Fechtsport im Vergleich dazu aufgestellt?
Eifler: Die strukturellen Bedingungen sind im deutschen Sport generell und im Fechtsport im Speziellen natürlich nicht die besten. Fechten ist eine Randsportart, wir haben sehr wenig Sichtbarkeit, was damit einhergeht, dass auch die finanziellen Mittel vom Bund nicht ausreichend sind. Die bräuchte man vielleicht, um den Nachwuchs besser zu fördern und mehr Menschen zu diesem Sport zu motivieren. Aber unser Verband bemüht sich, die Strukturen im Nachwuchs und bei uns Stück für Stück zu verbessern. Unsere Trainingsgruppe am Bundesstützpunkt hat zwei tolle Trainer, die sich täglich um uns kümmern und bei denen ich mich bedanken möchte.
Aber ich hoffe , dass ich da durch meinen Sieg etwas antreiben kann, dass ich zum Beispiel den Nachwuchs motiviere und dass ich die Sichtbarkeit, die mir gerade gegeben wird, nutzen kann, um ein Vorbild für junge Fechterinnen zu sein. Das neue Sportfördergesetz trägt hoffentlich auch dazu bei, dass eine Randsportart wie Damensäbel in Zukunft ausreichend über finanzielle und soziale Mittel verfügt.
Woran merken Sie persönlich als Leistungssportlerin, dass die Bedingungen ausbaufähig sind?
Eifler: Ich bin jetzt Weltmeisterin geworden und habe keinen einzigen privaten Sponsoren, ich glaube, das sagt schon viel aus. Ich bin Sportsoldatin bei der Bundeswehr. Dadurch kann ich meine finanziellen Kosten decken. Ohne dieses System könnte ich meinen Sport nicht so ausüben. Für die Zeit nach dem Sport bin ich aber natürlich nicht abgesichert. Deshalb studiere ich aktuell parallel zum Sport Psychologie in Köln. Es ist mir wichtig, Ich bin darauf angewiesen, mir noch ein zweites Standbein für die Zeit danach aufzubauen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Larissa Eifler
Sendung: WDR.de, "Fecht-Weltmeisterin Eifler - "Habe ein super tolles Team"", 27.07.26, 17.20 Uhr