Reit-WM : Coventry schwärmt von Aachen - und hält sich bei Olympia bedeckt
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IOC-Präsidentin Kirsty Coventry zeigt sich bei ihrem ersten Besuch in Aachen begeistert von der Reit-WM und der besonderen Atmosphäre. Ihre Visite ist auch mit Blick auf die Olympia-Bewerbung von KölnRheinRuhr interessant - doch politisch hält sich Coventry bedeckt.
Über 40.000 Zuschauer bei der Dressur unter Flutlicht, volle Ränge beim Voltigieren und zehntausende Fans entlang der Geländestrecke: IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat am Wochenende bei ihrem ersten Besuch in Aachen erlebt, welche Begeisterung die Reit-WM in der Soers auslöst.
"Es war unglaublich, fantastisch", schwärmte Coventry nach ihrem Besuch im Gespräch mit dem veranstaltenden Aachen-Laurensberger Rennverein. Besonders beeindruckt zeigte sich die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin von der Kulisse im Hauptstadion. "Dieses unglaubliche Stadion zu betreten, war beeindruckend", sagte die IOC-Präsidentin.
Coventry über Reit-WM in Aachen - "Wirklich besonders hier"
Bildquelle: ALRV/WDR00:36 Min.. Verfügbar bis 17.08.2027.
Coventry lobt Atmosphäre in der Aachener Soers
Mindestens genauso angetan zeigte sich Coventry von dem, was abseits der Wettkampfstätten in Aachen zu erleben war: "Was ich an der Atmosphäre heute geliebt habe: Man hat verschiedene Generationen gesehen. Von den kleinsten Babys bis hin zu den Großeltern."
Gerade die besondere Struktur des Geländes in der Soers fiel ihr auf. Mehrere Wettkampfstätten liegen unmittelbar nebeneinander, dazwischen verteilen sich Zuschauer auf Wiesen und Wegen. "Alles liegt nah beieinander. Aber nichts hat sich überfüllt angefühlt, alles war sehr ruhig und entspannt", sagte Coventry. "Man hat überall Menschen gesehen, die auf dem Gras saßen, gegessen oder etwas getrunken haben."
Vor allem eines nehme sie deshalb von ihrem ersten Besuch mit: "Man konnte eine großartige familiäre Atmosphäre spüren. Ich glaube, das wird mir in Erinnerung bleiben."
NRW-Olympia-Bewerbung läuft
Aussagen, die man in Nordrhein-Westfalen gerne hören dürfte. Denn die Reit-WM ist für Aachen nicht nur sportlich eine große Bühne. Die Stadt spielt auch in der Bewerbung der Region KölnRheinRuhr um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 eine wichtige Rolle. Sollte sich NRW zunächst im innerdeutschen Bewerbungsverfahren und Deutschland anschließend international durchsetzen, sollen in der Aachener Soers die olympischen Reitwettbewerbe ausgetragen werden.
Dass Coventry die kurzen Wege, die Nähe der Sportstätten und die Atmosphäre hervorhob, dürfte den Verantwortlichen deshalb gefallen. Genau mit solchen Standortvorteilen möchte auch die NRW-Bewerbung punkten. Als Unterstützung für die NRW-Bewerbung lassen sich Coventrys lobende Aussagen allerdings nicht verstehen. Zu den Chancen der drei deutschen Bewerber äußerte sich die IOC-Präsidentin nicht.
Coventrys nicht ganz privater Besuch in Aachen
Nach Angaben der Veranstalter war Coventrys Besuch eher privater Natur. Ganz ohne Sportpolitik ging es für die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees allerdings nicht. Im VIP-Bereich traf Coventry unter anderem DOSB-Präsident Thomas Weikert. "Aus Sportsicht gesehen, ist natürlich fantastisch, dass die IOC-Präsidentin hier ist", sagte Weikert dem WDR.
Angetan vom Dressur-Wettkampf: Hendrik Wüst neben Kirsty Coventry
Bildquelle: IMAGO/Ulrich HufnagelNoch interessanter wurde die Runde durch weitere prominente Gäste: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner kamen ebenfalls nach Aachen. Damit waren hochrangige Vertreter aller drei deutschen Olympia-Bewerbungen vor Ort.
Innerdeutsche Entscheidung Ende September
Ende September entscheidet der DOSB, ob Berlin, München oder die Region KölnRheinRuhr als deutscher Kandidat ins Rennen um Olympische und Paralympische Spiele geschickt wird. Entsprechend nutzten die Politiker ihren Besuch auch, um für die jeweiligen Konzepte zu werben.
"Jeder macht mit seinem Angebot das beste Angebot, das er machen kann. Ich glaube, unseres ist objektiv am besten", sagte Wüst in einer Medienrunde über die Bewerbung aus NRW. Gleichzeitig betonte er die demonstrative Einigkeit der Konkurrenten: "Sport ist wichtig, aber gerade beim Sport muss man sportlich bleiben. Deshalb haben wir auch die Kollegen aus Bayern und Berlin eingeladen."
"Spannende Themen" - aber kein Gespräch über Olympia
Bei einem gemeinsamen Abendessen kamen die Landespolitiker mit der IOC-Präsidentin zusammen. Olympia sei aber kein Thema gewesen: "Wir haben gar nicht über die Olympischen Bewerbungen gesprochen. Das gehört sich nicht an so einem Abend", so Wüst. Stattdessen sei es unter anderem um "Sportentwicklung" und die Bedingungen im Frauen- und Männersport gegangen. Man habe ein paar "spannende Themen" gehabt.
Coventry selbst vermied - wenig überraschend - jede Bewertung der drei deutschen Kandidaten. So blieb von Coventrys erstem Besuch in Aachen kein politisches Bekenntnis, dafür aber ein ausgesprochen positiver Eindruck von einem möglichen zukünftigen Olympia-Standort. "Die Anlage ist einfach wunderschön", sagte die IOC-Präsidentin. Und zumindest bei einer Sache legte sie sich an diesem Abend fest: "Ich werde definitiv wiederkommen."
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: wdr.de, Aachener Olympia-Gipfel mit Berlin, München und NRW, 17.08.2026, 19:29 Uhr