"Ich habe gerade ein Pferd gestreichelt!", erzählt Mia stolz ihrer Erzieherin. "Und dann hat es mich sogar abgeleckt", ergänzt sie lachend. Gemeinsam mit ihrer Kindergartengruppe steht sie am Zaun des Abreiteplatzes und beobachtet die ersten Reiter des Tages. Die Kinder staunen über die großen Tiere, die ruhig ihre Runden drehen. Für sie ist es ein besonderer Ausflug, für die Sportler gehört so ein großes Turnier längst zum Alltag.
Noch ist es ruhig auf dem Turniergelände. Nur das Klappern der Hufe auf dem Sand und kurze Kommandos der Trainer sind zu hören. Die Zuschauertribünen füllen sich erst langsam. Doch schon wenige Stunden später wird sich das Bild verändern: Dann treten einige der besten Springreiter der Welt auf dem großen Rasenplatz gegeneinander an.
Zwischen Metropolen und Münsterland
Wer auf der Global Champions Tour startet, reist normalerweise von Metropole zu Metropole: Doha, Mexiko-Stadt, Paris, London oder Miami Beach. Dazwischen liegt Riesenbeck - ein Ort mit rund 7.000 Einwohnern im Tecklenburger Land. Dass ausgerechnet hier die einzige deutsche Etappe der prestigeträchtigen Turnierserie stattfindet, wirkt zunächst überraschend. Tatsächlich aber gehört Riesenbeck längst zu den festen Größen im internationalen Springsport.
Das Reitsportzentrum bietet auf rund 20 Hektar ideale Bedingungen für Pferd und Reiter. Mehrere Abreiteplätze mit Sand- und Grasboden, moderne Reithallen, kurze Wege und das Herzstück der Anlage: die Stallungen. Über 300 Pferde finden dort in großen, hellen Boxen Platz. Wer hier ankommt, merkt schnell: Die Anlage ist auf Spitzensport ausgelegt.
Genau diese Mischung aus professioneller Infrastruktur und der vergleichsweise ruhigen Atmosphäre macht den Standort für viele Reiter besonders.
Arbeitsbeginn: Sechs Uhr
Während auf dem Turnierplatz die ersten Prüfungen langsam beginnen, herrscht hinter den Kulissen schon seit sechs Uhr morgens Hochbetrieb. Mit die Ersten im Stall sind die Grooms. Sie versorgen die Pferde, bereiten sie auf ihre Starts vor und sind den ganzen Tag an ihrer Seite.
Eine von ihnen ist Lisa Fundis. Sie betreut die Pferde des deutschen Springreiters Philipp Weishaupt. Kaum ist eine Prüfung vorbei, steht sie schon an der Stallgasse. "Wir stehen immer zur Verfügung, sind jederzeit griffbereit", erzählt Lisa.
Jetzt sitzt jeder Handgriff. Der Sattel wird abgenommen, die Trense gelöst, die Stollen aus den Hufeisen gedreht. Anschließend geht es zum Waschplatz. Während der Reiter schon den nächsten Start im Blick hat, sorgt Lisa dafür, dass sich der 13-jährige Wallach Chiquitos erholen kann.
Reporterin Ann-Christin Voßkühler berichtet vom Nationalen Teamspringen in Riesenbeck
Lokalzeit Münsterland. 17.07.2026. 25:39 Min.. Verfügbar bis 17.07.2028. WDR.
Wer durch die Stallgassen geht, begegnet nicht nur den Top-Pflegern, sondern auch den Top-Reitern. Olympiasieger, Weltmeister und Nachwuchstalente. Sie alle nutzen das Turnier und die Bedingungen in Riesenbeck als Vorbereitung.
Letzte Generalprobe auf Rasen
Für viele Reiter ist Riesenbeck in diesem Jahr mehr als nur eine Station der Global Champions Tour. Nur wenige Wochen vor den internationalen Titelkämpfen gilt der Grasplatz als wichtige Generalprobe. Entsprechend groß ist das Interesse: Europameister Richard Vogel ist mit seinem Erfolgspferd United Touch angereist, um letzte Erfahrungen auf Rasen zu sammeln.
Ludger Beerbaum
Auch Turnierchef Ludger Beerbaum spürt die besondere Bedeutung der Veranstaltung: "Es haben uns viele Equipechefs im Vorhinein angerufen und gefragt, ob sie hier noch einmal auf Rasen reiten dürfen. Nicht nur aus deutscher Sicht, sondern auch international wird dieses Wochenende als letzte Trainingsrunde vor der Weltmeisterschaft in Aachen gesehen."
Neben der Vorbereitung geht es aber auch um wertvolle Punkte. In der Global Champions Tour kämpfen die Teams über mehrere Etappen um die Gesamtwertung. Das Heimteam Riesenbeck International zählt dabei zu den Favoriten und will seine Spitzenposition verteidigen.
Unsere Quelle:
- Reporterin vor Ort
Sendung: "Die Global Champions Tour macht Halt in Riesenbeck", WDR.de, 18.07.2026, 11.18 Uhr