WDR: Seit gut 5 Wochen sind Sie auf Schalke? Wie läuft’s im Moment?
Robin Gosens: Gut läuft's. Ich hatte leider Gottes diesen kleinen Dämpfer mit der Verletzung aus dem Spiel gegen Kassel. Aber zum Glück habe ich relativ schnell wieder mit der Mannschaft trainieren können. Was mir ein bisschen fehlt, sind die Freundschaftsspiele, da ich gegen Atalanta und Real keine Minuten sammeln konnte. Aber ich fühl mich wieder gut, bin fit und frisch und hab richtig Lust, dass es losgeht.
WDR: Sie haben in Ihrem Podcast, der bei ARD-Sounds abrufbar ist, erzählt, wie wichtig es für Sie ist, dass Sie sich wohlfühlen in einer Stadt. Sie haben dabei gesagt, dass das in Berlin nicht unbedingt der Fall war. Ist das hier anders?
Gosens: Das ist natürlich ganz anders, weil das hier nicht irgendeine Stadt ist oder irgendein Ort, sondern meine Heimat. Das ist für mich persönlich wichtig, weil ich mich besser auf den Fußball konzentrieren kann. Vor allem habe ich auch die Gewissheit, dass es meiner Familie gut geht, auch, wenn man sie viel alleine lassen muss.
Schalkes Gosens - "Das ist für mich Heimat"
Bildquelle: INA FASSBENDER / AFP01:13 Min.. Verfügbar bis 23.08.2028.
WDR: Sie sind in Emmerich-Elten groß geworden. Das ist ja 90 Kilometer entfernt Trotzdem sagen sie: "Ich bin Schalke-Fan". Wie kam es dazu?
Gosens: Ich weiß nicht, ob ich ohne Schalke überhaupt Fußballer oder Fußballfan geworden wäre. Bis zum sechsten Lebensjahr war ich ein Junge, der auf vieles Bock hatte, aber nicht auf Fußball. Doch dann kam ein lebensveränderndes Ereignis, als mein Patenonkel mich ins Stadion mitgenommen hat. Danach war klar: Ich möchte genau das machen, was die Jungs da unten machen. So ist eine große emotionale Verbindung entstanden. Ich bin Schalke-Fan geworden und war dann auch oft m Stadion.
WDR: Wohnen Sie wieder in Emmerich und fahren jeden Tag?
Gosens: Genau, und das ist ganz lustig: Wir waren uns nie so richtig im Klaren darüber, ob wir nach der Karriere in Italien oder in Deutschland wohnen wollen. Deswegen wollten wir ausprobieren, wie uns das Leben in der Heimat gefällt. Jetzt genießen wir die ganz banalen Vorteile mit Oma und Opa in der Nähe (lacht). Das hatten wir nie.
WDR: Und das läuft gut?
Gosens: Das läuft super. Die Kids sind im siebten Himmel. Die sind jeden Tag bei Oma und Opa und mit ihren Cousins zusammen. Auch wir können die Vorteile genießen, sind öfter bei Mama und Papa und mit unseren Freunden unterwegs.
WDR: Nun geht die Saison los, erstmal im DFB-Pokal. Ein Regionalligist in Halle wartet auf Sie. Wie wichtig ist es, dass Schalke souverän gewinnt?
Gosens: Ja klar wäre das gut. Aber wir müssen auf der Hut sein. Es klingt immer so banal, aber das Unterschätzen des Gegners ist lebensgefährlich. Das darf und wird nicht passieren. Wir müssen unser Spiel durchziehen.
Schalkes Robin Gosens - "Will mit Leistung vorangehen"
Bildquelle: INA FASSBENDER / AFP01:40 Min.. Verfügbar bis 23.08.2028.
WDR: Nun herrscht ja hier eine unfassbare Euphorie. Wie erleben Sie die?
Gosens: Total positiv. Das sind erst mal richtig positive Gefühle, die einen nochmal pushen, aber auch zeigen, wie wichtig es den Fans ist, dass wir in der Liga bleiben und uns etablieren und stabilisieren. Aber das geht nicht nur mit 11 oder 15, 16 Spielern. Wir müssen das mit den Fans zusammen machen. Deswegen wollen wir nicht nur jetzt die Euphorie haben, sondern die Welle im besten Fall auch die ganze Saison aufrechterhalten.
WDR: Nun gibt es im Team einige sehr junge Spieler, für die das das erste Jahr in der 1. Liga ist. So eine Euphorie, die kann beflügeln, aber gerade junge Spieler vielleicht auch hemmen?
Gosens: Ich glaube, dass wir tatsächlich einen richtig guten Mix haben aus jungen und älteren Spielern. Aber machen wir uns nichts vor: Wir werden in dieser Saison auch schwierige Momente haben. Wir müssen jeden Tag ans Limit gehen, im Training und im Spiel. Dabei müssen die jungen Spieler auch Fehler machen dürfen. Ich freue mich darauf, als erfahrener Spieler vorneweg zu gehen, vielleicht auch mal ein bisschen mehr auf mich zu laden, um die Jungen zu entlasten. Das gehört auch zum Job dazu. Dann werden wir das packen, und darauf habe ich riesengroßen Bock.
WDR: Was erwarten Sie denn tatsächlich von Ihrer Mannschaft? Wie sind Ihre persönlichen Ziele?
Gosens: Erstmal ist mir persönlich wichtig, dass ich der Mannschaft das gebe, was auch von mir verlangt wurde, nämlich Leadership. Ich möchte auch mit Leistung vorangehen. Ich weiß, was es bedeutet, auf Schalke zu spielen: Das bedeutet Leidenschaft, Emotion, Passion und das bedeutet Malochen. All´ das ist in meiner Mentalität drin. Das muss ich von mir erwarten. Alles andere würde mich enttäuschen.
WDR: Und das Ziel der Mannschaft?
Gosens: Ganz klar, der Klassenerhalt. Aber wir wollen den Verein auch stabilisieren. Schalke gehört dauerhaft in die Bundesliga. Dafür haben wir alle Voraussetzungen. Ich glaube, wir sind keine Mannschaft, die auf jeder Position mit unfassbarer individueller Qualität bestückt ist, sondern über das Kollektiv kommt. Das wurde uns vom ersten Moment eingetrichtert, auch von Miron Muslic. Es geht nur über das Kollektiv und das gemeinsame Leiden.
Unsere Quelle:
- Interview mit Robin Gosens
Sendung: "Schalkes Robin Gosens - 'Will mit Leistung vorangehen'", WDR.de, 23.08.2026, 12:32 Uhr
