Stefan Sulke am Klavier

Stichtag 27. Dezember 1943 - Liedermacher Stephan Sulke wird geboren

Er sei nur ein "verwelkter Schnulzen singenden Poet", hat der Schweizer mit melancholischem Augenzwinkern über sich selbst gedichtet. Einer, "der nur mit müden Liedern durch die Gegend dreht. Und gesucht nach großen Worten voller Sinn hab ich wohl nie…" Es habe ihn immer fasziniert, sagt Stephan Sulke, wie schnell man mit Musik und ein paar Worten in die Seele eines Menschen hineindringen könne. "Auch in die eigene, das war mein Ding."

Ruhig ist es um Stephan Sulke zuletzt geworden. Seine Fans, die meisten weiblich, haben den klavierspielenden Liedermacher mit der leicht französischen Nonchalance trotzdem nicht vergessen. "Im Verhältnis zu meinem Charakter", gesteht der nun 70 Jahre alte Interpret rückblickend, "hab ich in meinem Leben einen irrsinnigen Erfolg gehabt."

Debüterfolg als Steff

Seine jüdischen Eltern sind aus Berlin vor den Nazis nach Shanghai geflohen, wo Sulke am 27. Dezember 1943 zur Welt kommt. Nach Kriegsende übersiedelt die Familie in die Schweiz. 20 Jahre alt, gewinnt Stephan Sulke unter dem Namen Steff in Frankreich einen Nachwuchsgesangswettbewerb. Den Preis überreicht ihm der große Maurice Chevalier. Als Steff landet er 1965 auch in den USA einen ersten Achtungserfolg. Zurück in Europa, studiert Sulke aber zunächst Jura und baut in Genf ein Tonstudio, das unter anderem Jazzkonzerte des renommierten Montreux Festivals aufnimmt.

1972 gründet Stephan Sulke in London eine Firma für Studioelektronik. Als erfolgreicher Unternehmer nun von Plattenfirmen und Marktzwängen unabhängig, bringt er 1974 die erste deutschsprachige LP unter seinem Namen heraus. Seine Lieder, so schreibt der "Stern", seien "geprägt von romantischem Pessimismus, sanfter Ironie und verletzten Gefühlen." Das Fernsehen entdeckt den deutschen Chansonnier, der seine Alltagsballaden am Flügel mit verschmitzt-lässigem Charme vorträgt, als Dauergast. Mal etwas larmoyant, mal bissig, immer originell.

Opfer eines Autoräubers

Beißend komisch ist auch Stephan Sulkes größter Erfolg "Uschi", mit dem er 1982 bis auf Platz drei der ZDF-"Hitparade" kommt. "Uschi ist ein Klassiker geworden, jeder Mensch ab einem gewissen Alter kennt das Ding", sagt der 70-jährige stolz. "Uschi, mach keinen Quatsch, weil ich sonst den Kopf verlier", das ist Sulkes Antwort "auf den Feminismus, den ich einfach schrecklich fand." Alles will er in seiner ironietriefenden Selbstdemontage tun, um der emanzipierten Liebsten zu gefallen, sogar ihren Namen annehmen, "obwohl ich nicht sehr gerne – Tulpenstängel heiß".

Auf Tournee füllt Sulke mit seinen gesungenen Beziehungskisten die großen Hallen. Stars wie Katja Ebstein, Erika Pluhar oder Herbert Grönemeyer lassen sich Lieder von ihm schreiben. Bis 1987 veröffentlicht er elf weitere LPs. Dann bremst Sulke die Karriere und widmet sich wieder seinem anderen Standbein, dem Entwurf und Bau von Studiotechnik. Als er 1994 Opfer eines brutalen Autoräubers wird, beginnt Sulke zu malen und Skulpturen zu schaffen. Erst fünf Jahre nach dem Überfall nimmt er ein neues Album auf. 2011 zieht der Schweizer, laut altersmilder Weisheit "irgendwo ja doch ein elitärer Typ", mit seiner vorerst letzten LP eine ironische Bilanz: "Enten hätt’ ich züchten sollen."

Stand: 27.12.2013

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