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Newsletter vom 9. Juli 2026

Willkommen zum Newsletter des Rundfunkrats mit Blick auf die 680. Sitzung am 9. Juli 2026. Der Vorsitzende berichtete von der Verhandlung am Bundesverfassungsgericht, das Haus gab ein Update zu den Plänen für COSMO und bei WDR 5 ändert sich das Abendprogramm. Zudem gab es Einblicke in die Entwicklungen bei den Themen Gleichstellung, Integration, Datenschutz und Barrierefreiheit im WDR. Auch ein Name für die Nachfolge von Jörg Schönenborn wurde genannt.

1.    Karlsruhe und die Zukunft der Rundfunkfinanzierung

Mehr als nur Cent-Beträge. Am 23. Juni schaute Mediendeutschland nach Karlsruhe zum Bundesverfassungsgericht und der mündlichen Verhandlung in Sachen „Rundfunkfinanzierung II“. Rolf Zurbrüggen, Vorsitzender des WDR-Rundfunkrats, beobachtete die Verhandlung im Saal, in der es nicht mehr nur um die Beitragshöhe, sondern um Grundsätzlicheres geht. Im Zentrum der Verhandlung stand die Frage, ob die Bundesländer die Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zur Erhöhung des Rundfunkbeitrags aussetzen durften. Das Gericht befasst sich dabei vor allem mit der staatsfernen und bedarfsgerechten Finanzierung des Rundfunks – und ausdrücklich nicht mit Fragen der Auftragserfüllung oder Ausgewogenheit.

„Das Urteil dürfte nicht nur für die konkrete Beitragshöhe von Bedeutung sein, sondern auch für die grundsätzliche Frage, wie die staatsferne Finanzierung sichergestellt werden kann.“ Rolf Zurbrüggen, Vorsitzender des WDR-Rundfunkrats
Rolf Zurbrüggen

Als bemerkenswert bezeichnete der Vorsitzende auch, wie offen die Länder politische Erwägungen für ihre Entscheidung vor Gericht vorgetragen haben. Wie das Urteil letztlich ausfallen wird, darauf gab der Verhandlungstag keine deutlichen Hinweise. Es wirkt vielmehr, als würde es auf eine Mehrheitsentscheidung der Richter hinauslaufen, so der Vorsitzende nach seinen Eindrücken in Karlsruhe. Ein Urteil wird nun in den kommenden Monaten erwartet.

2.    Stand der Barrierefreiheit im WDR

Mehr Teilhabe für alle Nutzerinnen und Nutzer. Gleich zweimal beschäftigte der barrierefreie Zugang zu den Angeboten des WDR das Gremium in dieser Sitzung. Prof. Dr. Gerd Ascheid stellte die Beratungsergebnisse zum ARD- und WDR-Bericht zur Barrierefreiheit vor. Er berichtete zusammen mit Fabiana Kühl über die eigene Programmbeobachtung, die nicht nur den Zugang zu Angeboten untersucht hat, sondern auch, wie Menschen mit Behinderung im Programm dargestellt und eingebunden werden.

Die gemeinsame Programmbeobachtungsgruppe von PA (Programmausschuss) und EDA (Ausschuss für Rundfunkentwicklung und Digitalisierung) lobte die umfassende Verfügbarkeit von Untertiteln, die gute Nutzbarkeit von Mediathek und Website sowie einzelne gelungene Beispiele inklusiver Darstellung. Kritisch angemerkt wurden die geringe Präsenz von Menschen mit Behinderung außerhalb spezifischer Themenkontexte und Defizite bei Audiodeskription und Gebärdensprache. Die Beobachtungsgruppe regte unter anderem an, Menschen mit Behinderung in allen Programmbereichen selbstverständlicher sichtbar zu machen und inklusive Teams und Perspektiven stärker einzubeziehen.

Einen stärkeren Fokus auf die technischen Aspekte legte der ARD- und WDR-Barrierefreiheitsbericht, der von den Mitgliedern als deutlicher Fortschritt bei Untertitelung, Gebärdensprache und Audiodeskription gesehen wurde. Das Gremium wertete den aktuellen Stand als solide Grundlage und machte gleichzeitig deutlich, dass weitere Schritte folgen sollten. Die Mitglieder fordern, Angebote mit Audiodeskription auszubauen und zusätzliche barrierefreie Zugänge bei großen Live- und Sportereignissen zu prüfen. Auch die Ziele des neuen ARD-Aktionsplans sollten aus Sicht des Gremiums noch konkreter formuliert werden.

3.    Diskussion um COSMO

Anhaltende Kritik wegen COSMO. In ihrem Bericht griff Intendantin Dr. Katrin Vernau die Diskussion über die Neukonzeption von COSMO auf. Nachdem der Rundfunkrat den Beschluss in seiner Juni-Sitzung nach intensiven Diskussionen gefasst hat, gleichzeitig aber auf offene Fragen im Hinblick auf interkulturelle Themen im Programm hinwies, ging Programmdirektorin Andrea Schafarczyk in einer Präsentation auf diese Punkte ein.

Die Direktorin führte aus, dass es innerhalb des Senders mehr Menschen mit internationalen Biografien in Redaktion und Führung geben und die Publikumskritik mit Hilfe einer Resonanzgruppe in die Programmgestaltung einfließen soll. Beim Thema Fremdsprachen kündigte sie eine Fachredaktion als gemeinsame Einheit an, um eine programmübergreifende Schnittstelle zu schaffen. Die Anzahl der Fremdsprachen werde allerdings reduziert. Ein weiterer Punkt war die Musikwahl des Senders: COSMO steht für das Musikgenre „Global Pop“, das als Alleinstellungsmerkmal gilt. Zukünftig soll es jeden Sonntagabend eine Sendung rund um die urbane Weltmusik geben.

Die Intendantin begründete außerdem die erneute Namenssuche für den Sender und äußerte Verständnis für die Kritik am Namensvorschlag, auf die man nun entsprechend reagiert hat.

Zum Gutachten des Medienrechtsprofessors Hubertus Gersdorf, stellte Dr. Vernau fest, dass der WDR die Bewertung nicht teile und der Beschluss des Gremiums vom gesetzlichen Auftrag gedeckt sei.

Den Rundfunkrat haben in den Tagen vor der Sitzung erneut zahlreiche Zuschriften von COSMO-Fans erreicht. Teilweise mit sehr persönlichen und umfangreichen Appellen für die Erhaltung des bisherigen Senderkonzeptes. Das Gremium nimmt die Stimmen ernst und wird aufmerksam verfolgen, ob und wie der WDR die angekündigten Maßnahmen und generell den Auftrag für interkulturelle Programmangebote umsetzt.

4.     Nachfolge von Jörg Schönenborn

Kandidat für Programmdirektion. Jörg Schönenborn hat mittlerweile seine Premierensendung bei den Tagesthemen absolviert, nachdem der Rundfunkrat ihn im April als langjähriger Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung auf eigenen Wunsch abberufen hatte. In der Frage der Nachfolge ist der WDR nun einen Schritt weiter und schlägt dem Gremium Ingmar Cario, der die Direktion bereits kommissarisch leitet, als neuen Programmdirektor vor. Die Intendantin schlägt außerdem die Wiederwahl der Programmdirektorin für die Bereiche Nordrhein-Westfalen, Wissen und Kultur, Andrea Schafarczyk, nach der Sommerpause im September vor. Weitere Informationen zu den Personalien finden sich in der Mitteilung des WDR. Die Ernennungen von Direktorinnen und Direktoren erfolgt auf Vorschlag der Intendantin, bedarf aber der Zustimmung des Rundfunkrates.

5.     WDR 5 künftig mit mehr Information am Abend

Klareres Profil bei WDR 5. Die Radiowelle soll sich deutlicher als Informations- und Diskussionssender ausrichten und mehr Aktuelles und dialogorientierte Formate ins Abendprogramm aufnehmen. Teil der Änderungen sollen eine verstärkte Kooperation mit dem ARD-Inforadio und zusätzliche Formate wie „Mitreden! Deutschland diskutiert“ sein. Die Kinderprogrammstunde „MausLIVE“ wird wegfallen, da das MausRadio im Zuge des Reformstaatsvertrags als Angebot im Internet weiterentwickelt werden soll. Im Abendprogramm werden entsprechend nur noch erwachsene Hörerinnen und Hörer angesprochen. Die Vorsitzende des Programmausschusses, Gabriele Hammelrath, berichtete von den Ausschussberatungen und dass man sich einig war, dass die Maßnahmen geeignet sind, um das Profil von WDR 5 weiter zu stärken. Der Rundfunkrat folgte der Empfehlung und beschloss die Programmschemaänderung einstimmig.

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Korrekturhinweis vom 13.7.26: In der ursprünglichen Meldung gaben wir an, dass "MausLIVE" wegfällt, um Sendezeit für andere Formate zu schaffen. Richtig ist, dass die Sendung als Teil des MausRadios zukünftig nur noch digital per Stream verbreitet wird.

6.     Programmbeschwerden zu Instagram-Post von Monitor, Beitrag zum Atomausstieg und Talk-Gästen bei „hart aber fair“

Keine Verstöße gegen die Programmgrundsätze. In der Sitzung befasste sich der Rundfunkrat mit mehreren Programmbeschwerden aus Fernsehen, Online und sozialen Medien. Nach ausführlicher Beratung sah das Gremium in keinem der Fälle einen Verstoß gegen die gesetzlichen Programmgrundsätze.

Drei Beschwerden bezogen sich auf eine Ausgabe der „Aktuellen Stunde“ vom 5. Februar 2026. Die Beschwerdeführer kritisierten ein Expertengespräch über Gewalt im öffentlichen Raum und sahen unter anderem die Trennung von Nachricht und Kommentar verletzt. Der Rundfunkrat folgte jedoch der Argumentation der Intendantin, dass es sich erkennbar um ein getrenntes Expertengespräch gehandelt habe und die Frage der Moderatorin keine eigene Bewertung darstelle.

Auch bei einer Beschwerde gegen die Sendung „Hart aber fair“ zum Thema Zuckersteuer und Abnehmspritzen sah das Gremium keinen Verstoß gegen die Programmgrundsätze. Der Beschwerdeführer hielt die Gästeauswahl für einseitig. Der Rundfunkrat betonte dagegen die redaktionelle Freiheit bei der Besetzung von Talksendungen und sah unterschiedliche Perspektiven ausreichend vertreten.

Beim Online-Beitrag „War der Atomausstieg ein Fehler?“ kritisierte ein Zuschauer die Auswahl der Expertinnen und Experten. Die Rundfunkratsmitglieder kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass der Beitrag verschiedene Sichtweisen berücksichtigt und die journalistischen Anforderungen erfüllt habe.

Besonders intensiv diskutierte das Gremium eine Beschwerde gegen einen Instagram-Beitrag des Politikmagazins Monitor zum Libanon-Konflikt. Schon im Programmausschuss wurde deutlich, dass es unterschiedliche Positionen dazu gibt. Einzelne Mitglieder äußerten Zweifel daran, ob ein derart komplexes Thema so verkürzt dargestellt werden sollte. Insgesamt wurde der Beitrag von einigen Mitgliedern als undifferenziert und einseitig wahrgenommen. Mit neun Stimmen für den Beitritt zur Programmbeschwerde und bei zwei Enthaltungen wurde mehrheitlich kein Verstoß gegen Programmgrundsätze festgestellt.

7.     Entwicklungen bei den Themen Gleichstellung, Integration und Datenschutz im WDR

Integration. Die Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses, Gisela Hinnemann, stellte dem Gremium den Bericht der Beauftragten für Integration und Diversity of Content, Dr. Iva Krtalic, vor. Im Mittelpunkt des Berichts für 2024/25 standen Projekte wie das Pop-up-Studio in Gelsenkirchen und „WDR trifft“, die den Dialog mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen fördern und Impulse für die Programmgestaltung liefern. Der Ausschuss diskutierte im Vorfeld bereits die Messbarkeit der Wirkung dieser Arbeit und würdigte die Bedeutung von Publikumsdialog, Nachwuchsförderung und einer vielfältigen Programmgestaltung.

Gleichstellung. Außerdem stellte Gisela Hinnemann den Gleichstellungsbericht 2025 der Beauftragten für Gleichstellung und Diversity of People, Britta Frielingsdorf, vor. Der Frauenanteil in der Belegschaft liegt erstmals über 50 Prozent. Gleichzeitig weist der Bericht auf bestehende Herausforderungen hin, insbesondere den leichten Rückgang des Frauenanteils in Führungspositionen sowie strukturelle Ungleichgewichte in technischen Berufen und höheren Vergütungsgruppen.

Datenschutz. Zuletzt stellte Prof. Gerd Ascheid die Ausschussberatungen über den Tätigkeitsbericht des gemeinsamen Rundfunkdatenschutzbeauftragten von ARD, ZDF und Deutschlandradio, Stephan Schwarze, für das Jahr 2025 vor. Das Gremium bewertete den Datenschutz im WDR insgesamt als stabil und ohne strukturelle Defizite. Zugleich regten die Mitglieder an, das Datenschutzmanagement weiter zu stärken, insbesondere mit Blick auf IT-Sicherheit, Vorfallsmanagement und Ressourcenbedarf zur Aufsicht. Zudem empfiehlt der Rundfunkrat, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Datenschutz kontinuierlich zu beobachten und entsprechende organisatorische Anpassungen vorzunehmen.

8.     In eigener Sache

Neuer Tagungsort und Sommerpause. Nach fast zehn Jahren wird der Rundfunkrat nicht mehr im Wallraf-Richartz-Museum tagen, da dieses für eine umfassende Generalsanierung schließt. Gleichzeitig nähert sich die Sanierung des WDR-Filmhauses am Appellhofplatz ihrem Abschluss. Wenn die letzten Genehmigungen vorliegen, wird der Rundfunkrat voraussichtlich die nächste Sitzung am 16. September erstmals dort abhalten. Sollte es zu Verzögerungen kommen, findet die Sitzung alternativ im Kleinen Sendesaal (Funkhaus) statt. Bitte achten Sie entsprechend auf die Ortsangabe in der Einladung für die kommende Sitzung.

Bis dahin wünschen wir Ihnen einen schönen Sommer. Sollten Sie Fragen zu den Sitzungspunkten, der Arbeit des Rundfunkrats allgemein oder zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns.