IFA 2026: Smart Home und Strombedarf
Bildquelle: WDR/Schieb3 Min.. Verfügbar bis 04.09.2028. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
IFA 2026 : Wo intelligente Technik im Smart Home spart - und wo nicht
Stand:
Auf der IFA in Berlin verspricht die Branche seit Freitag mal wieder das effiziente, komplett vernetzte Zuhause. Alles soll schneller und sparsamer werden. Doch mehr und smartere Technik verbraucht auch mehr Strom. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb ordnet ein, welche Anwendungen sich rechnen.
Nicht jedes Gerät, das sich per App bedienen und ausschalten lässt, senkt automatisch die Stromrechnung. Zwar versprechen die Anbieter moderner Haushaltsgeräte mehr Komfort und effektiven Einsatz, auch Energiespareffekte. Doch wer wirklich Energie sparen will, sollte nicht bei der Technik anfangen, sondern beim größten Verbrauch im eigenen Zuhause.
IFA 2026: Komfort und Energieersparnis in einem Atemzug
Die Internationale Funkausstellung (IFA) läuft noch bis Dienstag auf dem Berliner Messegelände, mehr als 1.900 Marken aus 49 Ländern zeigen dort ihre Neuheiten. Die Versprechen sind konkret: Samsung wirbt mit Waschmaschinen, die den Grenzwert der Energieeffizienzklasse A deutlich unterschreiten sollen, und mit einem Kühlschrank, dessen Kamera Zutaten erkennt.
Siemens zeigt einen Backofen, der über 100 Gerichte selbst erkennt. Miele stellt einen Geschirrspüler vor, der per Kamera prüft, ob er voll genug ist und dann von allein startet - und fragt in einer Keynote am Samstag, ob das Ende der Hausarbeit in Sicht sei.
IFA: Moderne Backöfen erkennen automatisch, was eingestellt wird - und bieten Rezepte an.
Bildquelle: WDR/SchiebAuffällig ist, wie selbstverständlich Komfort und Energieersparnis in einem Atemzug genannt werden. Wo Hersteller belastbare Zahlen nennen, stammt der Effekt aber fast immer aus der Bauart, nicht aus der Software: Bosch beziffert den Verbrauch eines Waschtrockners mit Wärmepumpe auf 136 Kilowattstunden je 100 Zyklen, ein herkömmliches Gerät liegt bei 305.
Zuerst der Verbrauch, dann die Steuerung
Rund 70 Prozent der Energie in einem Privathaushalt gehen für Raumwärme drauf. Alles, was Licht, Fernseher oder Kaffeemaschine betrifft, spielt daneben eine vergleichsweise kleine Rolle - es gibt also auch ein nur geringes Einsparpotenzial.
Deshalb liegt das größte Potenzial bei der Heizungssteuerung. Vor allem dort, wo bislang wenig manuell geregelt wird. Eine Untersuchung des Öko-Instituts gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW hat das durchgerechnet.
Bei energiebezogenen Anwendungen wie smarten Thermostaten, Fensterkontakten und Bewegungsmeldern sinkt der Heizenergiebedarf um etwa neun Prozent in der Wohnung und 14 Prozent im Haus. Das ist ein realer Effekt, aber kein Selbstläufer: Er entsteht nur, wenn Temperaturen, etwa bei Abwesenheit, tatsächlich abgesenkt werden und die Heizung beim Lüften pausiert.
Pauschal beziffern lässt sich die Ersparnis nicht. Sie hängt von Bausubstanz, Wohnfläche, Ausstattung und vor allem vom bisherigen Verhalten ab. Wer ohnehin diszipliniert regelt, holt aus der Automatik weniger heraus.
Am meisten Energie lässt sich mit smarter Wärmesteuerung sparen.
Bildquelle: WDR/SchiebWenn smarte Technik selbst zum Verbraucher wird
Der zweite Teil der Rechnung fällt gern unter den Tisch. Jede Steckdose, jeder Sensor, jedes Gateway (Schnittstelle zum Internet) zieht dauerhaft Strom, auch wenn nichts geschaltet wird.
In derselben Untersuchung steigt der Stromverbrauch bei den energiebezogenen Geräten um etwa drei Prozent, überschaubar gegenüber der Heizersparnis. Kommen jedoch Kameras, Rauchmelder und andere Komfort- und Sicherheitslösungen dazu, klettert der Stromverbrauch auf sechs Prozent in der Wohnung und zwölf Prozent im Haus, ohne dass die Heizersparnis wächst. Mit smarten Lautsprechern, Saugrobotern oder Gartenbewässerung liegt er noch höher.
Anders ausgedrückt: Ab einem bestimmten Punkt kauft man Komfort und Sicherheit, nicht Effizienz. Das ist legitim, nur sollte es nicht mit Sparen verwechselt werden.
Dynamische Stromtarife: Verlagern ist nicht sparen
Ein dritter Fall wird derzeit stark beworben: dynamische Stromtarife. Seit Anfang 2025 muss jeder Stromlieferant mindestens einen anbieten, der Preis folgt dann viertelstündlich der Strombörse. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem, umgangssprachlich Smart Meter. Der Einbau lässt sich seit 2025 beantragen, die laufenden Kosten sind gedeckelt und liegen je nach Verbrauch bei etwa 20 bis 100 Euro im Jahr.
Der Haken: Ein solcher Tarif senkt keine Kilowattstunde, er verschiebt sie nur in günstigere Stunden. Das rechnet sich, wenn große Lasten automatisch verschiebbar sind - Wärmepumpe, Wallbox, Heimspeicher. Für einen Haushalt ohne solche Verbraucher bleibt der Vorteil klein und wird von den Zählerkosten teilweise wieder aufgezehrt. Verbraucherschützer raten Standardhaushalten deshalb davon eher ab.
(Smart) Home: Die Reihenfolge, die sich tatsächlich rechnet
- Verbrauch klären: Wo geht die Energie hin, Wärme oder Strom? Die letzte Abrechnung genügt als Einstieg.
- Am größten Posten ansetzen: In der Regel ist das die Heizung, nicht die Steckdose.
- Eigenverbrauch mitrechnen: Jede zusätzliche Komponente kostet dauerhaft Strom.
- Automatisierung ehrlich einordnen: Kameras, Sprachassistenten und Lichtszenen erhöhen den Komfort - die Rechnung senken sie nicht.
Die aktuelle IFA zeigt, was heute technisch möglich ist, auch und besonders in Sachen Komfort. Ob es sich lohnt, entscheidet sich nicht in Halle 21, sondern am eigenen Heizkörper.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, IFA 2026: Wann spart ein Smart Home wirklich Energie ein?, 04.09.2026, 14:56 Uhr
