KI schnappt sich auch Top-Jobs

WDR 03:13 Min. Verfügbar bis 29.06.2028

Arbeitsmarkt und Künstliche Intelligenz KI schnappt sich auch Top-Jobs

Stand:

Unternehmen wollen auch hochqualifizierte Jobs durch KI ersetzen. Das Risiko besteht, dass sie sich dabei verzocken.

Von Sebastian Tittelbach

Beim "Langen Abend der Studienberatung" an der Uni Köln ist Künstliche Intelligenz ein wachsendes Thema: Damian würde gerne etwas in Richtung Psychologie studieren, denn in seinem Job als Grafiker in der Computerspielbranche rückt KI immer weiter vor. Joe schwankt zwischen BWL und Medizin. Und sieht einen klaren Unterschied: "Bei BWL ist die KI-Gefahr ja riesig, bei Medizin finde ich auf jeden Fall einen Job."

Unsicherheiten bei zukünftigen Studierenden kann Studienberater Anthony Bülow bestätigen. Die habe es immer gegeben, aber die KI gebe den Zweifeln nochmal einen Schub.

Weniger Jobangebote für junge Akademiker

Firmengebäude von NTT Data Business Solutions in Bielefeld

Bei NTT Data Business Solutions in Bielefeld schreibt KI Finanzberichte

Dass KI auch hochqualifizierte Jobs betrifft, sieht man bei NTT Data Business Solutions in Bielefeld. Dort schreibt eine eigene KI zunehmend die monatlichen Finanzberichte. Aus vier bis fünf Stunden pro Bericht sind rund 30 Minuten durch KI-Unterstützung geworden.

Im Moment entlaste die KI die Mitarbeiter, sagt Vorstandschef Norbert Rotter. Doch es sei klar, dass Künstliche Intelligenz Jobs koste: "Das hat leider vor allem Auswirkungen auf junge Akademikerinnen und Akademiker. Man sieht es schon jetzt, dass die Einstellungsmöglichkeiten schwieriger werden."

Trotz KI: Unternehmen brauchen Nachwuchs

Künstliche Intelligenz könne am ehesten Arbeiten von Jobeinsteigern übernehmen, schätzt Rotter. Allerdings müsse man weiter in Nachwuchs investieren, das Unternehmen brauche das Know-how, das an den Universitäten gelernt werde, und auch den Spirit der jungen Generation.

Stellenabbau und Weiterbildung bei Ergo

Die Ergo-Versicherung will bis 2030 jährlich 200 Stellen abbauen, auch wegen KI. Gleichzeitig ist die "Reskilling Academy" am Hauptsitz in Düsseldorf entstanden. Wer einen KI-gefährdeten Arbeitsplatz hat, kann sich dort für andere, auch höherwertige Stellen weiterbilden, erläutert Leiterin Verena School: "Es dauert bis zu zwölf Monate, bis man voll produktiv in einer neuen Stelle ist." Am Anfang sei der Lernanteil höher, später gebe es mehr Training on the Job.

Balance zwischen KI und Fachkräften

Mit der Akademie hat Ergo-Personalvorständin Lena Lindemann in der Versicherungsbranche für Aufsehen gesorgt. Denn Unternehmen stehen oft vor einem Problem: Wenn sie vorschnell Personal durch Künstliche Intelligenz ersetzen, riskieren sie, wertvolle Fachkräfte zu verlieren. Auf Sicht fahren, ist die Devise:

Wir versuchen sehr bewusst, die Einführung von neuen Technologien und den Abbau von Arbeitsplätzen auszubalancieren. Lena Lindeman, Ergo-Personalvorständin

Gelassenheit bei der Studien- und Berufswahl

Studienberater Anthony Bülow empfiehlt, trotz KI bei der Studienwahl entspannt zu bleiben: "Ein Plan kann noch so gut durchdacht sein, in den meisten Fällen wird er doch nicht eins zu eins umgesetzt."

Unsere Quellen:

  • Anthony Bülow, stv. Leiter Studienberatung Uni Köln
  • ERGO-Versicherung, Düsseldorf
  • NTT Data Business Solutions, Bielefeld

Arbeitsmarkt: Wie KI hochqualifizierte Jobs vernichtet

WDR 5 Das Wirtschaftsmagazin - aktuell 30.06.2026 03:08 Min. Verfügbar bis 30.06.2027 WDR 5

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Sendung: WDR 5, Morgenecho, 30.06.2026, 5:00 Uhr
Sendung: WDR.de, KI schnappt sich auch Top-Jobs, 30.06.2026, 5:00 Uhr
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 30.06.2026, 13:35 Uhr

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