Dorothea Kaufmann aus Heidelberg und Brooke Nolan aus Berlin stehen zwischen Punkten, Spiegeln und leuchtenden Kürbissen. Für Yayoi Kusama haben sie sich in Köln getroffen – und gleich zwei Nächte eingeplant. "Wir gehen brav essen, brav Kaffee trinken, brav Kölsch trinken", sagt Kaufmann und lacht: "Wir sind gute Touristinnen!"
Dorothea Kaufmann aus Heidelberg und Brooke Nolan aus Berlin
Genau solche Gäste machen die Ausstellung auch für Köln wirtschaftlich interessant. Mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Besucher kommt nach Angaben des Museum Ludwig von außerhalb, einige sogar aus dem Ausland. Mehr als 450.000 Tickets wurden verkauft – damit ist Kusama die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Hauses.
Das Geld bleibt nicht nur im Museum
Mit der Eintrittskarte ist der Ausflug für viele noch lange nicht vorbei. Sie zahlen fürs Hotel, fürs Parken, für Bus und Bahn, gehen essen oder einkaufen. "Davon profitieren Restaurants, Hotels, Mobilität und Einzelhandel", sagt Julia Römhild von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie lehrt Kulturmanagement und forscht zu Kulturmarketing.
Julia Römhild von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Wie groß solche Effekte sein können, zeigt eine Studie des Instituts für Museumsforschung. Sie geht davon aus, dass touristische Ausgaben rund um Museumsbesuche deutschlandweit wirtschaftliche Effekte von knapp 14 Milliarden Euro im Jahr auslösen – etwa bei Hotels, Gastronomie, Handel oder beim Verkehr. Auf eine einzelne Ausstellung wie Kusama lässt sich die Summe aber nicht herunterrechnen.
Konkreter wird eine Befragung der Deutschen Sporthochschule Köln zu Veranstaltungen in der Köln Arena. Auswärtige Tagesgäste gaben 2025 während ihres Köln-Aufenthalts im Schnitt rund 52 Euro zusätzlich zum Ticket aus. Bei Übernachtungsgästen waren es etwa 370 Euro – vor allem für Unterkunft, Gastronomie oder Einkäufe.
Wenn aus Aufmerksamkeit ein Stadtimage wird
Geld ist aber nur die eine Sache. Das zeigt zum Beispiel Gelsenkirchen bei den Konzerten von Taylor Swift: Die Stadt hat den Hype genutzt, wurde vorübergehend zu "Swiftkirchen" und damit international bekannt. Auch diese Aufmerksamkeit kann langfristig wieder Geld in die Stadt bringen.
"Swiftkirchen" in Gelsenkirchen
"Ich denke, man kann Taylor Swift und Kusama in eine Kategorie packen, das eine ist Kunst, das andere ist Musik." Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin KölnTourismus
Auch KölnTourismus ist überwältigt von dem Kusama-Erfolg. Die Ausstellung wurde über Social Media, die eigene Webseite und Pressearbeit begleitet. "Mehr hätten wir nicht machen können, mehr wäre nicht gegangen", sagt Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin von KölnTourismus. Die Ausstellung war lange ausverkauft, zusätzliche Termine und längere Öffnungszeiten kamen hinzu.
Geschäftsführerin Stephanie Kleine Klausing von KölnTourismus
Das Museum selbst nimmt durch Tickets und Shopverkäufe viel Geld ein. Ein hoher Umsatz ist aber noch kein hoher Gewinn. Nach Angaben des Museums kostete die Ausstellung rund drei Millionen Euro – unter anderem für Leihgaben, Transporte, Versicherungen und den aufwendigen Aufbau. Ein finaler Kassensturz ist erst nach der Ausstellung möglich.
Kusama wirkt noch länger nach
Die Ausstellung um Kusama erreicht auch Menschen, die sonst selten ins Museum gehen. "Das kann für Besucher so prägend sein, dass sie später wieder ins Museum gehen – auch zu Ausstellungen mit weniger bekannten Künstlern", sagt Römhild. Das heißt, Besucher kommen noch einmal in die Stadt, weil sie gute Erfahrungen gemacht haben - und geben dann wieder Geld aus.
Lange Schlangen vor dem Eingang des Museum Ludwig
Kusama kurbelt also nicht nur jetzt die Wirtschaft an, sondern kann auch langfristig neue Besucher nach Köln bringen - die dann auch wieder gut Geld ausgeben.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit der Pressesprecherin des Museum Ludiwgs und Besuchern
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Interview mit Julia Römhild, Akademische Rätin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- Interview mit Stephanie Kleine Klausing von KölnTourismus
- Studie "Events als Treiber touristischer und sozialer Effekte" der Deutschen Sporthochschule
- Studie "Der ökonomische Fußabdruck von Museen. Das sichtbare Kapital."
Sendung: WDR.de, "So profitiert Köln wirtschaftlich vom Kusama-Hype", 01.08.2026, 05:02 Uhr
