Studie zeigt: Konzerne profitieren von 12-Uhr-Tank-Regel

Aktuelle Stunde 26.04.2026 36:54 Min. UT Verfügbar bis 26.04.2028 WDR Von Oliver Schöndube

Hohe Benzin-Gewinne Ölkonzerne profitieren laut Studie von 12-Uhr-Regel

Stand:

Die 12-Uhr-Regel soll gegen die hohen Spritpreise helfen. Eine Studie zeigt aber: Die Mineralölkonzerne verdienen beim Benzin mehr als vorher.

Von Stefan Haase und Louisa Schmidt

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Im Schnitt sechs Cent pro Liter Superbenzin war die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen nach Einführung der 12-Uhr-Regel höher als in den zwei Wochen davor. Die Mineralölkonzerne haben die Preise für Benzin also stärker erhöht als nötig und so mehr Gewinn gemacht.


Forscherinnen und Forscher des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) haben zusammen mit Kollegen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Preise vier Wochen lang beobachtet und verglichen.
Zu den Gewinnmargen beim Diesel können die Studienmacher allerdings keine eindeutige Aussage treffen, weil die Preise in dieser Zeit zu stark schwankten.

Vor allem kleinere Ketten verdienen

Die Preise an rund 15.000 Tankstellen haben die Forschenden mithilfe der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe verglichen. Dabei stellten sie auch fest, dass vor allem kleinere Tankstellenketten und freie Tankstellen von höheren Gewinnmargen profitiert haben.
Größere Ketten wie Shell, Aral oder Jet hätten sich anscheinend nicht getraut, höhere Preise aufzurufen, weil sie kartellrechtliche Prüfungen fürchteten.

Studie zur 12-Uhr-Regel bei Benzinpreisen

WDR Studios NRW 26.04.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 25.04.2028 WDR Online

Hintergrund sind vor kurzem beschlossene Verschärfungen beim Kartellrecht. Marktbeherrschende Konzerne müssen bei Preissprüngen neuerdings darlegen können, ob diese sachlich gerechtfertigt sind. Würden die Großen der Branche ihre Margen jetzt stark erhöhen, könnte für sie außerdem die Gefahr wachsen, dass die Politik stärker in ihre Preisgestaltung eingreift.

Preise im Süden höher als im Westen

Die Analyse der Tankpreise zeigt aber auch: In Süddeutschland waren die Preise an der Zapfsäule sogar noch ein bisschen höher als bei uns in NRW. Die Studienmacher schätzen, dass das daran liegt, dass vor allem in Baden-Württemberg und Bayern das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen höher ist als bei uns. Also die Menschen dort generell mehr Geld zur Verfügung haben.
Dort ist im Analysezeitraum der Liter Benzin im Schnitt noch über einen Cent teurer gewesen als in NRW, was zum Teil aber auch an Unterschieden in den Lieferketten und der Art der Rohölbeschaffung gelegen haben könnte.

Was hatte sich die Politik von der 12-Uhr-Regel versprochen?

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Einführung der Regel vor allem mit mehr "Verlässlichkeit bei der Preisinformation" und "mehr Wettbewerb" begründet. Zuvor hatten verschiedene Tankstellen-Ketten ihre Preise im Laufe eines Tages so häufig geändert, dass die Suche nach dem billigsten Anbieter extrem schwer werden konnte. Die Bundesregierung ging davon aus, dass die bessere Vergleichbarkeit automatisch zu mehr Konkurrenz und zu niedrigeren Preisen führen werde.

12-Uhr-Regel hat eher das Gegenteil bewirkt

„Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, sagt die Autorin der Studie Leona Jung vom DICE. Immerhin: Dadurch, dass die Tankstellen nur um 12 Uhr ihre Preise erhöhen dürfen, können Autofahrer ihre Tankfüllung besser planen.

Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Leona Jung

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Leona Jung


Gab es vorher innerhalb eines Tages noch viele Preisschwankungen in beide Richtungen, sinken die Preise seit Beginn der 12-Uhr-Regel innerhalb von 24 Stunden kontinuierlich ab, bis sie am nächsten Tag um 12 Uhr wieder erhöht werden.

Vormittags sind die Preise am niedrigsten

Zwischen 11 und 12 Uhr ist Tanken momentan am günstigsten. "Die Margen sind vormittags am kleinsten, aber nicht unbedingt kleiner als vor Einführung der 12-Uhr-Regel", sagt DICE-Direktor Justus Haucap. Heißt: Wer kann, sollte vormittags oder zumindest morgens tanken.

Doch nicht jede Person hat Zeit, so früh zur Tankstelle zu fahren. Vor Beginn der Regelung haben das viele Autofahrerinnen und -fahrer am Abend zu oft relativ günstigen Preisen erledigt. Es fehlen öffentliche Daten, wie viele Menschen jetzt stattdessen am Vormittag tanken.

Ölkonzerne profitieren von 12 Uhr - Regelung

WDR 27.04.2026 05:16 Min. Verfügbar bis 26.04.2028 WDR Online Von Louisa Schmidt

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Ob die Sprit-Preise ohne die 12-Uhr-Regel gesunken wären, geht aus der Studie nicht hervor. Was aber feststeht: Gesunken sind die Preise seitdem nicht. "Vieles spricht dafür, dass die Folgen der neuen Regel im Durchschnitt negativ sind", so Haucap.

Nachbesserungen bei 12-Uhr-Regel gefordert

Der Ökonom empfiehlt eine Änderung nach dem Vorbild Österreich. Dort erscheinen in Preisvergleichsapps nur 50 Prozent der Tankstellen, und zwar die günstigsten. "Analysen belegen recht deutlich, dass dieser Mechanismus zu Preissenkungen führt." Denn jede Tankstelle versuche, in den Apps angezeigt zu werden. "Dummerweise haben wir diesen Teil der Regel nicht übernommen."

Auch über den Zeitpunkt, zu dem die Tankstellen die Preise einmalig erhöhen dürfen, könne man nachdenken. "Um 20 Uhr könnte ein besserer Zeitpunkt sein", so Justus Haucap. Denn viele Menschen tanken normalerweise zwischen 18 und 20 Uhr. Das wäre dann vor dem Zeitpunkt, zu dem die Takstellen ihre Preise eröhen. Aktuell ist vorgesehen, dass das Gesetz zur 12-Uhr-Regel nach einem Jahr überprüft wird.

Unsere Quellen:


Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 26.4.2026, 12.45 Uhr

Kommentare zum Thema

42 Kommentare

  • 42 Franziska 1 28.04.2026, 17:42 Uhr

    Jeder der auf ein Auto angewiesen ist, hat Mal Pech, Mal Glück beim Tanken. Ich zahlte heute am Nachmittag 214,9 € für Super Benzin. Als ich 40 Km weiter weg war, las ich 222,9 € und höher. Um so öfter ich an Ballungsgebiete vorbei kam, um so mehr teuer wurde der Spritpreis. Die große Nachfrage, die Auto- Schlangen da setzen die Konzerne anscheinend den Preis höher als in ländlichen Gegenden. Wer kann es von uns ändern? Wir müssen es hinnehmen, gerade dann, wenn der Tank anfängt leer zu werden.

    Antworten (1)
    • Franziska 1 28.04.2026, 23:29 Uhr

      ⛽214,9 Cent! ( Bezeichnung € war gedankenlos von mir! ) Sorry!

  • 41 S. Reinhold 28.04.2026, 14:04 Uhr

    Wundert sich wirklich ernsthaft irgendjemand darüber?!

  • 40 Hugo 28.04.2026, 11:37 Uhr

    Besonders lustig fand ich ja auch den Zufall, dass nach der Ankündigung der Preisänderung zum 01.05.2026 am Ende der letzten Woche wie von Geisterhand ein Defekt in der Markttransparenzstelle dafür gesorgt hat, dass am Wochenende keine Daten in der App ADAC Drive zwecks Preisvergleich zur Verfügung standen. Bin ja meilenweit davon entfernt, an irgendwelche Verschwörungstheorien zu glauben. Aber es gibt in der Kriminalstatistik durchaus Menschen, die behaupten, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines zufälligen Ereignisses sei mathematisch so gut wie ausgeschlossen 🙈

  • 39 Bernd 28.04.2026, 11:03 Uhr

    Bevor die Politik sich eingemischt hat konnte man gegen 14:00 aber auch gegen 18,19 Uhr günstig tanken. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt muß man extra kurz vor 12 in Auto steigen und zu Tankstelle fahren. Das haben unsere Klimapolitiker top hinbekommen. Und wozu soll ein Tankrabatt gut sein, wenn sie auf der anderenn Seite jedes Jahr die Steuern und Abgaben auf Treibstoff in die Höhe schrauben (CO2 Abgabe). Im Grunde sind hohe Benzienpreise doch genau das, was Links/Grün/SPD/CDU wollen. CO2 Abgjabe ja, aber keine Erhöhung der Spritpreise wegen eines "natürlichen" Ergeinisses. Verlogene Parteien. Und ich verstehe auch nicht, warum man den Ölkonzernen die schwarzen Peter zuschieben will. Laufen die Geschäfte gut, dann sollen sie keine Gewinne machen, läuft es für die Ölkonzerne schlecht, dann gibt es auch kein startliches Eingreifen um ihre Verluste zu mindern. Immer nur Einbahnstraße Denken bei den Menschen.

  • 38 Bernd 28.04.2026, 10:56 Uhr

    Bevor die Politik sich eingemischt hat konnte man gegen 14:00 aber auch gegen 18,19 Uhr günstig tanken. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt muß man extra kurz vor 12 in Auto steigen und zu Tankstelle fahren. Das haben unsere Klimapolitiker top hinbekommen. Und wozu soll ein Tankrabatt gut sein, wenn sie auf der anderenn Seite jedes Jahr die Steuern und Abgaben auf Treibstoff in die Höhe schrauben (CO2 Abgabe). Im Grunde sind hohe Benzienpreise doch genau das, was Links/Grün/SPD/CDU wollen. CO2 Abgjabe ja, aber keine Erhöhung der Spritpreise wegen eines "natürlichen" Ergeinisses. Verlogene Parteien.

    Antworten (1)
    • otto 28.04.2026, 11:23 Uhr

      @Bernd. Was ist den ein "natürliches" Ereignis? Ich bin gespannt

  • 37 Amicuscanis 28.04.2026, 07:51 Uhr

    Einmal am Tag erhöhen würde Wirkung zeigen, wenn für alle eben nicht die gleiche Zeit festgelegt würde. Dann wäre die einzelne Tankstelle nie sicher, vom Nachbarn unterboten zu werden und damit Absatz einzubüßen. Das wäre Marktwirtschaft! Es schreibt ja auch niemand Markthändlern vor, sie dürften nur jeweils am ersten eines Monats ihre Preise erhöhen.

  • 36 Michael 27.04.2026, 21:56 Uhr

    Es ist die Marktwirtschaft, die diese Preise verursacht. Ein knappes Gut wird immer teuer bepreist. Das Oligopol der Ölkonzerne ermöglicht ihnen, durch Marktbeobachtung die Preise analog zu setzen. Deutschland ist ein Autoland, die Autofahrer sind auf Mobilität zu vertretbaren Kosten angewiesen. Wie kann der Staat regulieren? Kaum, leider. Zum Einen könnte er die Steuern für den Kraftstoff senken, das stört die Konzerne aber nicht. Die Übergewinnsteuer wäre ein Mittel, um die Marktstrategien der Ölkonzerne zu behindern. Sie werden nämlich immer den maximalen Profit anstreben, ist aber nachteilig, wenn der Überfluss abgeschöpft würde. Also kann man eigentlich nur über die Nachfrage die Preise beeinflussen. Weniger fahren, wo möglich, langsamer fahren, gescheit tanken. Doch müssen Verkehrsminister und die Wirtschaftsministerin die Maßnahmen zur Regulierung des Marktes ergreifen. Was ich von der Ex-Lobbyistin Reiche und Herrn Schnieder CDU bei ihrem Tanz um das goldene Kalbnicht erwarte.

  • 35 Wolfgang 27.04.2026, 20:37 Uhr

    Mir fehlen die Worte mit welcher Dummheit und Ignoranz unsere sogenannten Volksvertreter Entscheidungen treffen zum Wohle des Volkes,und meinen sich dann gegenseitig auf die Schultern zu klopfen für ihre hirnlosen entscheidungen.Entscheidungsfreudig und schnell sind die alle,wenn's in ihr pormonaie geht(Diäten).

  • 34 otto 27.04.2026, 18:53 Uhr

    Warum die Aufregung? Jetzt haben wir eine wirtschaftsministerin die politik für die Wirtschaft macht - und dann ist es auch nicht gut. Spass beiseite, wir hatten mit Habeck einen kompeteten Minister, aber der wurde für alles übelst beschimpt und angegriffen. Leute, was wollt ihr eigentlich?

    Antworten (6)
    • Franziska 1 27.04.2026, 20:09 Uhr

      Habeck bestimmt nicht mehr zurück! Politiker müssen der Rede und Antwort stehen im Bundestag für alle Bürger und nicht am privaten einzelnen Küchentisch. Wenn ein Grüner sagt, er weiß mit Deutschland nichts anzufangen, warum hat er dann angefangen den großen Besserwisser zu machen? Mit drei oder vier Minuten duschen kam die Ampel auch nicht weiter. Was Leute wollen? Ich zum Bsp. will keine Politik-Märchenbücher mehr lesen. Die Kriege mit der teuren Energiekrise zeigt die Fakten, wie hilflos sich Deutschland zeigt. Mit "wisch und weg" Pläne und mit Umverteilungs - Reformen schafft man kein Problem aus der deutschen Welt, wenn weiter alles zu teuer bleibt.

    • Preise 27.04.2026, 22:10 Uhr

      @Franziska1, ob Scholz, Merz,oder jede andere Person, es wird nicht rund laufen, drei Billionen Schulden bei Bund Länder und Kommunen,wer will oder kann verzichten, immer die anderen, das Teilen und Verzichten steht nicht auf der Agenda, jeder sucht seinen Vorteil, die Allgemeinheit und das Soziale steht nicht im Blickpunkt, da wird es sehr schwierig alle auf eine Linie zu bringen,wo wirklich Reformen angepackt werden ohne auf die jeweiligen Lobbisten zu hören, denn da wird aus jeder Reform noch nicht einmal ein Reförmchen,es wird zuviel erwartet, aber zu wenig gegeben.

    • Anonym 28.04.2026, 06:37 Uhr

      Ich hätte ihn auch gerne wieder. Ich bin zwar kein Grünwähler, aber er war kompetenter als die aktuellen politischen Akteure. Es ist schon schade, wie hier gute Politiker aus dem Geschehen rausgedrängt werden.

    • otto 28.04.2026, 07:09 Uhr

      Ach komm Franziska, Grünenbashing war gestern. Heute darf wieder etwas mehr Substanz und Argumente in die Diskussion. Immerhin haben die jetzige Regierung und Fachleute erkannt, daß Habecks Politik durchaus schlau und nachhaltig war. Muss nicht jedem gefallen, ist aber so. Noch einmal die Ölkonzern mit Steuergeldern zu füttern wäre ihm sicherlich nicht in den Sinn gekommen.

    • Franziska 1 28.04.2026, 15:10 Uhr

      @Otto, 28.04.2026, 07:09 Uhr, warum schreiben sie" Spass beiseite und den Fakt- Ernst der Sache über die Grünen von mir vom 27.04.2026 um 20:09 will man nicht hören? Hat sich die Ampel selbst aufgelöst, oder waren es die unzufriedene Gesellschaft im Land?

    • otto 28.04.2026, 20:21 Uhr

      @Franziska, Sie wissen wahrscheinlich genauso wie andere, das sich die ampel selbst aufgelöst hat. Nein-nicht die ganze ampel, nur die FDP hatte keine Lust mehr Verantwortung zu übernehmen.

  • 33 Jutta 27.04.2026, 17:57 Uhr

    Das war doch vorab schon klar. Das ist, wie mir den 17 Cent Tankrabatt. Rabatt wird vorher aufgeschlagen. Dann erhöht man vor den 1. Mai eben die Preise... Egal, welches Thema aktuell von unseren Politikern in die Hand genommen wird, es wurde alles schlimmer aber es ist alles so durchschaubar und man benötigt keine Experten dazu....

  • 32 Willi 27.04.2026, 17:27 Uhr

    Wir werden nur noch veräppelt. Es wäre doch gelacht, wenn die Mineralöllobby sich nicht noch mehr die Taschen vollmacht. Jedem realistisch denkenden Mensch war das vorher schon klar.

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