So tickt NRW - 5 Uhr: Emre Cukur bei der Schicht im Stahlwerk

Bildquelle: WDR/Stephanie Hajdamowicz

WDR 03:25 Min. Verfügbar bis 03.08.2028

Job, Familie, Auto

Wie ein Stahlarbeiter in Duisburg seinen Traum lebt

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Es zischt und funkelt, ist irre heiß und extrem gefährlich: das Arbeiten mit Rohstahl. Ohne Kesselwärter geht im Stahlwerk gar nichts. Emre Cukur ist einer davon. Er liebt seinen Job bei Thyssenkrupp Steel in Duisburg - auch weil er ihm schon als Azubi viel ermöglicht hat.

Von
Stephanie Hajdamowicz

Emre Cukur arbeitet mitten drin in einem der größten Stahlwerke Deutschlands. Mit seinen 30 Jahren hat er bei Thyssenkrupp Steel viel erreicht: die Lehre verkürzt und sich vom Schlosser zum Kesselwärter hochgearbeitet. Er ist verantwortlich für die vielen gigantisch großen Anlagen im Oxygenstahlwerk 1 in Duisburg-Bruckhausen. Denn nur ohne große Störungen kann das Unternehmen zig Millionen Tonnen Rohstahl produzieren.

"Es macht mich stolz, hier arbeiten zu dürfen. Ich schätze die familiären Verhältnisse im Unternehmen. Wir sind Stahlarbeiter, eine große Familie." Emre Cukur

Cukur hat die türkische Staatsbürgerschaft. Von sich sagt er: "Ich bin Vollblut-Türke mit Migrationshintergrund". Er lächelt dabei verschmitzt. "Das Problem: Wenn wir in die Türkei fliegen, bin ich dort der Deutsche. Wenn ich hier bin, heißt es: der Ausländer."

Urlaub an der Schwarzmeerküste mit Vater Hüseyin, Emre, Großvater Ismail, Schwager Abdullah und Bruder Bilal | Bildquelle: privat/Emre Cukuk

Einen deutschen Pass brauche er nicht, sagt er. Er ist hier in Deutschland geboren, hat einen festen Job, für ihn spiele der Pass keine große Rolle.

Von der Schwarzmeerküste ins Zechenhaus

Sein Großvater Ismail kam 1967 von der Schwarzmeerküste nach Deutschland, um im Bergbau in Oberhausen-Sterkrade zu arbeiten. Zwei Jahre später brachte er seine Frau hierher. Seitdem leben alle im selben Zechenhaus in Oberhausen. Auch sein Vater Hüseyin wurde Bergmann.

Emre und seine Familie wohnen in einem Zechenhaus in Oberhausen. | Bildquelle: privat/Emre Cukuk

Eigentlich dachte Cukur, dass auch er mal Bergmann wird. Doch die Zechen machten dicht. Er bewarb sich bei Thyssenkrupp Steel - und bekam vor 13 Jahren gleich einen Ausbildungsvertrag zum Industriemechaniker. Die Familie war stolz. Handwerklich begabt war Emre schon immer, zu Hause half er seiner Mutter beim Aufbau von Schränken.

Traumauto schon in der Lehre

Emre Cukur lernte schnell. Und wollte sich als Azubi gleich sein Traumauto leisten. Doch so viel Geld hatte er damals nicht. Als seine Bank seinen Lehrvertrag sah und Thyssenkrupp Steel als Arbeitgeber, da war das kein Problem mit dem Kredit. Heute, sagt Emre, sei das schon anders geworden. Die Zeiten seien nicht mehr ganz so sicher wie früher.

Die Stahlindustrie in NRW und Thyssenkrupp Steel in Duisburg

  • Mehr als 41.000 Menschen arbeiten laut Arbeitgeberverband Stahl e. V. für die Stahlindustrie in NRW.
  • Davon sind 13.000 Menschen bei Thyssenkrupp Steel in Duisburg beschäftigt.
  • Allein dort im Unternehmen sind 60 verschiedene Nationen vertreten.

Lieber Nachtschichten statt früh aufstehen

Im Stahlwerk fühlt Cukur sich wohl. Am liebsten mag er Nachschichten. Bei der Schichtübergabe im Leitstand kann es sein, dass er auch auf seinen Cousin trifft, der dort arbeitet.

"Wenn fast nur Türken im Leitstand sind, sage ich Salam Aleikum. Sonst Guten Morgen, Mahlzeit, n'Abend und so." Emre Cukur

Vom Leitstand aus hat das Team das ganze Stahlwerk im Blick und sieht sofort, wenn es mal eine Störung gibt. Und dann müssen Emre und seine Kollegen raus, reparieren und instand halten.

Emre Cukur im Leitstand des Stahlwerks mit Kollegen bei der Schichtübergabe | Bildquelle: WDR/Stephanie Hajdamowicz

Respekt vor den großen Anlagen, wie dem Konverter, in dem aus flüssigem Eisen durch das Einblasen von Sauerstoff Stahl gemacht wird, hat er immer noch. Denn so ein Konverter erreicht maximal 1.900 Grad. "Schon ein Tropfen reicht, um sich schwer zu verletzen", sagt Cukur.

Freundschaften fürs Leben

Inzwischen hat der 30-Jährige viele Freundschaften geschlossen. In seiner Zechensiedlung leben auf vier Straßen viele aus dem Stahlwerk von Thyssenkrupp Steel, die er kennt. Mit den Freunden und Kollegen verbringt er auch seine Freizeit mit Bowling und Fußball.

Das Team der Schicht 3, zu der Emre im Stahlwerk gehört, veranstaltet auch eigene Fußballturniere. Und im Urlaub an der Schwarzmeerküste trifft Emre Cukur auch oft Kollegen und feiert mit ihnen.

Sein Wunsch für die Zukunft

Für Emre Cukur ist NRW nicht nur ein Bundesland: "Es ist mein Zuhause, ich arbeite hier, ich lebe hier, meine Eltern sind hier groß geworden." Er ist zielstrebig, hat Träume, will ein Haus, eine Familie und auch noch ein neues Auto. "Ich wünsche mir für meine späteren Kinder, dass auch diese so einen sicheren Arbeitsplatz haben wie ihr Vater."

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Unsere Quellen:

  • Eindrücke der Reporterin vor Ort
  • Gespräche mit Emre Cukur
  • ThyssenKrupp Steel

Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 5 Uhr: Emre Cukur bei der Schicht im Stahlwerk, 03.08.2026, 12:36 Uhr