Ausbeutung in der Fleischindustrie | WDR aktuell

WDR 02:11 Min. Verfügbar bis 21.04.2028

"Monitor" deckt auf Wie die Fleischindustrie Mitarbeiter ausbeutet

Stand:

Wenn wir im Supermarkt günstiges Fleisch kaufen, wissen wir oft nicht, wie es hergestellt wird. Recherchen des ARD-Politikmagazins "Monitor" zeigen: In der deutschen Fleischbranche werden zunehmend Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten angeworben - häufig unter prekären Bedingungen.

Oft kommen angeworbene Arbeitskräfte für die Fleischindustrie als sogenannte "Fachkräfte" aus Indien, China oder Vietnam. Häufig gut ausgebildet, zahlen viele von ihnen tausende Euro für den Traum von einem Job in Deutschland. Doch einmal hierzulande angekommen, finden sie sich nicht selten in einem Albtraum wieder: schlechte Bezahlung, harte Arbeitsbedingungen und mangelhafte Unterkünfte. Im Fokus: die Firma "Westfleisch" aus Münster:

Die Verantwortung beginnt an der Supermarktkasse

Die Fleischindustrie steht unter enormem Kostendruck. Um dauerhaft niedrige Preise anbieten zu können, wird dieser Druck entlang der gesamten Produktionskette weitergegeben – bis zu den Menschen am Fließband.

Billiges Fleisch ist deshalb nicht nur ein Schnäppchen. Der niedrige Preis entsteht oft auch dadurch, dass an anderer Stelle gespart wird, etwa bei Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen. Für Verbraucher ist das nicht immer sichtbar. Doch der Preis im Supermarkt entsteht nicht im Regal, sondern am Anfang der Produktionskette. Wer möglichst günstig kauft, beeinflusst damit auch, unter welchen Bedingungen produziert wird.

Laut Statistik werden im Discounter übrigens die meisten Umsätze mit Fleisch erzielt.

Worauf kann ich als Verbraucher beim Fleischkauf achten?

Die gute Nachricht: Schon kleine Entscheidungen im Alltag können dazu beitragen, problematische Strukturen weniger zu unterstützen. Dazu gehört, bewusster einzukaufen und zum Beispiel seltener Fleisch zu essen, dafür aber hochwertiger.

Auch regionale Anbieter können eine Alternative sein, etwa handwerkliche Metzgereien oder Betriebe mit eigener Schlachtung. Hier sind die Wege oft kürzer und die Strukturen transparenter.

Achtung: Begriffe wie "artgerecht", "tiergerecht" und "bäuerlich" auf der Packung klingen zwar positiv, sind vom Gesetzgeber aber nicht definiert, warnt die Verbraucherzentrale. Geschützt sind hingegen Haltungsangaben wie zum Beispiel "Freilandhaltung" bei Geflügelfleisch.

Außerdem gilt eine freiwillige Haltungsform-Kennzeichnung des Handels - also mit Blick auf die Lebensbedingungen der Tiere. Mit dem 4 bzw 5-stufigen Label wird hauptsächlich Fleisch von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten gekennzeichnet. So bezeichnet "Haltungsform 1" die Haltung mit den niedrigsten Anforderungen. Die "Haltungsform 5 – Bio" für die ökologisch erzeugten Produkte.

Wo kann ich bewusster einkaufen?

Wer gezielter einkaufen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Supermärkte mit höheren Standards, die nach der EG-Öko-Verordnung arbeiten, können ein erster Schritt sein. Beim Einkauf bei Metzgereien oder auf Wochenmärkten, lässt sich oft nachvollziehen, woher das Fleisch kommt.

Das sahen auch Menschen so, die in unserer WDR-Umfrage zu Wort kamen. "Ich habe eine Metzgerei des Vertrauens", sagt da zum Beispiel eine Kundin. Die wisse woher das Fleisch komme. Sie zahle lieber mehr, dafür schmecke es besser., ergänzt sie noch. "Direkt vom Bauern", hieß es auch oder "Nichts Abgepacktes." Ein anderer Teilnehmer war allerdings zwiegespalten. "Natürlich guckt man auch auf den Preis."

Auch beim Essengehen spielt die Entscheidung eine Rolle. Restaurants, die auf regionale Küche setzen und offenlegen, von welchen Betrieben sie ihr Fleisch beziehen, schaffen mehr Transparenz.

Ist Bio-Fleisch automatisch fairer?

Viele greifen zu Bio-Produkten, in der Hoffnung, damit auch bessere Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Doch das ist nur teilweise richtig. Bio-Siegel regeln in erster Linie Tierwohl und Umweltstandards. Soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen sind darin meist nicht zentral festgelegt.

Verbände wie Bioland oder Demeter setzen zwar häufig auf kleinere und regionalere Strukturen. Das kann indirekt zu besseren Bedingungen führen, weil weniger mit Subunternehmern gearbeitet wird. Eine Garantie für faire Arbeitsverhältnisse ist das jedoch nicht.

Fleischkonsum ist wieder gestiegen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als auch die EAT-Lancet-Kommission, eine Kommission aus Nachhaltigkeitsforschern, empfiehlt maximal 300 Gramm Fleisch pro Woche - das entspricht einem Schnitzel oder fünf Scheiben Aufschnitt. Aufs Jahr gesehen wären das 16 Kilogramm Fleisch. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr aber mehr als dreimal so viel verzehrt. Mit den über 54,9 Kilo Steak, Braten oder Wurst ist der Fleischkonsum pro Kopf seit 2025 wieder gestiegen.

Der 21. April ist für Deutschland außerdem der so genannte "Meat Exhaustion Day" (Tag der Fleischerschöpfung) - zu diesem Zeitpunkt haben wir in Deutschland rechnerisch schon die von der Lancet-Kommission in der "Planetary Health Diet" empfohlene Jahresmenge an Fleisch für 2026 verzehrt.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, "Umfrage zum Thema Fleisch", 21.04.2026, 5:55 Uhr
Sendung: WDR 5, Westblick, 21.04.2026, 17.04 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen: WDR aktuell, 21.04.2026, 12.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 21.04.2026, 18.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen: Lokalzeit Münsterland, 21.04.2026, 19.30 Uhr