Mehr Hitze, Mehr Durst, mehr Mineralwasser
Hitzewelle in NRW : Wenn das Lieblingswasser ausverkauft ist
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Wenn es heiß ist, trinken Menschen viel Wasser. In diesem Sommer so viel, dass die Mineralbrunnen kaum hinterhergekommen sind. Zwei Regionen prägen die Mineralwasserproduktion in NRW. Dort wird rund 70 Prozent der NRW-Gesamtmenge abgefüllt. Versorgungsengpässe erwartet die Branche nicht. Aber fehlendes Leergut erschwert die Logistik.
Hitze macht durstig: Bei Temperaturen um die 40 Grad haben sich die Menschen mit Rekordmengen an Mineralwasser eingedeckt. In der letzten Juni-Woche kauften die Menschen 63 Prozent mehr Sprudelwasser als in einer durchschnittlichen Sommerwoche der vergangenen drei Jahre. Beim stillen Mineralwasser lag die Nachfrage sogar 77 Prozent höher. Das berichtet das Statistische Bundesamt.
Die Statistiker haben dafür Daten der großen Supermarktketten ausgewertet. Auch der Gesamtmonat Juni ist rekordverdächtig: Bei den Mineralbrunnen sprudeln die Geschäfte. Die Nachfrage stieg bundesweit um 20 Prozent, so der Verband Deutscher Mineralbrunnen. In NRW ist es sogar ein Plus von 22 Prozent.
Die Brunnen halten der Hitze stand
Die hohe Nachfrage gehöre zum normalen Saisongeschäft, erklärt Maik Hünefeld vom Verband Deutscher Mineralbrunnen. Herausfordernd sei dabei vor allem die Logistik. Denn jeden Sommer gilt: Wenn es heiß wird, kaufen die Menschen mehr Wasser. Dann wandern oft gleich mehrere Wasserkästen in den Keller. Zurück in den Handel kommen sie meist erst Wochen später. Für die Mineralbrunnen wird genau das zum Problem: Es fehlt Leergut.
"Niemand muss an den heißen Tagen auf Mineralwasser verzichten. Abhängig von der Wetterlage und dem schwankenden Kaufverhalten lässt sich aber nicht ganz ausschließen, dass das persönliche Lieblingsmineralwasser im Regal kurzfristig vergriffen sein kann." Maik Hünefeld, Leiter Kommunikation Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V.
Warum die Mineralwasserunternehmen nicht einfach mehr Leergut für den Sommer bereithalten? Das lohne sich wirtschaftlich nicht, sagt Maik Hünefeld. Die Nachfrage-Spitzen seien meist nur von kurzer Dauer. Auch ökologisch sei das nicht sinnvoll.
Kein Trockenheitsalarm
Mangelnder Niederschlag ist ein akutes Problem für Flüsse und Seen. Das Quellwasser der Mineralbrunnen kommt aber aus tiefen Erdschichten. Diese Tiefengrundgewässer reagieren deutlich langsamer auf kurzfristige Trockenphasen.
"Es wird überwiegend aus tieferliegenden, vor Verunreinigung geschützten Grundwasservorkommen gefördert. Es gibt Quellen, die ein paar Jahrzehnte alt sind. Und solche, die mit über 1.000 Jahren noch viel älter sind." Maik Hünefeld, Leiter Kommunikation Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V.
Es werde deutlich weniger gefördert, als sich natürlich neu bildet, sagt Branchenvertreter Maik Hünefeld. Eine generelle Entwarnung ist das aber nicht. Denn auch tiefe Grundwasservorkommen sind Teil des Wasserkreislaufs. Führt der Klimawandel zu längeren Trockenperioden und entnehmen Abfüller große Mengen Grundwasser, kann Knappheit auch für Quellwasser relevant werden.
Das kann zu Verteilungskonflikten führen, wie das französische Volvic in der Auvergne zeigt. Die Region ist von wiederholter Trockenheit betroffen. Anwohner und Umweltverbände protestieren seit Jahren gegen die Wasserentnahmen des Danone-Konzerns, zu dem die Mineralwassermarke Volvic gehört. Der Konzern streitet ab, für geringere Grundwasserstände verantwortlich zu sein. Doch die Behörden haben die zulässige Entnahmemenge reduziert und Vorgaben für Trockenperioden eingeführt.
NRW wichtiger Standort für Abfüller
Die Mineralbrunnen in NRW produzieren täglich genug Wasser für ein großes Glas pro Kopf. So viel haben die 19 statistisch erfassten Betriebe in NRW im vergangenen Jahr produziert. Insgesamt 2,1 Milliarden Liter Mineralwasser und 5,8 Millionen Liter pro Tag, hat das Statistische Landesamt in NRW errechnet. NRW steht für rund ein Sechstel der gesamten deutschen Mineralwasserproduktion. Rund 70 Prozent davon kommen aus Betrieben in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Detmold. Zu den großen Anbietern gehören zum Beispiel Rheinfels Quelle aus Duisburg, Carolinen aus Bielefeld und Salvus aus Emsdetten.
Versorgungsengpässe vereinzelt möglich
Die Produktionsmenge in NRW ist leicht um 0,7 Prozent gesunken, verglichen mit dem Vorjahr. Grundsätzlich schwankt der Absatz von Mineralwasser von Jahr zu Jahr und ist stark wetterabhängig.
Über 200 Tests für jede Quelle
200 Laborproben durchläuft ein Mineralwasser
Mineralwasser ist ein reines Naturprodukt und wird streng kontrolliert. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit listet 800 anerkannte natürliche Mineralwässer (Stand: September 2025). Wichtiges Kriterium: Es muss direkt an der Quelle abgefüllt werden und aus einem unterirdischen Vorkommen stammen.
Es ist das einzig amtlich anerkannte Lebensmittel in Deutschland. Dafür durchläuft Mineralwasser über 200 geologische, chemische und mikrobiologische Untersuchungen. Tafelwasser dagegen ist kein Naturprodukt. Es darf aus verschiedenen Wasserarten gemischt werden, wie zum Beispiel aus Leitungswasser und Mineralwasser oder sogar Meerwasser.
Wenig Mineralstoffe im Wasser
Amtlich anerkannt heißt nicht automatisch gesünder als Leitungswasser. Die Zulassung bestätigt nur die Qualität als natürliches Mineralwasser. Und der Name kann täuschen.
Die Stiftung Warentest berichtet, nicht alle Mineralwasser seien tatsächlich mineralstoffreich. Jedes Mineralwasser enthält zwar Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium oder Sulfat. Doch gibt es schon lange keinen vorgeschriebenen Mindestgehalt mehr. Im aktuellen Test der Stiftung Warentest enthielt jedes zweite von 52 getesteten Mineralwassern einen geringen Gehalt von Mineralstoffen (unter 500 Milligramm pro Liter). Manches Leitungswasser könne da durchaus mithalten.
Unsere Quellen
- Bundesamt für Verbaucherschutz und Lebensmittelsicherheit
- Statistisches Landesamt NRW
- Stiftung Warentest: Mineralwasser im Test (kostenpflichtig)
- Umweltbundesamt zur Grundwasserneubildung
- Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V.
Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 29.07.2026, 17:01 Uhr