Reporter Stefan Göke berichtet von der Cranger Kirmes

Bildquelle: WDR / dpa / Marcel Kusch

Aktuelle Stunde 06.08.2026 11 Min. 2 Sek. UT Verfügbar bis 06.08.2028 WDR

NRWs größtes Volksfest Wirtschaftsfaktor Kirmes

Stand:

Mit knapp vier Millionen Besuchern ist die Cranger Kirmes ein echtes Schwergewicht unter den Volksfesten in Deutschland und das größte in NRW. Mit jeder Karusselrunde dreht sich vieles auch ums Geld. Wer profitiert davon?

Von Lilia Becker

Rund 43 Euro gibt ein durschnittlicher Crange-Besucher an einem Tag aus. Das teilt die Stadt Herne auf Anfrage des WDR für das Jahr 2024 mit. Erhebungen des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) kommen zum Ergebnis, dass Besucher die Hälfte des Budgets für Essen und Trinken ausgeben. Hochgerechnet bedeutet das für die Cranger Kirmes mit ihren 4 Millionen Besuchern rund 174 Millionen Euro Umsatz in elf Tagen.

Geld geht überwiegend an Schausteller

Das Geld geht erstmal an die Schausteller. So kostet zum Beispiel eine Fahrt mit der Wilden Maus für Kinder 4 Euro. Erwachsene zahlen oft das Doppelte für die Achterbahn. Laut Branchenverband DSB bleibt für die Veranstalter aber von dem Geld nicht so viel übrig, wie es klingt. Denn die Kosten für die Betreiber sind in den letzten Jahren gestiegen. Strom, Personal, Lebensmittel oder auch Standgebühren.

Schießbudeninhaber oder Bratwurststandbetreiber lassen aber auch Geld in der Region. Insgesamt sind die Schausteller und ihre Familien knapp 3000 Personen, die in der Zeit vom Auf- bis zum Abbau laut der Stadt Herne für "Kaufkraft in der Region" sorgen.

Luftaufnahme von der Cranger Kirmes in Herne

Mit knapp vier Millionen Besuchern ist die Cranger Kirmes ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region

Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/H. Blossey

Stadt darf keinen Gewinn mit Kirmes machen

Geld, das die Stadt gut gebrauchen kann, denn auch für die Kommune entstehen Kosten. Laut einem Sprecher der Stadt Herne belaufen sich die "anfallenden Gebühren auf rund 1,2 Millionen Euro - dem stehen Kosten in gleicher Größenordnung gegenüber."

Diese Rechnung geht auf, denn laut dem Kommunalabgabengesetz NRW darf die Stadt Herne keinen Gewinn mit der Cranger Kirmes machen.

"Alle Gebühren der Stadt werden jeweils so angesetzt, dass sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten." Ein Sprecher der Stadt Herne

Sollte es doch Mehreinnahmen geben, dann müssen diese im Folgejahr durch reduzierte Gebühren an die Veranstalter zurückgegeben werden.

Sicherheit kostet

In den für die Stadt anfallenden Kosten sind auch die für die Sicherheit enthalten. Nach dem Anschlag auf die Christopher-Street-Parade in Berlin am 25. Juli wurde das Sicherheitskonzept der Cranger Kirmes nochmals überprüft. Laut Kirmessprecher Jochen Schübel sei das Gelände "bestens geschützt".

Das Areal ist mit 470 Trucksperren rund um die Kirmes gesichert. Die Stadt Herne möchte sich zwar nicht zu "sicherheitsrelevanten Kosten" äußern, verwies aber auf die Webseite des Herner Trucksperrenherstellers Herne Protect. Pro Sperre fallen rund 800 Euro an. Hinzu kommen Anbauteile für Start- und Endstücke sowie Umklenkhebel und Frachtkosten. Bei 470 Trucksperren sind das mindestens 376.000 Euro. Laut dieser Rechnung würden allein die Trucksperren schon ein Drittel der für die Stadt anfallenden Gebühren ausmachen.

Kirmes als Dazuverdienst

Und obwohl die Stadt selbst keinen Gewinn mit dem Kirmes-Geschäft verbuchen darf, dürfte laut einer Erhebung des Lobbyverbands DSB aus dem Jahr 2023 dennoch Geld in der Region hängenbleiben. Pro Besucher würden etwas mehr als 8 Euro in die Wertschöpfung vor Ort fließen. Sprich ÖPNV, Hotels oder Taxis.

Wirtschaftsfaktor Kirmes

WDR 06.08.2026 2 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 05.08.2028 WDR Online

Darüber hinaus ist die Cranger Kirmes für Herne und Region auch jobtechnisch ein Gewinn. Jedes Jahr richtet die Agentur für Arbeit ein eigenes Portal für Cranger Jobs ein. Gesucht werden dann vor allem Servicekräfte für Bratwurststände oder Eisdielen. Aber auch zum Auf- und Abbau werden helfende Hände gebraucht.

Die Kirmes ist also nicht nur eine gute Gelegenheit, um Geld auszugeben, sondern auch, um etwas dazuzuverdienen.

Unsere Quellen:

  • Pressesbüro Stadt Herne
  • Deutscher Schaustellerbund e.V.
  • dpa

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin06.08.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.08.2026, 18.45 Uhr

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