Das herbstliche Versetzen von Obststräuchern nutzt die natürliche Ruhephase der Pflanzen optimal aus. Im Herbst nach der Beerenente, solange der Boden frostfrei bleibt, verdunsten die Sträucher kaum noch Wasser über die Blätter. Gleichzeitig besitzt die Erde im Herbst ausreichend Restwärme, sodass die Pflanzen noch vor dem Wintereinbruch feine neue Faserwurzeln bilden können. Dies verschafft ihnen einen entscheidenden Wachstumsvorsprung für den Austrieb im kommenden Frühjahr.
Obsträucher im Herbst versetzen
Hier und heute. 07.09.2026. 7 Min. 10 Sek.. Verfügbar bis 07.09.2028. WDR.
Die richtige Vorbereitung und Ausgraben
Bevor der Spaten angesetzt wird, schneidet man die Sträucher erst mal kräftig zurück. Die Triebe kommen um ein Drittel bis zur Hälfte ab. Da beim Ausgraben sowieso Wurzeln flöten gehen, sorgt der Schnitt für das richtige Gleichgewicht. Den Wurzelballen sticht man dann so groß und tief wie möglich aus, damit die Wurzeln heil bleiben. Wenn man den Strauch nicht sofort wieder einpflanzen kann, wickelt man den Ballen einfach in ein feuchtes Jutetuch, damit nichts austrocknet.
Einpflanzen am neuen Standort
Johannisbeeren müssen etwas tiefer gesetzt werden.
Am neuen Platz hebt man ein Loch aus, das ungefähr doppelt so breit und tief ist wie der Wurzelballen. Normalerweise setzt man den Strauch wieder genau so tief ein, wie er vorher stand. Johannisbeeren sind da die Ausnahme: Die setzt man ruhig fünf Zentimeter tiefer, weil sie dann im unteren Bereich besser austreiben.
Angießen und der Winterschutz
Nach dem Einsetzen kommt die Erde wieder drauf, wird leicht angetreten und dann richtig ordentlich mit Wasser eingeschlämmt. Das schließt die Hohlräume im Boden und bringt die Wurzeln auf Kuschelkurs mit der Erde. Zum Schluss schützt eine Schicht Rindenmulch oder Laub den Boden vor Frost und hält die Feuchtigkeit.
Wurzelnackte Pflanzen
Wurzelnackte Pflanzen sind Gehölze, die komplett ohne Erde und Topf geliefert werden. Man sieht bei ihnen die puren, nackten Wurzeln. Es gibt sie fast ausschließlich in der herbstlichen und frühjährlichen Ruhephase, also genau in dem Zeitraum, in dem auch das Versetzen von Obststräuchern ansteht.
Im Gegensatz zu Containerpflanzen (die das ganze Jahr über im Plastiktopf wachsen) werden wurzelnackte Pflanzen im Freiland auf dem Feld gezogen. Im Herbst, wenn sie ihre Blätter verlieren und in den "Winterschlaf" gehen, werden sie mit speziellen Maschinen aus der Erde gerodet. Die Erde wird abgeschüttelt, und die Pflanzen kommen direkt so in den Verkauf. Weil keine Erde dran ist, müssen sie bis zum Einpflanzen feucht gehalten und schnell in den Boden gebracht werden.
Warum sollte man jetzt im Herbst wurzelnackte Pflanzen ansetzen?
Der Preis ist unschlagbar: Sie kosten oft nur die Hälfte oder ein Drittel von Topfpflanzen. Da kein schwerer Topf transportiert werden muss und die Anzucht auf dem Feld günstiger ist, spart man extrem viel Geld – besonders, wenn man eine ganze Hecke oder viele Obststräucher pflanzen will.
Kirschen können auch wurzelnackt gekauft werden.
Geniales Wurzelwachstum: Da die Wurzeln nicht in einem engen Topf im Kreis gewachsen sind, breiten sie sich im neuen Gartenboden sofort super aus. Sie wachsen oft kräftiger an als Topfware.
Bessere Öko-Bilanz: Man trägt keine Plastiktöpfe nach Hause und es wird beim Transport viel weniger Gewicht und Platz verbraucht. Das spart CO₂.
Riesige Sortenauswahl: Alte oder spezielle Obstsorten kriegt man im Herbst oft nur direkt ab Feld als wurzelnackte Ware in den Baumschulen.
Welche Pflanzen gibt es wurzelnackt?
Fast das gesamte Sortiment an winterharten Nutzpflanzen und Hecken ist ab Herbst wurzelnackt zu bekommen:
- Obstbäume: Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Co. (egal ob Buschbaum oder Hochstamm)
- Obststräucher: Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren
- Heckenpflanzen: Hainbuche, Rotbuche, Liguster oder Feldahorn
- Rosen: Fast alle Edel-, Strauch- und Kletterrosen werden wurzelnackt verkauft.