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KI als Rechtsanwalt – Hilfe oder Risiko?  

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Immer mehr Menschen holen sich rechtlichen Rat bei Künstlicher Intelligenz. WDR-Rechtsexperte Philip Raillon ordnet das für uns ein.  

Viele Menschen verwenden mittlerweile Chatbots wie ChatGPT, um Klagen zu verfassen und bei Gericht einzureichen, sagt WDR-Rechtsexperte Philip Raillon. Das betrifft in Nordrhein-Westfalen vor allem die Sozial- und Verwaltungsgerichte. Denn dort klagen Betroffene nicht gegen Personen oder Unternehmen, sondern gegen eine Behörde. Beispielsweise gegen Entscheidungen von Jobcentern oder Rententrägern, abgelehnte Baugenehmigungen oder den Entzug der Fahrerlaubnis. Das könne jeder tun, ohne einen Rechtsanwalt hinzuziehen, so unser Experte. 

Natürlich sei nicht immer gleich zu erkennen, ob eine Klage mit Hilfe von KI verfasst wurde, sagt er. Doch zum einen hätten Klagen, die gewöhnlich drei Seiten umfassen, inzwischen in extremen Fällen über 1000 Seiten, zudem lässt der rasante Anstieg darauf schließen: „Bei den Sozialgerichten ist die Zahl der Eilanträge von 2024 auf 2025 um etwa 60 Prozent gestiegen“, sagt Raillon. Die der Eilanträge für Bürgergeld und Arbeitslosenversicherung in Duisburg sogar um 190 Prozent.  

KI als Rechtsanwalt – Hilfe oder Risiko?  

Hier und heute 23.07.2026 06:37 Min. Verfügbar bis 23.07.2028 WDR

Was für eine Klage mit KI spricht 

Inzwischen seien nach Schätzungen mancher Richterinnen und Richter ein Drittel bis die Hälfte dieser Klagen mit KI generiert, sagt Philip Raillon. Zunächst sei das gar keine schlechte Nachricht. Denn es führe offenbar dazu, dass sich durch KI mehr Menschen trauten zu klagen. Was man sich dabei allerdings bewusst machen müsse: „Die frei zugänglichen KI-Tools sind bei rechtlichen Fragen nicht sonderlich gut.“

Denn: „Die KI greift wenig auf Fachliteratur und vorherige Urteile zurück, weil diese in Deutschland kaum im Internet zu finden sind, sagt Raillon. „Zudem teilen die Leute der KI alle möglichen Infos mit, die diese dann in ihre Beurteilung einfließen lässt.“ Für den eigentlichen Fall seien diese aber womöglich irrelevant – und könnten leicht zu Fehlern führen.

Das Wort "Mahnung" steht zwischen Centmünzen (Symbolfoto)

Unter Umständen können Kläger auf hohen Gerichtskosten sitzenbleiben.

Und schließlich ist eine solche Klage womöglich nicht ohne Risiko. Denn bei Klagen vor dem Verwaltungsgericht fallen Gerichtskosten an. Verliert der Kläger, bleibt er auf diesen Kosten sitzen. Hinzu kommt: ChatGPT schreibe gleich mehrere Aspekte zu verschiedenen Teilbereichen in die Klage – ohne, dass das dem Kläger bewusst ist, wodurch sich die Kosten schnell summieren können, sagt Raillon. „Statt 500 Euro sind es dann zum Beispiel plötzlich 1200 Euro.“

Was Betroffene bedenken sollten  

Grundsätzlich würde er nicht davon abraten, eine Klage vor dem Sozial- oder Verwaltungsgericht mit Hilfe von KI zu erstellen, sagt Philip Raillon. Schließlich spart man sich dadurch unter Umständen die Kosten für einen Rechtsanwalt. Es sei auch nicht so, dass ChatGPT nie eine gute Klage verfasse.  

Aber: „Man sollte sich das vorher ganz genau überlegen“, sagt Philip Raillon. Und sich bewusst machen, dass es am Ende trotzdem teuer werden kann – wenn man auf den Gerichtskosten sitzen bleibt. Außerdem sollte man sich vorab auch immer selbst intensiv mit dem Fall auseinandersetzen, rät Raillon. Zum einen, um der KI die richtigen Informationen zu liefern. Zum anderen, um die Klageschrift anschließend auf mögliche Fehler überprüfen zu können.  

Was man zudem sicher sagen könne: „KI wird künftig auch in der Justiz eine immer größere Rolle spielen.“ So wird in NRW etwa auch „auf der anderen Seite“ gerade ein KI-Tool getestet, um die Flut an Klagen schneller bearbeiten zu können, so Raillon.  

Auch dass KI künftig selbst Urteile spricht, hält er nicht für ausgeschlossen.