Auslandstierschutz: Wege der Vermittlung
1. Vermittlung von der Pflegestelle
Viele Tierschutzvereine arbeiten mit Pflegestellen, die dem Hund vorübergehend eine Bleibe in den eigenen vier Wänden bieten. Hier können Interessierte den Hund besuchen und erfahren aus erster Hand, wie das Tier sich im Alltag verhält. Der Vorteil: Der Hund erlebt hier schon vor dem Einzug in sein endgültiges Zuhause ein häusliches Umfeld, das er eventuell noch nie hatte. Aber auch beim Besuch auf der Pflegestelle gilt: Augen auf! Stimmt die Hygiene? Leben nicht zu viele Hunde unter einem Dach? Ist die Stimmung unter den Tieren friedlich? Sehen sie gesund aus?
2. Vermittlung aus einem Tierheim
Immer wieder nehmen auch Tierheime Hunde aus dem Ausland auf. Vor allem solche, die gute Chancen auf eine Vermittlung haben. Es besteht dann meist eine langfristige Kooperation mit einem Verein, von der beide Seiten profitieren. Auch hier können Interessenten den Hund persönlich kennenlernen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass im neuen Zuhause alles gut klappt.
3. Vermittlung ohne Zwischenstopp
Andere Vereine oder Organisationen vermitteln ihre Hunde direkt in das neue Zuhause. Der Kontakt zu den Tierschützern im Herkunftsland muss bei dieser Version so rege und ausführlich sein, dass vorab so viel wie möglich über den Hund in Erfahrung gebracht werden kann.
Hier ist auch die Frage vorab zu klären: Wohin mit dem Hund, falls sich später herausstellt, dass Tier und Mensch nicht zusammenpassen? Für diesen Fall sollte der Verein in Deutschland beratend zur Seite stehen und helfen, nach Lösungen zu suchen. Im Notfall sollten Plätze zur Verfügung stehen, die diesen Hund dann aufnehmen. Ein Thema, das vor der Ankunft besprochen werden sollte.
Ängstlicher Auslandshund?
Viele Hunde aus dem Ausland verhalten sich ängstlich. Hierbei ist eine ganz wichtige Unterscheidung zu machen, die oft verwechselt wird: Hat der Hund tatsächlich Angst oder zeigt er nur starke Unsicherheiten bei Menschen oder in Situationen, die er nicht einordnen kann? Unsichere Hunde brauchen Zeit und Geduld, bis sie sich an ein Leben in Deutschland gewöhnen. Sie können aber lernen, sich selbstbewusst in ihrem neuen Alltag zu bewegen.
Allerdings gibt es auch extrem traumatisierte Tiere. Wirkliche Angsthunde gehören – wenn überhaupt – nur in die Hände von Experten. Ein Angsthund ist sicherlich nicht der richtige Kandidat für jemanden, der einen unkomplizierten Familienhund zum sofortigen Durchstarten sucht.
Ist ein Hund als unsicher beschrieben, ist es ratsam, diesen zunächst bei Besuchen gut kennenzulernen. So erleichtern Sie dem Vierbeiner die Eingewöhnung ins neue Zuhause. Im Zweifelsfall: einen guten Hundetrainer zu Rate ziehen.
Unsicherheit im neuen Alltag
Viele Hunde, die im Ausland aufgewachsen sind, haben gelernt, Menschen zu meiden, weil sie schlechte Erfahrungen jedweder Art gemacht haben. Solche Tiere zeigen sich bei Menschenkontakt oder in anderen unbekannten Situationen oft schlichtweg stark verunsichert. Sie ducken sich, laufen weg, vermeiden Berührung und Blickkontakt.
Hunde, die ihr gesamtes bisheriges Leben in einem Shelter verbracht haben, sind von der Außenwelt schlichtweg überfordert. Sie kennen auch kein eigenes Zuhause mit Treppen, Staubsaugern, ja, manchmal sogar Wassernäpfen. Auf sie können Menschen, die sie andauernd angucken, sie knuddeln wollen, mit ihnen an der Leine in einer völlig fremden Welt gesittet umher spazieren wollen, erst mal gruselig wirken.
Nicht selten passiert es, dass sich unsichere Hunde in Panik aus Halsband oder Geschirr herauswinden und flüchten. Deshalb ist es sehr wichtig, die Tiere außerhalb des Hauses gut zu sichern (s.u.). Manche Tiere brauchen nur wenige Tage, um sich anzupassen, andere Wochen, manche sogar einige Monate, um richtig anzukommen, zu vertrauen und sich fallen zu lassen.
Tipps für die ersten Tage mit dem (Auslands-) Hund
- Spazierengehen: Haben Sie einen unsicheren Hund, treffen Sie Sicherheitsvorkehrungen: In den ersten Monaten sollten Sie ihren Hund doppelt sichern, also mit Leine an Halsband und Geschirr. Oder ein sogenanntes Sicherheitsgeschirr kaufen, welches einen dritten Gurt hat und ein Herauswinden unmöglich macht.
- Tipp: Verlassen Sie sich bei der Länge des Spaziergangs auf Ihr Bauchgefühl. Bewegung ist immer gut und wichtig, sie hilft ihrem Hund, Stresshormone abzubauen. Gehen Sie am Anfang aber lieber mehrere kleine Runden auf der gleichen Route, statt einen langen Spaziergang in unbekannter Umgebung.
- Stubenreinheit: Da der Hund es eventuell noch gar nicht kennt, in geschlossenen Räumen zu leben, kann in den ersten Tagen hier oder da ein Malheur passieren. Strafen Sie Ihren unwissenden Hund nicht, sondern gehen Sie öfter vor die Tür. Meist wird das Prinzip rasch verstanden.
- Futter: Erkundigen Sie sich beim Tierschutzverein, was für eine Art von Futter der Hund bisher bekam. Meist wird zwar gefüttert, was gerade da ist, aber es soll schon Fälle gegeben haben, in denen Hunde aus Italien erst gefressen haben, nachdem man ihnen ein bisschen Pasta unterjubelte …
- Tipp: Egal, wie sehr Sie sich um gute Ernährung bemühen – Verdauungsprobleme aufgrund der Aufregung und der Futterumstellung sind meistens vorprogrammiert. Sichern Sie wertvolle Teppiche ab und gehen Sie lieber einmal zu viel mit dem Hund vor die Tür als einmal zu wenig. Oft tritt ein eventueller Durchfall zeitverzögert auf – wähnen Sie sich nach drei Tagen besser noch nicht in Sicherheit.
- Waschen Sie Ihren Neuankömmling nicht, so unangenehm er auch riechen mag! Zum einen müssen auch Hunde eine Klimaveränderung erst einmal wegstecken, zum anderen ist der Stress, der für den Hund bei einer Bade-Aktion entsteht, in den ersten Tagen kontraproduktiv für den Vertrauensaufbau zur neuen Familie.
- Alleinelassen: Tasten Sie sich vorsichtig heran, ohne Unsicherheiten zu zeigen. Versuchen Sie Ihr Glück und gehen fünf Minuten kommentarlos aus dem Haus. Mit der Zeit können sie die Zeitspanne immer wieder um ein paar Minuten verlängern. Schuhe vorher in Sicherheit bringen!
- Kulturschock: Schonen Sie Ihr neues Familienmitglied nach den ersten Tagen der Eingewöhnung nicht zu sehr. Ein ruhiges Heranführen an das Alltagsleben mit all seinen aufregenden Situationen ist sinnvoll. Wenn Sie natürlich bleiben und sich normal verhalten, wird Ihr neuer Hund sich an Ihnen orientieren und zusehends gelassener werden.
- Tipp: Hunde, die nicht viel kennengelernt haben, scheuen sich vor glatten Bodenbelägen, in denen sich die Schatten spiegeln, und laufen darüber wie auf Eiern. Knipsen Sie das Licht aus – und der Hund kann plötzlich wieder laufen!
- Mittelmeerkrankheiten: Haben Sie einen Hund aus einem Risikogebiet adoptiert, sollten Sie ihn nach einer gewissen Zeit in Deutschland auf Mittelmeerkrankheiten testen lassen. Alles dazu finden Sie hier:
Wenn Sie sich dafür entscheiden, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren, kann die erste Zeit Herausforderungen mit sich bringen. Aber die meisten Tiere gewöhnen sich gut an den deutschen Alltag und werden zu geliebten, treuen Begleitern. Außerdem schenken Sie einem Tier die Chance auf ein neues Leben und machen damit gleichzeitig einen Platz frei, damit ein weiteres, aus leider oft schlechten Bedingungen, nachrücken kann.
Noch mehr, ausführliche Tipps für die ersten Tage mit einem neuen Hund haben wir hier für Sie zusammengetragen:
Autorin: Katja Diepenbruck