Die Andreaskirche ist in der Düsseldorfer Altstadt.
Urlaubsgefühl vor der Haustür : Auf Entdeckungstour in Düsseldorfer Kirchen
Stand:
Wer Kirchen nur im Urlaub besucht, verpasst vielleicht die Bauten vor der eigenen Haustür. Jahrhundertealte Gotteshäuser laden zu einem Ausflug in die Geschichte ein. In Düsseldorf gibt es zahlreiche Kirchen, die einen Besuch lohnen.
Sie sind architektonisch interessant, in der Regel reich an Gemälden und Schnitzereien und haben eine lange Geschichte. Eigentlich ist es nicht unbedingt nötig, ins Ausland zu fahren. Auch vor der eigenen Haustüre finden sich traditionsreiche Gebäude inklusive beachtlicher Kulturschätze. Zum Beispiel in Kaiserswerth.
Die Kinder wollen spontan eine Kerze in der Kirche anzünden.
Anne Hertelendy war mit ihren Kindern Justus und Felix und deren Großmutter ein Eis essen. Ein ganz normaler Nachmittag im Düsseldorfer Norden, der spontan an den dicken Mauern der Basilika St. Suitbertus vorbeiführte. Die dreischiffige Kirche aus hellem Tuffstein wurde ab dem Jahr 1050 im romanischen Stil erbaut. Drinnen riecht es nach Kerzenwachs und feuchtem Stein. Durch die vielen heißen Tage ist es drinnen wärmer als erwartet - man braucht nicht direkt einen Pulli anziehen. Die Kinder zieht es sofort ins gedimmte Licht des Kirchenschiffs. Sie möchten eine Kerze anzünden.
Wir haben jetzt keine besonders große, schwer katholische Erziehung oder Alltag. Aber irgendwie kriegen die Kinder das ja doch über die Kita mit und dann spricht man halt noch mal drüber, sagt Anne Hertelendy.
Staunen wie die Kinder
Felix (l.) und Justus erkunden neugierig St. Suibertus.
Die beiden Jungs zünden eine Kerze an. Mutter Anne muss nur ein bisschen helfen. Beim Erkunden zieht ein Objekt die Kinder besonders in seinen Bann. Mit großen Augen bleiben sie vor dem haushohen Kruzifix stehen. "Hab noch nie so ein großes Kreuz gesehen“, sagt Felix staunend. Sein Bruder Justus geht ganz nah ran und betrachtet die Dornenkrone: "Dornen. Ich dachte die ganze Zeit, da wären piksige Haare."
Barocker Prunk mit echtem Mausoleum
Ein Kontrastprogramm zur schlichten romanischen Architektur wartet mitten in der wuseligen Düsseldorfer Altstadt. Zwischen Kneipen und Museen steht die Kirche St. Andreas. Erbaut ab 1622 mitten im Dreißigjährigen Krieg, glänzt sie im Inneren mit barockem Prunk. Hier beginnt heute der erste Arbeitstag von Schülerpraktikant Magnus Wülsdorf. Er hat sich bewusst diesen Ort ausgesucht, weil er Klöster und Kirchen schon immer spannend fand.
Das ist schon wirklich sehr imposant. Man sieht, das ist sehr ausgeschmückt, alles ist golden, man sieht die ganzen Statuen. Schülerpraktikant Magnus Wülsdorf
Vielleicht will Magnus mal Theologie studieren.
An jedem ersten Mittwoch im Monat öffnet sich hinter dem Altarraum eine schwere Tür zum Mausoleum. Es ist die Begräbnisstätte der kurfürstlichen Familie Pfalz-Neuburg. In der Mitte steht der riesige, aufwendig verzierte Zinnsarkophag des Stadtvaters Jan Wellem, der im Jahr 1716 starb. Der Raum strahlt eine fast feierliche Ruhe aus. "Das ist schon ein bisschen unheimlich, wenn man sich vorstellt, dass das alles Menschen sind, die vor 400 Jahren gelebt haben", sagt Magnus leise.
Kunst und Geschichte für alle
Eine Eintrittskarte braucht es für diesen Ausflug in die Stadtgeschichte nicht. Auch das Bekenntnis zu einer Religion ist an der Kirchentür kein Thema. Düsseldorf bietet noch viele dieser historischen Oasen. Wer protestantische Gotteshäuser sucht, findet in der kleinen, versteckten Berger Kirche moderne Kunstinstallationen im barocken Raum. In der großen Johanneskirche am Martin-Luther-Platz finden regelmäßig Konzerte statt.
In Kaiserswerth pusten Justus und Felix vorsichtig ihre Streichhölzer aus. Für Mutter Anne Hertelendy ist der spontane Abstecher in die Kirchengeschichte ein voller Erfolg: "Kultur gehört dazu. Und wie wir so ein bisschen den Kindern das vermitteln, dass das unsere Kultur ist, dass das irgendwie auch Geschichte ist. Und die Werte, die dahinterstecken, sind ja doch auch Werte, die absolut zeitaktuell sind."
Auf Entdeckungstour in Düsseldorfer Kirchen
03:14 Min.. Verfügbar bis 06.07.2028.
Unsere Quellen:
- Gespräche und Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Dominikaner Düsseldorf
- St. Suibertus
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 02.07.2026, 19.30 Uhr