Manuela Stange füllt gerade Trinkbecher mit Diddl-Maus-Motiv im Regal auf. "Die Mäuse und Blöcke waren innerhalb weniger Stunden weg." Mit diesem Hype hat die Filialleiterin des Schreibwarenhandels Michelbrink in Dinslaken nicht gerechnet.
"Es sind vor allem die Muttis, die uns die Tür einrennen, weil sie sich an ihre Kindheit erinnert fühlen." Manuela Stange, Filialleiterin Michelbrink Schreibwaren in Dinslaken
Erinnerungen an die Kindheit in den neunziger Jahren werden wach. Die Kultmaus eroberte damals Kinderzimmer und Schulhöfe. Die Blöcke mit Mausmotiv waren unter Mädchen heißbegehrte Tauschobjekte wie Panini-Bilder unter Jungen.
Diddl-Mäuse wecken Kindheits-Erinnerungen
WDR-Tonassistentin Katharina Ruß steuert beim Dreh im Schreibwarenladen zielstrebig auf ein kleines Stoff-Pferdchen zu. "Galupy hatte ich früher in Groß", schwärmt sie. Auf dem Dachboden ihrer Eltern in Kamp-Lintfort schlummern noch 27 Mäuse in Kisten.
Aufgereiht auf dem Sofa wecken sie bei der 26-Jährigen schöne Erinnerungen. "Die Sport-Maus hat mich immer als Glücksbringer zu Turnwettkämpfen begleitet." Und dann sind da noch die Weihnachtsmäuse, die Zaubermaus und die Schwimmmaus, ein Geschenk zum bestandenen Seepferdchen.
Etwa 100 Diddl-Mäuse hatte Katharina Ruß. "Die meisten habe ich von meiner älteren Schwester übernommen und auf dem Trödelmarkt für kleines Geld erstanden." Auf dem Tisch verteilt liegen Blätter, Tütchen und Aufkleber mit Diddl-Motiven.
"Das ist Teil meiner Kindheit. Den neuen Hype finde ich witzig, aber neue Mäuse brauche ich nicht mehr." Katharina Ruß, früher Diddl-Maus-Sammlerin
Die Rückkehr der Diddl-Maus wird nicht von allen gefeiert. Boris Roskothen, Inhaber eines Spielwaren-Geschäftes in der Duisburger Innenstadt findet den Retro-Hype furchtbar. "Das ist ein Massenphänomen gestreut übers Internet", sagt er. Mit wertigem Spielzeug habe das wenig zu tun.
Einzelhändler vermuten künstliche Verknappung
Auch Steffi Stöhr, Inhaberin des Spielwarengeschäftes Pur Natur in Moers tut sich schwer mit der Maus. "Wir haben uns dagegen entschieden, weil es nicht in unser Sortiment passt", sagt sie. Schwierig findet sie, dass es offenbar keinen Nachschub für die Händler gibt. "Da werden Begehrlichkeiten geweckt, die nicht erfüllt werden können."
Dahinter stecke eine künstliche Verknappung, vermuten die Einzelhändler. Denn schon im Herbst soll es eine neue Edition von Diddl-Mäusen geben und die Weihnachtsmäuse hat Händlerin Stange auch schon gesehen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Manuela Stange, Filialleiterin Michelbrink Schreibwaren in Dinslaken
- Gespräch mit Steffi Stöhr, Inhaberin Pur Natur Spielwaren in Moers
- Gespräch mit Boris Roskothen, Inhaber Roskothen Spielwaren Duisburg
- Gespräche mit Einzelhändlern
- Gespräch mit WDR-Mitarbeiterin Katharina Ruß, früher Diddl-Maus-Sammlerin
Sendung: WDR.de, Die Diddl-Maus ist zurück, 02.08.2026, 05:07 Uhr