Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett in einem Krankenhaus durch den Gang

Interview: Hitze in Kliniken "Es besteht erheblicher Handlungsbedarf"

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Die Hitzewelle bringt Kliniken an ihre Grenzen: für effektiven Schutz fehlen die finanziellen Mittel. Mit uns sprach Sascha Klein. Er ist Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW.

Von Jörg Gaensel

Glühend heiß ist es auch in den Krankenhäusern in NRW. Die meisten Kliniken sind nicht oder nur zum Teil klimatisiert. Während sich Gebäude über Tage hinweg aufheizen, leiden nicht nur Patientinnen und Patienten unter den extremen Temperaturen, sondern auch das Klinikpersonal.

Sascha Klein im Interview zu Krankenhäuser ohne Klimaanlagen

Sascha Klein zur Lage in Krankenhäuser bei Hitzewelle

Bildquelle: Ralph Sondermann / KGNW

Der WDR hat im Interview nachgefragt, wie die aktuelle Situation in den Kliniken in Nordrhein-Westfalen ist und was in Zukunft passieren müsste. Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW, hat unsere Fragen beantwortet.

Wie ist die Lage aktuell bei der Hitzewelle in den Kliniken in NRW?

Klein: Die heißen Sommertage und erst recht die Hitzeperioden fordern die Krankenhäuser heraus, und das sage ich sowohl mit Blick auf unsere Patientinnen und Patienten als auch auf unsere Beschäftigten, die natürlich während dieser Hitzeperioden besonders zu leiden haben.

Was bedeutet das denn, welche Probleme gibt es bei Ihnen ganz konkret?

Klein: Ein Haupthindernis für den Hitzeschutz im Krankenhaus sind fehlende finanzielle Mittel, um wirksame Maßnahmen umzusetzen. Dazu zählen zum Beispiel moderne Lüftungs- und Klimaanlagen, Fassadendämmung, Verschattung, Wasserspender und Ähnliches.

Krankenhäuser ohne Klimaanlage: Hitze setzt Kliniken zu

WDR 26.06.2026 5 Min. 11 Sek. Verfügbar bis 25.06.2028 WDR Online

Es gibt aber auch andere Maßnahmen, die nicht so teuer sind. Die nutzen wir und viele andere Krankenhäuser im Land, um die Situation irgendwie erträglicher zu machen. Diese Maßnahmen sind allerdings weniger wirksam, vor allem bei langanhaltenden Hitzeperioden. Dann heizt sich das gesamte Gebäude so stark auf, dass es sich ohne technische Maßnahmen kaum noch abkühlt.

Wie organisieren sich die Krankenhäuser bei Extremtemperaturen? Gibt es einen Hitzeschutzbeauftragten, der durch die Räume geht und Einzelmaßnahmen einleitet?

Klein: Das ist in den Krankenhäusern sehr individuell geregelt. Seit einigen Jahren gibt es den Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums, der eine gute Orientierungshilfe ist. Die Krankenhäuser sind nämlich sehr unterschiedlich – auch hinsichtlich ihrer baulichen Struktur. Manche Gebäude stammen noch aus den 60er- oder 70er-Jahren.

Die Kolleginnen und Kollegen müssen vor Ort individuell prüfen: Wo gibt es besonders gefährdete Patientengruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke, Säuglinge oder Schwangere? Die Krankenhäuser haben in den letzten Jahren ja auch schon in gewissem Umfang investiert. Sie haben in manchen Bereichen etwa Verschattungsmöglichkeiten geschaffen oder Klimatechnik installiert, um die Auswirkungen von Hitzeperioden zumindest etwas abzufedern.

Was passiert, wenn sie feststellen, dass es große Probleme mit schwerverletzten Patienten gibt, Menschen nicht schlafen können, Schmerzen haben?

Klein: In den Krankenhäusern werden in der Regel Bereiche identifiziert, die kühler sind. Besonders betroffene Patientengruppen oder einzelne Personen verlegt das Personal dann in diese Bereiche.

Ein kleiner weißer Ventilator steht im Flur eines Krankenhauses.

Mit Ventilatoren versucht man im Marienhospital zumindest für etwas Wind in dem alten Gebäude zu sorgen

Bildquelle: WDR / Jörg Sauerwein

Es gibt auch Kühldecken und -westen sowie verschiedene pflegerische Maßnahmen. Auch so etwas muss man aber vorbereiten. Das bedeutet: Man muss sich frühzeitig mit dem Thema Muster-Hitzeschutzplan auseinandersetzen, um bei Eintritt einer Hitzeperiode gewappnet zu sein.

Kann man zugespitzt sagen, dass Sie Gesundheitsrisiken in Kauf nehmen müssen, weil die erforderlichen Hitzeschutzmaßnahmen einfach nicht zu bezahlen sind?

Klein: Für effektiven Hitzeschutz im Krankenhaus brauchen wir organisatorische, bauliche und patientenbezogene Maßnahmen. Ich glaube, die Krankenhäuser tun das, was möglich ist.

Dazu gehört aber auch, offen auszusprechen: Bei den besonders wirksamen Maßnahmen – vor allem den baulichen und zugleich kostenintensiven – besteht noch ein erheblicher Handlungsbedarf. Ich glaube, bislang war höchstens etwa jede vierte Klinik in der Lage, da etwas zu tun.

Das Interview führte Jörg Gaensel am 26. Juni 2026. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet und ergänzt ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quellen:

WDR-Interview mit Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 23.06.26, 13:35 Uhr