Mauerreste und alte Gruben, aber auch Schuhe, Knöpfe und Patronenhülsen. Die Funde rund um das ehemalige Lager sind vielfältig, erklärt Ingmar Luther. Er ist Archäologe und Leiter der Unteren Denkmalbehörde in Dortmund. Das Lager bestand damals aus großen, langen Baracken, in denen bis zu 300 Menschen untergebracht waren. Sie schliefen in schmalen Stockbetten, häufig drei Betten übereinander, sodass möglichst viele Gefangene in einer Baracke untergebracht werden konnten.
Spuren von Bomben und Kämpfen
Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde das Lager von Bomben getroffen. Auch das können die Archäologen aus ihren Funden herauslesen. Bislang haben sie noch keine sterblichen Überreste gefunden. Das liege aber auch daran, dass sie zur Zeit noch sehr weit oben graben.
Wir wissen aus Berichten, dass die Zustände in dem Lager katastrophal waren. Dass Menschen, die in einem Bombenhagel gestorben sind, einfach willkürlich in einen Krater gekippt und dort verscharrt wurden. Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde Dortmund
Die Archäologen arbeiten mit großer Vorsicht und Fingerspitzengefühl. Als der Krieg vorbei war, wollte man alle Spuren beseitigen und hat das Lager eingeebnet. So müssen sich die Archäologen jetzt Stück für Stück durch die Planierschichten graben.
Zeitweise größtes Lager im Westen
Das Lager war zeitweise eines der größten im westlichen Deutschland. Bis zu 79.000 Menschen waren zum Teil gleichzeitig hier untergebracht. Vornehmlich Franzosen und Belgier. Die meisten von ihnen wurden zu Arbeitseinsätzen gezwungen und waren daher nur zeitweise im Lager. Sie arbeiteten in den Zechen, an Hochöfen und in der Rüstungsindustrie. Viele wurden misshandelt und sind in dem Lager gestorben.
Mantel des Schweigens lüften
Langfristig sollen auf dem Gelände die neuen Messehallen mit dem Kongresszentrum entstehen. Auch deshalb finden die Ausgrabungen gerade jetzt statt. Lange wollte man in der Stadt nichts von dem ehemaligen Lager wissen. Erst in den frühen 2000er Jahren gab es die erste Publikation dazu. Diesen Mantel des Schweigens will Ingmar Luther jetzt lüften. Und er bekommt dabei durchweg positive Reaktionen.
Ich bin ein großer Freund von Geschichte am offenen Herzen. Das machen wir in Dortmund immer wieder. Ich sehe an den Augen der Menschen, dass sie plötzlich anfangen nachzudenken. Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde Dortmund
Unsere Quellen
- Stadt Dortmund
- Gespräch mit dem Archäologen Ingmar Luther
Sendung: WDR 3 Resonanzen, Archäologen graben Überreste des Kriegsgefangenenlagers aus, 08.06.2026, 19:10 Uhr