Gesungen wird Wagners "Rheingold" von Sängerinnen und Sängern. Doch das projizierte Bühnenbild kommt von einer künstlichen Intelligenz, die in Dortmund programmiert wurde. Diese projiziert jeden Abend etwas anders auf die halbrunde Bühne: zum Beispiel Felsenlandschaften, verzerrte Figuren, Blumen, Höhlen oder Unterwasserwelten.
Das Live-Video-Bühnenbild ist dabei sehr dominant. Denn die Sänger stehen dabei die meiste Zeit regungslos auf der Bühne. Für das Technik-Spektakel hat Marcus Lobbes, der Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, eine KI drei Jahre lang mit Bildern und Videos von älteren Ring-Aufführungen und anderem zeitgeschichtlichem Material gespeist.
KI zeigt jeden Abend ein anderes Bühnenbild
Nach der Premiere ist Lobbes von seinem Bühnenprogramm selbst überrascht: "Gestern haben alle nochmal ein bisschen mehr Gas gegeben. Das heißt, die Reaktion der Maschine auf das, was an musikalischem Input da war, war nochmal anders als wir es bisher gesehen haben. Etwas heftiger, etwas schneller, etwas dynamischer."
Zweieinhalb Stunden lang morpht die KI die eingespeisten Bilder und Videos oft sekundenschnell zusammen. Blüten und Knospen öffnen sich und vergehen wieder im Schnelldurchlauf.
Applaus und Buh-Rufe
Die meisten Mitwirkenden hätten sich vom KI-Konzept schnell überzeugen lassen, sagt Lobbes im WDR. Nach anfänglicher Skepsis sei die Stimmung nach den ersten Projektionen sehr positiv aufgenommen worden. Im Gegensatz zum Premierenpublikum. Unter den Applaus für die starke Gesangsdarbietung michten sich auch vereinzelte Buh-Rufe.
"Im Theater wird immer gnadenlos aussortiert. Wir probieren gerne neue Technologien aus. Und wenn sie nichts taugen, lassen wir sie auch wieder weg." Marcus Lobbes, Direktor der Dortmunder Akademie für Theater und Digitalität
Auch Lobbes sprach von teilweise schroffer Ablehnung. Doch auch, wenn einige Kritiker sein Konzept spannender fanden als die Umsetzung, glaubt der Dortmunder Kurator, dass sich das KI-Konzept bewähren kann. Sollte das nicht passieren, bleibt er pragmatisch: "Im Theater wird immer gnadenlos aussortiert. Wir probieren gerne neue Technologien aus. Und wenn sie nichts taugen, lassen wir sie auch wieder weg."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Marcus Lobbes
- Kritik BR Klassik zu "Rheingold"-Premiere
- DPA