Retroküche und buntes Licht: Bühnenszene aus "Catladies"
"Catladies" bei den Ruhrfestspielen : Ältere Frauen erzählen aus ihrem Leben
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Was sind eigentlich "Catladies"? Ein Begriff, der sogar im vergangenen US-Wahlkampf für Unruhe sorgte. Ein Theaterabend der Ruhrfestspiele nähert sich den so titulierten Frauen, die Tiere lieben - aber anders, als es das Klischee nahe legt - häufig gar nicht so einsam sind.
Der Begriff erzürnte einst die Gegner des Trump-Lagers. Der damals noch designierte Vize-Präsident J.D. Vance hatte unter anderem die demokratische Kontrahentin Kamala Harris als Catlady bezeichnet: "Unser Land wird von einem Haufen kinderlosen Katzen-Ladies geführt, die ein miserables Leben führen", so Vance. Ist "Catlady" also eine Beleidigung?
Interviews mit Frauen über 70
Das Theaterkollektiv werkgruppe2 kehrt das Bild um. Für die Uraufführung von "Catladies" bei den diesjährigen Ruhrfestspielen hat die Gruppe zahllose Interviews mit ganz realen Frauen über 70 und mit Haustier geführt. Entstanden ist ein Bühnenabend voller Emotionen, die gar nicht so eindeutig sind. Denn die Frauen erzählen von Stolz und Lebensfreude, ja auch von Einsamkeit und Wut, häufig aber genießen sie ihr Alleinsein mit Katze auch.
Nach langen Jahren in Ehe mit Familie und viel Care-Arbeit entdecken sie im Alter endlich Zeit für sich. "Ein Haustier stellt einfach nicht so hohe Erwartungen," beschreibt Silke Merzhäuser von werkgruppe2 die Einschätzung der Frauen aus den Interviews. "Endlich ist da jemand, der sich freut, wenn ich nach Hause komme."
Schwierige Suche
Es war nicht ohne, die Frauen für das Projekt zu finden. Das Team suchte über Tierärztinnen, Quartiersmanagement, Tiertafeln und städtische Netzwerke. Viele Frauen hatten zunächst das Gefühl, sie hätten "gar nichts zu erzählen" oder seien nicht interessant genug. Schon die Suche nach Interviewpartnerinnen zeigt, wie unsichtbar diese Frauen gesellschaftlich oft sind.
Die Geschichten drehen sich dann um die Versorgung der Tiere, um die Erinnerungen an das frühere Leben mit Mann und Kindern. Geprägt von Selbstaufgabe. Es gab lange keinen Ausweg für die Frauen, "weil diese Zwänge oder die Möglichkeiten, sich daraus zu befreien, damals viel schwieriger noch waren," so Merzhäuser. "Also Geldmangel ist es heute immer noch ganz oft. Aber auch Erwartung an sich selber als gute Hausfrau."
Anonymität bei Themen wie Armut und Gewalt wichtig
Die Produktion bildet die Geschichten nicht eins zu eins ab. Stattdessen werden aus verschiedenen Erinnerungen und Interviewpassagen eigene Figuren gebaut und von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Bühne dargestellt. Ein Charakter im Stück kann also biografische Elemente mehrerer Frauen enthalten. Zum einen kann werkgruppe2 so freier einen Text schreiben. Zum anderen schützt es die Interviewpartnerinnen und gewährt ihnen Anonymität. Gerade bei persönlichen Themen wie Armut, Gewalt, Einsamkeit oder Beziehungen ist diese Verfremdung wichtig.
Leben mit Katze als kulturelle Frage
Obwohl die Geschichten alle aus dem Ruhrgebiet stammen, sind nur wenige von Kindern so genannter Gastarbeiter dabei. "Wir haben das total stark versucht, und aber die haben uns dann oft gespiegelt, Tiere spielen bei uns gar nicht so eine Rolle. Ich hab gar keine." Da unterscheiden sich bisweilen die kulturellen Gewohnheiten.
In einem aber ähneln sich die Geschichen. Die Frauen haben sich Unabhängigkeit erkämpft. Sie haben oft ihr Dasein als Hausfrauen gefristet und durchaus darunter gelitten. "Die haben natürlich etwas erkämpft, was für uns eine Selbstverständlichkeit hat", so Merzhäuser. "Dieses Selbständig-leben, dieses Selbstbewusstsein, diese Unabhängigkeit, das war ein Wert, den sie wirklich erst entdecken mussten." "Catladies" von werkgruppe2 ist das Porträt einer Generation von Frauen, die am Lebensende trotz widriger Umstände und oftmals kleiner Rente ihren Weg gefunden haben.
Unsere Quellen:
- WDR Interview mit Silke Merzhäuser
- Pressemitteilung Ruhrfestspiele
Sendung: WDR Westart, 18.05.2026, 12.10 Uhr