Letztes Interview mit Beikircher in Lokalzeit Bonn
WDR. 03:13 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028.
Im Dezember feierte die Lokalzeit Bonn zusammen mit Konrad Beikircher dessen 80. Geburtstag. Im Plauderton ging es im Studiogespräch mit Moderator Ralf Henscheidt um die Liebe des Kabarettisten zum Rheinischen und seine frühe Zeit als Kabarettist, die ihren Anfang mit der Radiokolumne "Sarens, Frau Walterscheidt" im WDR nahm.
Vor dem Gespräch lief in der Sendung ein Portrait über Beikircher, in dem er unter anderem über seine Kindheit und Jugend in Südtirol und seinen Umzug später ins Rheinland sprach.
Greifen wir ein paar Sachen auf aus ihrem Leben. Wir haben gerade im Film gesehen, in den Dolomiten, in Südtirol, der große Berg, der ihnen die Freiheit genommen hat - das Siebengebirge war offenbar nicht so störend?
Beikircher: Nee, Siebengebirge - da kannste ja so drüber gucken. Nee, nee. Das hat mich wirklich gestört: In Bruneck warste am Berg und in Bozen dann acht Jahre lang bis zum Abitur auch, guckst aus dem Fenster und siehst nix. Und ich habe das immer schon so als Behinderung empfunden. Ich wollte immer einen freien Blick haben nach München oder Innsbruck oder sowas.
Und dann sind Sie im Rheinland gelandet. Also mir jefällt ja, dat minge Fründe singe Humor möje, ne. Das Rheinische - mir, minge, sing - was hat das Rheinische?
Beikircher: Das Tolle am Rheinischen: Es hat nix Deutsches, nix Hochdeutsches. Das Rheinische ist eine reine mediterrane Sprache. Küsse hück net, küsse morje, ne. Mañana-Prinzip. Das unterstellt man immer den Italienern und den Spaniern. Nee, das ist Rheinisch!
Sie haben ein bewegtes Leben, waren unter anderem 15 Jahre lang Beamter in einer Justizvollzugsanstalt. Hatten die Knackis mehr zu lachen mit Ihnen?
Beikircher: Mit den Knackis bin ich immer ganz hervorragend zurechtgekommen. Da haben wir auch viel Spaß gehabt, das kann ich Ihnen sagen, oh ja!
Sie sind dann gegangen. Nach 15 Jahren Beamtenlaufbahn - was geben Sie anderen mit auf den Weg? So eine Laufbahn zu beenden, um Künstler zu werden?
Beikircher: Ich wollte ja eigentlich eine Praxis aufmachen. Mich hatte immer gestört hat, dass es bei Psychologen etwas so nicht gibt, wie es das bei Ärzten gibt, dass der allgemeine Arzt sagt: "Du musst zum Orthopäden" oder "Du musst zu dem oder dem." Bei Psychologen gab's das net. Und das fand ich unfair eigentlich. Woher soll ich wissen, wat für ne Therapie für mich die richtige ist, wenn ich Probleme mit meiner Schönen habe, oder so? Das war die ursprüngliche Idee. Die war aber nach zwei, drei Wochen sofort wieder verraucht wegen der Mieten von so einer Praxis. Und ich habe schon ein biss'l WDR gemacht in der Zeit und das ist dann so geworden.
Hatten Sie mal irgendwann finanzielle Schwierigkeiten?
Beikircher: Natürlich, ja, ja. Da war ich obendrein alleinerziehender Vater. Die Mutter meiner älteren Kinder fand das unmöglich, fand das einen Verrat an der Familie, dass ich jetzt Freiberufler wurde. Und dann haben wir uns getrennt darüber. Ich hatte da einmal in der Woche eine Frau Walterscheidt-Folge gemacht im WDR-Hörfunk. Und das war extrem eng, aber es war trotzdem eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Mit zwei Kindern. Und Du brauchst niemanden zu fragen: "Darf ich jetzt spazieren gehen oder raus in den Schnee?" Du machst einfach. Das war toll! Das war wirklich eine tolle Zeit. Zwei Jahre, knapp.
Und immer noch viel Energie. Konrad Beikircher, zum 80. Halten sie uns Rheinländern noch lange bitte den Spiegel vor - wir ertragen es mit Humor. Danke für den Besuch bei uns.
Quellen:
- Studiogespräch WDR Lokalzeit Bonn
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 29.12.2025, 19:30 Uhr