Historisches Herzstück des Punks: der Ratinger Hof in Düsseldorf
2026 ist ein Jubiläumsjahr: Der Punk wird 50 Jahre alt. 1976 erschien das Album "Anarchy in the UK" der Sex Pistols. Das Punkmuseum in Düsseldorf will aber nicht nur nostalgisch zurückschauen, sondern auch Punk als ein Lebensgefühl zeigen, das heute noch weiterlebt.
"Be Realistic: Demand The Impossible" heißt die erste Ausstellung des Museums, die im Oktober eröffnet wird. Rudi Esch hat das Museum auf die Beine gestellt. Er ist der Bassist der Band "Die Krupps" und kennt die Punkszene seiner Heimatstadt Düsseldorf.
Ratinger Hof in 3D und im Miniaturmodell
Herzstück der ersten Schau ist der Ratinger Hof. Esch hat das originale Hof‑Schild geerbt, dazu kommen Memorabilia aus der Szene. Spektakulär ist eine Virtual‑Reality‑Installation: Mit einer 3D‑Brille kann man den alten Club betreten, "man kann auf die Tanzfläche gehen, man kann sich an der Theke ein Bier bestellen und man kann sogar auf dem Schlagzeug von Robert Görl rumtrommeln", dem Mitbegründer der Band D.A.F.
Besonders nostalgisch ist ein Modell des Hofs im Maßstab 1:12, gebaut von Jürgen Weber - inklusive Bühne, Theke und Toiletten. "Das ist das, was emotional bei den Leuten halt am besten funktioniert", sagt Esch.
Punk heute: Do-it-yourself statt Nostalgie
Trotz Museumsrahmen geht es Esch nicht ums Verklären der Vergangenheit: "Es ist ja nicht so, als wenn wir hoffnungslose Nostalgiker wären." Wichtig sei der bis heute spürbare Geist: "Punk ist wirklich heute noch dieser Do-it-yourself-Geist, dass man eben Sachen selber macht und erst mal auf die Bühne bringt."
Dazu gehört für Esch auch eine neue Form des Selfmade-Journalismus. Frühe Fanzines, billig fotokopiert, seien "so eine Art Gonzo‑mäßiger Journalismus". Viele dieser Hefte sind Zeitdokumente einer Bewegung, deren Impulse bis in die Gegenwart reichen.
Düsseldorf, Kunstakademie und deutscher Punk
Doch warum wurde ausgerechnet Düsseldorf zur Punk-Hochburg? Esch sieht den Grund in der Nähe zur Kunstakademie: "Düsseldorf war halt so ein klein wenig mehr durch die Nähe zur Kunstakademie immer so ein bisschen dadaistisch und künstlerisch angehaucht."
Viele Musiker wären sonst wohl Kunststudenten geworden. Bands wie Mittagspause, Fehlfarben, D.A.F., Der Plan oder Kraftwerk prägten eine intellektuellere Variante des Punk, gespeist aus Kunst-, Werbe- und Modelszene rund um die Ratinger Straße. Hamburg und Berlin werden im Museum ebenfalls gewürdigt - trotzdem, sagt Esch, "finde ich gut, wenn wir die Hoheit natürlich nach Düsseldorf holen".
Punk-Geist heute: "Punk's Not Dead"
Für Esch ist Punk kein abgeschlossenes Kapitel: "Dieser Geist ist doch total heute immer noch spürbar." Er meint den selbstorganisierten Zugriff auf Kultur - vom Fanzine bis zur Bühne. Im Museum soll es deshalb auch Platz für aktuelle Bands geben: Rund 100 Leute finden bei Konzerten im Haus Raum. So will das Punkmuseum die Bewegung historisch erzählen und gleichzeitig zeigen, wie viel Punk noch in der Gegenwart steckt.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Rudi Esch
Sendung: WDR 3, Resonanzen, 09.07.2026, 19:10 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 09.07.2026