Ein Mann hält eine Jubiläumsausgabe des Micky Maus Magazins in den Händen.

Comic-Jubiläum "Micky Maus"-Heft feiert 75 Jahre

Stand:

Das Geschäft mit Superhelden boomt. Doch was wären Spiderman und Co ohne die Hefte? Mit Micky Maus fing der Erfolg an.

Ächz! Stöhn! Grübel! Inzwischen sind diese Verbformen Kult. Geprägt hat sie die Kunsthistorikerin Erika Fuchs. Sie hat die ersten "Micky Maus"-Hefte übersetzt und entscheidend zu deren Erfolg beigetragen. Denn als der erste Comic erschien, waren viele zunächst skeptisch.

Opium in der Kinderstube

Das Magazin "Der Spiegel" etwa veröffentlichte ein halbes Jahr vor der "Micky Maus"-Premiere einen Artikel, in dem vor dem negativen Einfluss der Comics gewarnt wurde. Als Opium für die Kinderstube wurden die Hefte damals bezeichnet und weiter hieß es: Wer Bilder mit Sprechblasen lese, gerate auf die schiefe Bahn.

Die Herausgeber der deutschen "Micky Maus"-Ausgabe gingen gegen diese Aussagen mit aller Macht vor. In einem speziellen Mittelteil für Eltern garantierten sie, dass Walt Disney nur "moralisch saubere" Geschichten schreibe. Und es gab einen Einleitungsatz für Kinder: "Liebe Kinder, ihr braucht dieses Heft nicht heimlich kaufen ..."

Geheimwaffe Erika Fuchs

Zudem hatte die deutsche Ausgabe eine "Geheimwaffe", die Kunsthistorikerin Erika Fuchs. "Erika Fuchs hat den Figuren in Entenhausen eine Sprache gegeben, die völlig abwich von den amerikanischen Vorbildern und die eine Mischung aus gehobenem Bildungsdeutsch und Zitaten aus der deutschsprachigen Bildungsliteratur waren", sagt Stephan Packard, Medienwissenschaftler an der Uni Köln. Fuchs verwendete weniger Jugendsprache als im Original, dafür zitierten die Neffen Tick, Trick und Track Goethe und Schiller. "Also wer das Micky Maus Magazin Aufschlug als Elternteil, sollte den Eindruck bekommen, dass diese Comics einem Bildungsbürgertum vermittelbar waren", so Packard.

Carl Barks und Erika Fuchs sitzen an einem Tisch und unterhalten sich (1994)

Sie trug maßgeblich zum Erfolg der Hefte bei: Übersetzerin Erika Fuchs (rechts) mit dem Comic-Autor Carl Barks.

Bildquelle: WDR / dpa

Dazu kam der so genannte Erikativ: Verbformen wie ächz, stöhn oder grübel. Die hatte es bis dahin in der deutschen Sprache nicht gegeben. "Das ist bei diesen Geschichten einfach nötig," erklärte Fuchs in einem Interview. "Denn die bestehen nur aus Dialog und Bildern und alles, was in einem anderen Text die Stimmung ist, wird über diese Worte vermittelt."

Stepan Packard
"Schnauf! Stöhn! Ächz!", das hat Erika Fuchs erst geschaffen als eine Ergänzung der deutschen Sprachvielfalt. Stephan Packard, Kölner Medienwissenschaftler

Die Geschichten in den ersten Micky Maus Ausgaben sind kurz und flach, mit überschaubarem Erfolg. Die Verleger bringen damals die Ausgaben mit dem Fahrrad selbst zur Post. Aber das ändert sich bald. Ende der 50er bricht in Deutschland ein wahrer "Micky Maus"-Hype aus. So geht es weiter bis in die 90er Jahre.

Auf ihrem Höhepunkt hatten die Hefte eine Auflage von mehr als einer Million. Inzwischen sind die Zahlen fünfstellig. Dafür hat sich die Zielgruppe erweitert. Anstatt nur von Kindern und Jugendlichen, werden die Hefte auch von Erwachsenen gekauft, die sich mit Nostalgie an die eigene Kindheit erinnern.

Erstes Micky Maus-Heft erscheint in Deutschland

Westart | WDR 28.08.2026 4 Min. 58 Sek. Verfügbar bis 28.08.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Recherche des WDR-Autors
  • Gespräch mit Kölner Medienwissenschaftler Stephan Packard

Sendung: WDR 3, Westart, 28.08.2026, 12:35 Uhr

Weitere Beiträge aus der Kultur

1 / 2