Konrad Beikircher gehörte zu Bonn wie Beethoven oder das Bonner Münster. Dabei stammte der vielseitige Kabarettist eigentlich aus Südtirol. Doch im Rheinland fühlte er sich pudelwohl – was auch dazu führte, dass er auf der Bühne voller Begeisterung Sprache und Wesen des Rheinländers erklärte. Mit enormem Erfolg. Er gilt als der Erste, der den Rheinländern gesagt hat, dass ihre Sprechweise "toll" sei. "Mir haben sie es geglaubt, weil ich nicht von hier bin“, erinnerte sich Beikircher rückblickend.
1945 im italienischen Bruneck geboren, aufgewachsen in einer gutbürgerlichen Familie – bei Konrad Beikircher zeigte sich früh seine musikalische Begabung. So wollte er nach dem Abitur im Internat eines Bozener Franziskanerklosters zunächst Musiker werden. Aber erst einmal führten ihn seine Wege nach Bonn. Dorthin kam er 1965 zum Psychologie-Studium.
Beikircher arbeitete viele Jahre als Gefängnispsychologe
Aber eigentlich übte er damals die ganze Zeit Geige, um sich auf die Aufnahmeprüfung an der Wiener Akademie vorzubereiten. Sein Ziel war, Profi-Geiger zu werden. Doch nach dem ernüchternden Vorspiel bei einem berühmten Geiger gab Beikircher diesen Traum auf.
Er setzte sein Psychologie-Studium fort, schloss es ab und ging dann in den Staatsdienst. 15 Jahre lang arbeitete er als Gefängnispsychologe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg, wo er jugendliche Sexualtäter betreute.
Bekanntheit durch Radio-Kolumne "Sarens, Frau Walterscheidt"
Nebenbei suchte Beikircher ein Ventil in der Musik. So trat er mit Wiener Chansons in Bonner Kneipen auf. 1984 wurde der WDR auf ihn aufmerksam, wo er kurze Zeit später eine eigene Radio-Kolumne bekam – "Sarens, Frau Walterscheidt". Mit der Figur der Bäckerin Roleber setzte er einer Zimmerwirtin ein Denkmal, die den Typus einer kleinkarierten, neidischen, von sich selbst überzeugten Frau verkörperte, die zumeist keifend sprach und die glaubte, alles im Griff zu haben. Was aber nicht immer stimmte.
Beflügelt vom Erfolg der Kolumne kündigte Beikircher seinen sicheren Beamten-Job und wagte den Schritt auf die Kabarett-Bühne. In der Sprache fand er sein großes Thema, spielend parodierte er jeden Dialekt, vor allem natürlich das Rheinische. Das bescherte ihm volle Säle. Doch Beikirchers eigentliche Leidenschaft gehörte der Musik. Er sang italienische Chansons, schrieb Opernführer und war Experte für Beethoven, dem er eine humorvolle Biografie widmete.
"500 Jahre falscher Glaube" und "Kirche, Pest und neue Seuchen"
In den letzten Jahren beschäftigte sich Konrad Beikircher verstärkt mit gesellschaftspolitischen Themen. Der Religion etwa widmete der bekennende Katholik im Luther-Jahr 2017 ein ganzes Programm – mit dem augenzwinkernden Titel "500 Jahre falscher Glaube". Und die Corona-Krise verarbeitete er in einem kabarettistischen Streifzug durch die Geschichte der Pandemie „Kirche, Pest und neue Seuchen“.
Egal bei welchem Thema, stets fesselte Beikircher mit Eloquenz und übersprudelnder Lust an der Anekdote. Sein Publikum dankte es ihm mit Treue, und er stand noch lange auf der Bühne, allen gesundheitlichen Rückschlägen zum Trotz. Anfang 2025 zog er dann die Reißleine: Er wolle sich zurückziehen und den Ruhestand genießen. Vereinzelt stand Beikircher noch auf rheinischen Bühnen.
Sterben aber wollte der fünffache Vater am liebsten zu Hause im Bonner Stadtteil Bad Godesberg, im Kreise seiner Familie. "Sterben möchte ich am liebsten auf altmodische Art, zu Haus, die Hand der Frauen in der Hand, die Kinder segnend oder sie zumindest anschauen. Das wäre meine Wunschvorstellung. Wenn ich es mir einrichten kann, dann werde ich das so machen."