Geflügelter Löwe in Venedig

Filmfestspiele von Venedig NRW mischt mit

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In Venedig starten die Filmfestspiele. Mit dabei: Vier Filme, die mit Fördergeld aus Nordrhein-Westfalen entstanden sind.

Ein Wermutstropfen vorneweg: Keiner der NRW-Filme hat die Chance, den Goldenen Löwen zu gewinnen. Denn alle vier werden nicht im Hauptwettbewerb gezeigt. Trotzdem ist schon die Teilnahme in Venedig für die Produktionen ein großer Erfolg.

Wim Wenders in 3D

Mit Spannung wird Wim Wenders neuer Dokumentarfilm "From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor" erwartet. Die Film- und Medienstiftung NRW hat das Projekt mit 180.000 Euro gefördert. WDR/Arte und SWR sind die deutschen Sendepartner. Der Film ist kein klassisches Architektenporträt. Wenders untersucht vielmehr, wie Zumthors Räume auf Menschen wirken: auf Besucher, Bewohnerinnen, Nutzer, Handwerker und Künstlerinnen. Der Ansatz lautet buchstäblich "von innen nach außen". Architektur soll körperlich, sinnlich und emotional erfahrbar werden. Dafür hat Wenders über 14 Jahre lang gedreht - und alles in 3 D.

"Der Film ist eine fast physische Erfahrung von Material, Licht und Raum." Archdaily.com
Der Schweizer Architekt Peter Zumthor (2017)

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat unter anderem das Kölner Kolumba-Museum entworfen.

Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Eine wichtiger Schauplatz von Wenders neuem Dokumentarfilm ist das Kölner Kolumba-Museum. Es wurde 2007 eröffnet und gilt als eines der architektonisch bedeutendsten Museen Deutschlands. Das Kunstmuseum des Erzbistums Köln verbindet mittelalterliche Kirchenruinen, archäologische Funde, sakrale Kunst und Gegenwartskunst in einem Neubau. Der gilt als Schlüsselwerk des Architekten Peter Zumthor.

Architekten-Juwel in der Eifel

Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf

Die Bruder-Klaus-Kapelle von Peter Zumthor bei Wachendorf in der Eifel.

Bildquelle: picture alliance / Rolf Kosecki

Wim Wenders würdigt in seinem Film auch die nicht ganz so bekannten Meisterwerke Zumthors. Gedreht hat er auch in der Bruder-Klaus-Kapelle, einem kleinen Sakralbau bei Wachendorf in Mechernich, in der Eifel. Sie ist dem Schweizer Mystiker, Einsiedler Nikolaus von Flüe gewidmet, der im 15. Jahrhundert gelebt hat. Der Bau gilt als eines der radikalsten, sinnlichsten Werke Zumthors. Was Wenders besonders fasziniert hat: Die Kapelle steht frei in einer Feldlandschaft und erscheint von außen als schlichter, etwa zwölf Meter hoher, fünfeckiger Betonkörper. Innen ist sie jedoch vollkommen anders: dunkel, rau, eng und nach oben zum Himmel geöffnet.

NRW fördert auch die Neuen

Ebenfalls mit Geld der Film- und Medienstiftung NRW gefördert wurde der Spielfilm "Oase". Es ist der erste Langfilm des Regisseurs Jannis Lenz. Er läuft in Venedig in der Reihe "Orrizonti", der zweiten großen Wettbewerbssektion. Hier werden vor allem Debüts gezeigt, die erzählerisch und ästhetisch neue Wege gehen. "Oase" erzählt die Geschichte von drei Jugendlichen, die als Außenseiter in der Schule keinen Platz finden und fernab der Gesellschaft in der Natur einen eigenen Lebensraum mit eigenen Regeln und Werten schaffen.

Eine Chance für Publikumslieblinge

Dritter Film mit NRW-Förderung ist "I Matter" von Alina Serban - eine deutsch-rumänisch-belgische Koproduktion. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag aus dem Waisenhaus entlassen werden soll und darauf hofft, mit der Entlassung ihres Vaters aus dem Gefängnis endlich eine Familie zu finden. Der Film läuft in Venedig in der neuen Sektion "Spotlight". Hier dürfen die Zuschauer darüber abstimmen, welcher Film ihnen am besten gefallen hat.

Ein Blick in die zu warme Zukunft

Ebenfalls in Venedig vertreten ist das von der Film- und Medienstiftung NRW mit 40.000 Euro geförderte Multimedia-Projekt "The White Saboteur" des Kölner Actrio Studios. Es wird innerhalb der Sektion Venice Immersive präsentiert. Das ist der experimentellste Wettbewerb in Venedig, für 360-Grad-Produktionen und Virtual Reality. In der 15-minütigen VR-Installation betritt man mit Headset eine digitale Polarlandschaft aus treibenden Eisbergen und Gletschern.  Der Blick der Besucher lässt die virtuellen Eisberge schmelzen. So sollen die Folgen des Klimawandels eindrucksvoll erfahrbar gemacht werden.

NRW bei Filmfestspielen in Venedig

WDR 02.09.2026 52 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Film- und Medienstiftung NRW
  • dpa
  • archdaily.com
  • WDR-Archiv

Sendung: WDR 3, WDR aktuell, 02.09.2026, 15 Uhr 

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