"Er würgte eine Klapperschlang bis ihre Klapper schlapper klang". Heinz Erhardt war ein Meister der Wortspiele und Schüttelreime. Auf der Bühne und im Fernsehen gab er in den 1950er und 60er Jahren den etwas biederen, netten Onkel, der sich durch die deutsche Sprache haspelt. Literaturwissenschaftler sagen: das ist viel mehr als Blödelei. Das ist kontrollierte Sprachentgleisung auf sprachlich hohem Niveau. Erhardt hat etwas von einem Dadaisten im Wohnzimmer: Die Welt bleibt äußerlich ordentlich, aber die Sprache beginnt, sich auf höchst höfliche Weise daneben zu benehmen.
Indes des Lebens dünner Zwirn verschleißt,
der Erbe lauert, und die Gicht uns beißt. Heinz Erhardt
Als Erhardt 1979 starb, begann ein langer Streit unter seinen Erben. Es ging vor allem um Verwertung und Verwaltung seiner Urheberrechte. Das Ergebnis: Erhardts Nachlass verstaubte in einem Hamburger Keller. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet jetzt, dass dieser Streit beigelegt ist. Das Bonner Haus der Geschichte übernimmt den Nachlass. Dazu gehören 19 Tagebücher, Briefe an seine Familie und Erhardts Schreibmaschine.
Erhardt hilft, die Nachkriegszeit zu verstehen. Manfred Wichmann, Sammlungsdirekttor im Haus der Geschichte
Normalerweise übernimmt das Museum keine Nachlässe. Für Erhardt aber macht es eine Ausnahme. Immerhin stehe er wie wenige andere Humoristen für einen übergreifenden Zeitraum in der deutschen Geschichte. Seine Schüttelreime und Kalauer beruhten auf einer genauen Beobachtung der damaligen gesellschaftlichen Sitten und könnten dabei helfen, die 50er und 60er Jahre zu verstehen. Außerdem sei er einfach "genuin witzig".
Das Leben kommt auf alle Fälle – aus einer Zelle. Doch manchmal endets auch – bei Strolchen – in einer solchen. Heinz Erhardt
Erhardts Enkelin Nicola Tyszkiewicz bezeichnete ihren Großvater gegenüber dem "Spiegel" als "Workaholic". "Er hatte panische Angst, nach seinem Tod vergessen zu werden", sagte sie. Dagegen habe er ohne Rücksicht auf seine Gesundheit angearbeitet. Mit der Übernahme des Nachlasses durch das Haus der Geschichte ist eine dauerhafte Würdigung von Erhardts Werk gesichert. In Bonn sollen die Objekte jetzt erst mal gesichtet, vermessen, fotografiert, digitalisiert und katalogisiert werden. 2029 könnte es die erste Ausstellung geben. Dann jährt sich Erhardts Tod zum 50. Mal. Wie er sich selbst unter den großen deutschen Humoristen einordnet, hat er der Nachwelt - natürlich in Reimform - hinterlassen:
O, wär’ ich
der Kästner-Erich;
auch wäre ich gern
Christian Morgenstern;
und hätt’ ich nur einen Satz
vom Ringelnatz.
Doch nichts davon – zu aller Not
hab’ ich auch nichts von Eugen Roth.
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward,
nur der Heinz Erhardt. Heinz Erhardt
Unsere Quellen:
- DER SPIEGEL
- epd
- Haus der Geschichte
- WDR Archiv
Sendung: WDR 3, Nachrichten, 07.09.2026, 8.30 Uhr