John Lennon: Das Jahrhundertgenie

Von Ingo Neumayer

Talent, Charisma, Stil, Engagement: John Lennon hatte alles im Überfluss. Am 9. Oktober wäre er 85 geworden.

Portrait von John Lennon als Kind in Liverpool

Na, erkannt? Für Beatles-Fans sicher kein Problem: Das ist natürlich John Winston Lennon, der am 9. Oktober 1940 in Liverpool zur Welt kommt. Seinen Zweitnamen verdankt er Premierminister Winston Churchill, der damals die Geschicke Großbritanniens lenkt. Johns Vater Alfred ist Matrose und verlässt die Familie kurz nach Kriegsende.

John Lennon und Paul McCartney

1957 stößt ein gewisser Paul McCartney zu den Quarrymen. Lennon und er verstehen sich blendend - sowohl menschlich als auch musikalisch. Die nächsten Jahre lassen sich schnell zusammenfassen: Aus den Quarrymen werden die Beatles und aus den Beatles werden die größten Popstars des Planeten.

John Lennon und seine erste Frau Cynthia

Auch privat ist bei John Lennon einiges in Bewegung: Im August 1962 heiratet er seine langjährige Freundin Cynthia Powell, im folgenden Jahr kommt Sohn Julian zur Welt. Um die Träume der weiblichen Beatles-Fans nicht zu zerstören, bleibt die Ehe zunächst geheim.

John Lennon ca. 1964

In ihrer Anfangszeit ist Paul McCartney der eine, John Lennon der andere kreative Kopf hinter den Beatles. Er singt, spielt Gitarre, schreibt Songs. Und er ist für die Außendarstellung der Band zuständig. Seine schnodderig-freche Art und sein Hang zur Ironie werden bald weltbekannt. 1963 treten die Beatles bei der "Royal Variety Performance" in London auf, bei der auch Mitglieder des Königshauses anwesend sind. Lennon frotzelt auf der Bühne: "Ihr auf den billigen Plätzen dürft jetzt mitklatschen. Und der Rest kann ja mit seinen Juwelen klimpern ..."

Beatles in Kostümen bei einer Fotosession (1963)

Alberne Kostüme, groteske Verkleidungen: Daran hat John Lennon sichtlich Spaß. Genauso wie an Kontroversen und provokanten Aktionen. 1966 bezeichnet er die Beatles als "größer als Jesus" und handelt sich und der Band mächtig Ärger in den konservativen Teilen der USA ein. Radios boykottieren ihre Songs, Platten werden öffentlich verbrannt.

Die Beatles planschen im Wasser

Schließlich wird dann alles zu viel, der Erfolg fordert seinen Tribut. Die Tage, als man unbeschwert Spaß hatte, sind für die Beatles gegen Ende der 60er lange vorbei.

Die Beatles in einem Ruderboot (ca. 1969)

Sie sitzen zwar in einem Boot, aber über den Kurs gibt es heftige Diskussionen. Sowohl künstlerisch als auch geschäftlich lebt sich die Band auseinander.

John Lennon (re.), Ringo Starr (Mitte) und Paul McCartney während des Fotoshootings

1970 geben die Beatles ihre Trennung bekannt und kündigen jeweils Solo-Aktivitäten an. Vor allem John scheint am Besten gerüstet für ein Leben nach den Beatles.

Filmszene: "How I Won The War" mit John Lennon

Schon 1966 spielt er in dem Film "Wie ich den Krieg gewann" und untermauert damit seinen Ruf als vielseitiges Talent und kreatives Genie, das sich für weit mehr als nur für Popmusik interessiert.

Yoko Ono und John Lennon, ca 1970

Entscheidend für seine Entwicklung ist die Begegnung mit Yoko Ono. Die beiden werden ein Paar und arbeiten auch künstlerisch zusammen: Happenings, Aktionen, Auftritte - John und Yoko probieren und toben sich auf vielen Bühnen aus.

John Lennon und Yoko Ono posieren nackt

Direkt mit der ersten gemeinsamen Platte "Two Virgins" sorgen die beiden für heftige Diskussionen. Und zwar nicht wegen der Musik. Die avantgardistischen Klangcollagen, die in nur einer Nacht aufgenommen wurden, interessieren die wenigsten. Wohl aber das Cover von "Two Virgins", auf dem Lennon und Ono splitterfasernackt zu sehen sind. Skandalös!

John Lennon und Yoko Ono bei einer Performance

Doch Provokation nutzt sich schnell ab, und so versuchen Lennon und Ono, die Welt durch ihr Engagement ein kleines bisschen besser zu machen. Zum Beispiel durch das Konzept des "Bagism". Die Idee: Eingehüllt in einen Sack, der alle äußeren Merkmale nivelliert, soll die zwischenmenschliche Kommunikation viel besser und effektiver laufen, da man nicht mehr von Äußerlichkeiten abgelenkt wird und nur noch auf die Bedeutung der Worte achtet.

Plakat vor dem Brandenburger Tor mit der Aufschrift "Der Krieg ist aus"

Lennon und Ono werden zum Vorzeigepaar der Friedensbewegung. Mit publikumswirksamen Aktionen versuchen sie, ihre Idee des Pazifismus zu verbreiten. Sie stellen weltweit Plakatwände auf und machen mit Songs wie "Happy X-mas (War Is Over)", "Give Peace A Chance", "Imagine" oder "Power To The People" klar, wo sie politisch stehen.

John Lennon, Yoko Ono und Friedenstauben

Sein Engagement bringt Lennon, der von seiner englischen Heimat nach New York übergesiedelt ist, viel Ärger ein. Die US-Regierung hält ihn für einen "Radikalen", das FBI überwacht ihn. Dazu kommen Alkohol- und Drogenexzesse sowie Eheprobleme. Lennon und Ono trennen sich, kommen später aber wieder zusammen.

John Lennon und Yoko Ono

Am 9. Oktober 1975 ändert sich so einiges in Lennons Leben. Er wird 35, sein Sohn Sean wird geboren - und er erhält endlich die lang ersehnte "Green Card", die ihm erlaubt, dauerhaft in den USA zu leben und zu arbeiten. Doch auf Arbeit und das Dasein als "Rockstar" hat Lennon gar keine Lust mehr.

John Lennon und Sohn Julian auf einem Schaukelpferd 1968

Er nimmt Seans Geburt zum Anlass, das nachzuholen, was er bei seinem ersten Sohn Julian versäumt hat. Während der "Beatlemania"-Zeiten sah er diesen nur sporadisch, und wenn, war oft die Presse dabei - so wie auf diesem Bild. Um Sean will er sich so richtig kümmern und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Statt Akkorde wechselt er fortan Windeln, die großen Auftritte werden durch den Gang zum Spielplatz ersetzt.

John Lennon und Yoko Ono im August 1980

Fünf Jahre hört und sieht man so gut wie nichts von Lennon, bis es ihn 1980 zurück ins Rampenlicht zieht. Im November erscheint das Comeback-Album "Double Fantasy", eine Welttournee soll 1981 folgen.

Trauer um John Lennon

Doch dazu kommt es nicht. John Lennon wird am 8. Dezember von einem psychisch kranken Mann vor seinem Haus erschossen. Es herrschen Fassungslosigkeit und Trauer um den größten und bedeutendsten Star seiner Zeit, vielleicht sogar aller Zeiten. 40 Jahre ist das inzwischen her, doch Lennons Vermächtnis ist auch heute noch spürbar: musikalisch, gesellschaftlich, kulturell.

Na, erkannt? Für Beatles-Fans sicher kein Problem: Das ist natürlich John Winston Lennon, der am 9. Oktober 1940 in Liverpool zur Welt kommt. Seinen Zweitnamen verdankt er Premierminister Winston Churchill, der damals die Geschicke Großbritanniens lenkt. Johns Vater Alfred ist Matrose und verlässt die Familie kurz nach Kriegsende.

1957 stößt ein gewisser Paul McCartney zu den Quarrymen. Lennon und er verstehen sich blendend - sowohl menschlich als auch musikalisch. Die nächsten Jahre lassen sich schnell zusammenfassen: Aus den Quarrymen werden die Beatles und aus den Beatles werden die größten Popstars des Planeten.

Auch privat ist bei John Lennon einiges in Bewegung: Im August 1962 heiratet er seine langjährige Freundin Cynthia Powell, im folgenden Jahr kommt Sohn Julian zur Welt. Um die Träume der weiblichen Beatles-Fans nicht zu zerstören, bleibt die Ehe zunächst geheim.

In ihrer Anfangszeit ist Paul McCartney der eine, John Lennon der andere kreative Kopf hinter den Beatles. Er singt, spielt Gitarre, schreibt Songs. Und er ist für die Außendarstellung der Band zuständig. Seine schnodderig-freche Art und sein Hang zur Ironie werden bald weltbekannt. 1963 treten die Beatles bei der "Royal Variety Performance" in London auf, bei der auch Mitglieder des Königshauses anwesend sind. Lennon frotzelt auf der Bühne: "Ihr auf den billigen Plätzen dürft jetzt mitklatschen. Und der Rest kann ja mit seinen Juwelen klimpern ..."

Alberne Kostüme, groteske Verkleidungen: Daran hat John Lennon sichtlich Spaß. Genauso wie an Kontroversen und provokanten Aktionen. 1966 bezeichnet er die Beatles als "größer als Jesus" und handelt sich und der Band mächtig Ärger in den konservativen Teilen der USA ein. Radios boykottieren ihre Songs, Platten werden öffentlich verbrannt.

Schließlich wird dann alles zu viel, der Erfolg fordert seinen Tribut. Die Tage, als man unbeschwert Spaß hatte, sind für die Beatles gegen Ende der 60er lange vorbei.

Sie sitzen zwar in einem Boot, aber über den Kurs gibt es heftige Diskussionen. Sowohl künstlerisch als auch geschäftlich lebt sich die Band auseinander.

1970 geben die Beatles ihre Trennung bekannt und kündigen jeweils Solo-Aktivitäten an. Vor allem John scheint am Besten gerüstet für ein Leben nach den Beatles.

Schon 1966 spielt er in dem Film "Wie ich den Krieg gewann" und untermauert damit seinen Ruf als vielseitiges Talent und kreatives Genie, das sich für weit mehr als nur für Popmusik interessiert.

Entscheidend für seine Entwicklung ist die Begegnung mit Yoko Ono. Die beiden werden ein Paar und arbeiten auch künstlerisch zusammen: Happenings, Aktionen, Auftritte - John und Yoko probieren und toben sich auf vielen Bühnen aus.

Direkt mit der ersten gemeinsamen Platte "Two Virgins" sorgen die beiden für heftige Diskussionen. Und zwar nicht wegen der Musik. Die avantgardistischen Klangcollagen, die in nur einer Nacht aufgenommen wurden, interessieren die wenigsten. Wohl aber das Cover von "Two Virgins", auf dem Lennon und Ono splitterfasernackt zu sehen sind. Skandalös!

Doch Provokation nutzt sich schnell ab, und so versuchen Lennon und Ono, die Welt durch ihr Engagement ein kleines bisschen besser zu machen. Zum Beispiel durch das Konzept des "Bagism". Die Idee: Eingehüllt in einen Sack, der alle äußeren Merkmale nivelliert, soll die zwischenmenschliche Kommunikation viel besser und effektiver laufen, da man nicht mehr von Äußerlichkeiten abgelenkt wird und nur noch auf die Bedeutung der Worte achtet.

Lennon und Ono werden zum Vorzeigepaar der Friedensbewegung. Mit publikumswirksamen Aktionen versuchen sie, ihre Idee des Pazifismus zu verbreiten. Sie stellen weltweit Plakatwände auf und machen mit Songs wie "Happy X-mas (War Is Over)", "Give Peace A Chance", "Imagine" oder "Power To The People" klar, wo sie politisch stehen.

Sein Engagement bringt Lennon, der von seiner englischen Heimat nach New York übergesiedelt ist, viel Ärger ein. Die US-Regierung hält ihn für einen "Radikalen", das FBI überwacht ihn. Dazu kommen Alkohol- und Drogenexzesse sowie Eheprobleme. Lennon und Ono trennen sich, kommen später aber wieder zusammen.

Am 9. Oktober 1975 ändert sich so einiges in Lennons Leben. Er wird 35, sein Sohn Sean wird geboren - und er erhält endlich die lang ersehnte "Green Card", die ihm erlaubt, dauerhaft in den USA zu leben und zu arbeiten. Doch auf Arbeit und das Dasein als "Rockstar" hat Lennon gar keine Lust mehr.

Er nimmt Seans Geburt zum Anlass, das nachzuholen, was er bei seinem ersten Sohn Julian versäumt hat. Während der "Beatlemania"-Zeiten sah er diesen nur sporadisch, und wenn, war oft die Presse dabei - so wie auf diesem Bild. Um Sean will er sich so richtig kümmern und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Statt Akkorde wechselt er fortan Windeln, die großen Auftritte werden durch den Gang zum Spielplatz ersetzt.

Fünf Jahre hört und sieht man so gut wie nichts von Lennon, bis es ihn 1980 zurück ins Rampenlicht zieht. Im November erscheint das Comeback-Album "Double Fantasy", eine Welttournee soll 1981 folgen.

Doch dazu kommt es nicht. John Lennon wird am 8. Dezember von einem psychisch kranken Mann vor seinem Haus erschossen. Es herrschen Fassungslosigkeit und Trauer um den größten und bedeutendsten Star seiner Zeit, vielleicht sogar aller Zeiten. 40 Jahre ist das inzwischen her, doch Lennons Vermächtnis ist auch heute noch spürbar: musikalisch, gesellschaftlich, kulturell.

Stand: 01.10.2025, 15:30 Uhr