Als Hans Lange Rodríguez erfuhr, dass sein Restaurant mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, war er wie im Ausnahmezustand. "Mein Körper war da, aber meine Gedanken waren bei meinen Gästen und den vielen Jahren Arbeit", erzählt der in Bolivien geborene Koch im Interview. "Ein unglaublich schöner Moment."
Auszeichnung ist Teamleistung
Sein Restaurant "Teko by Lange Rodriguez" hat damit die wichtige Auszeichnung des international anerkannten Restaurantsführers Guide Michelin erhalten. Er sieht das als eine Teamleistung an. Momentan sind noch Betriebsferien, aber die Auszeichnung soll noch gemeinsam gefeiert werden. "Es ist keine persönliche Leistung“, betont Lange Rodríguez.
Wie viel Arbeit hinter einem Michelin-Stern steckt, ist im Restaurant von Lange Rodríguez allen bewusst. Jeden Morgen um neun Uhr trifft sich das Team in der Küche zum gemeinsamen Frühstück. "Wir sind eine kleine Familie“, sagt der Koch. Danach konzentriert sich das Team auf die Gäste: Sie sollen überrascht werden und die Liebe zum Detail auf dem Teller spüren.
Deutsche Zutaten mit südamerikanischem Twist
Hans Lange Rodríguez' Vater stammt aus Deutschland, seine Mutter aus Bolivien, wo er auch aufwuchs. Zuerst arbeitete er bei einer Bank. Erst danach kam der 42-jährige zum Kochen und machte aus der neuen Leidenschaft einen Beruf.
Heute steht er in Essen am Herd und serviert seine ganz persönliche Mischung aus beiden Welten. "Ich packe meine ganzen Gefühle, meine ganze DNA in einen Teller", erklärt er. Deutsche Zutaten verbindet er mit Schärfe und Aromen aus Südamerika. Sein Motto: "Zwei Kulturen, ein Geschmack."
Fisch-Gericht aus dem Sternerestaurant von Hans Lange Rodríguez
Das lässt sich auch in der Speisekarte finden. Zum Beispiel bei einem Gericht mit Lachs oder Saibling - Fisch, der in Deutschland sehr beliebt ist. Dazu kommen dann exotische Komponenten: Cupuaçu, eine in Südamerika verbreitete Frucht aus der Kakaofamilie, bringt fruchtige Säure und leichte Bitternoten ein. Die Idee dahinter: Menschen sollen bekannte Geschmäcker wiederentdecken, aber zugleich etwas Ungewohntes erleben.
Stern vom Guide Michelin: Traum und Verantwortung
Mit dem Michelin-Stern wächst allerdings nicht nur die Freude, sondern auch der Druck. Mehr Erwartung, mehr Aufmerksamkeit, mehr Konkurrenz mit anderen Häusern: All das kann die Arbeit in der Küche belasten.
Schon am Morgen nach der Bekanntgabe habe er mit seinem Team telefoniert, berichtet Hans Lange Rodríguez. Er empfindet die Auszeichnung als große Verantwortung: "Wir möchten immer weiter Gas geben. Nach oben gibt es immer Luft."
Was der Michelin-Stern für Köche bedeutet
"Für eine Sterne-Küche kochen zu können, ist der Traum von jedem Koch", sagt Lange Rodríguez. Der Guide Michelin gilt als einer der wichtigsten Restaurantführer der Welt. Seine Bewertungen haben großen Einfluss auf die Wahrnehmung und Auslastung von Häusern, können ganze Karrieren beflügeln - oder auch bremsen. Küchen und Betriebe richten sich oft nach den Maßstäben des Guides und versuchen, die eigenen Standards zu steigern.
Essen ist Kultur
Der Guide Michelin in Bolivien keine Restaurants, daher ist Hans Lange Rodríguez momentan der einzige gebürtige Bolivianer mit einem Michelin-Stern. Essen sei für ihn Kultur, sagt er und er freue sich, seinen Teil dazu beitragen zu können.
Kochen mit Liebe und Fermentation
In der Küche ist für den Sternekoch besonders eine Technik unverzichtbar: Fermentation. Dabei werden Lebensmittel mithilfe von Mikroorganismen gezielt verändert und entwickeln komplexe Aromen und oft auch eine bessere Haltbarkeit. Doch bei aller Technik, bei allen Verfahren und Plänen: Am Ende bleibt für den Essener Sternekoch ein anderer Punkt entscheidend. Man müsse "mit Liebe und mit dem Herz kochen", sagt er.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Hans Lange Rodríguez
Sendung: WDR 3, Resonanzen, 24.06.2026, 18.15 Uhr