Digitales Deutschlandticket auf Smartphone an einer Haltestelle auf dem Dorf und einem Hauptbahnhof

Deutschlandticket: Was spricht dafür und was dagegen?

Stand:

Der Preis des Deutschlandtickets im Nahverkehr soll im kommenden Jahr von derzeit 58 Euro auf 63 Euro im Monat steigen. Das haben die Verkehrsminister der Länder heute in München bei einer Sonderkonferenz entschieden. Worum geht es bei der Konferenz? Was spricht für das Ticket? Und was dagegen?

Von Catharina Coblenz, App-Reporterin im WDR NewsroomCatharina Coblenz

Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023 - und immer wieder sorgt es für Streit zwischen Bund und Ländern. Inzwischen wird es von rund 14 Millionen Menschen genutzt.

Bereits zu Jahresbeginn war der Preis von 49 auf 58 Euro angehoben worden. Jetzt wurde auf einer Sonderkonferenz der Verkehrsminister entschieden, dass das Deutschlandticket im kommenden Jahr 63 Euro kosten soll.

Worum geht es beim Streit um das Ticket?

Das Deutschlandticket sorgt für Einnahmeausfälle, da es im Vergleich zu bisherigen Abos günstiger ist. Trotz der Preisanhebung von 49 auf 58 Euro drohe 2026 eine Finanzierungslücke: Laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen von prognostizierten 800 Millionen Euro.

In den Jahren 2023 bis 2025 zahlten Länder und Bund jeweils 1,5 Milliarden Euro, um Einnahmeausfälle bei den Verkehrsbetrieben auszugleichen. Diese Summe reicht aber nicht aus.

Was steht im Koalitionsvertrag?

Die Länder werfen dem Bund vor, sich nicht an den Koalitionsvertrag zu halten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte mehrfach erklärt, dass der Bund keine weiteren Gelder über die zugesagten 1,5 Milliarden Euro hinaus zur Verfügung stellt. Auch die Bundesmittel in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, die bisher zur Verfügung stehen, hat der Bund bisher nur für 2026 zugesagt.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD jedoch vereinbart, das Deutschlandticket fortzuführen. Außerdem habe die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag Preisstabilität bis 2029 verankert, erklärt NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).

"Es ist das Gegenteil von verantwortungsvoller Politik, erst Preisstabilität zu versprechen und sich dann, wenn es konkret wird, aus dem Staub zu machen." Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister

Was spricht für das Deutschlandticket?

Abgesehen von den Problemen rund um die Finanzierung gehen auch die Meinungen über Sinn und Nutzen des Deutschlandtickets weit auseinander.

WDR-Wirtschaftsredakteur Carsten Schabosky hält das Deutschlandticket weiterhin für eine gute Idee. "Es ist das Versprechen für klimafreundliche Mobilität - für alle!", sagt er. Seiner Meinung nach hat das Ticket "Pendler entlastet, den Nahverkehr attraktiver gemacht und Bürokratie abgebaut."

"Mobilität darf kein Luxus sein - aber sie hat ihren Preis." WDR-Wirtschaftsredakteur Carsten Schabosky

Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherzentrale, ist grundsätzlich auch für das Deutschlandticket. Im Vorfeld der Konferenz betonte sie, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag einen stabilen Preis für das Deutschlandticket bis 2029 zugesagt hat. "Eine erneute Preiserhöhung wäre ein weiterer Wortbruch", sagte sie.

"Bund und Länder müssen endlich einen Finanzierungsplan vorlegen - für einen stabilen Ticketpreis von 58 Euro." Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherzentrale

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen fordert mehr Verlässlichkeit. Die Diskussion über die Existenz des Tickets "alle paar Monate" führe nicht dazu, dass Fahrgäste dauerhaft bereit seien, auf den ÖPNV umzusteigen, erklärt Geschäftsführer Alexander Möller im rbb. "Und das bedeutet gleichzeitig: Wir haben keine Planungssicherheit."

Was spricht gegen das Deutschlandticket?

Prof. Dr. Christian Böttger

Christian Böttger, Bahnexperte

Christian Böttger ist Professor für Industrial Marketing, Verkehrswesen und Eisenbahn an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er sagt, dass die Länder anfangs nicht seriös kalkuliert haben, wie viele Einnahmeverluste das Deutschlandticket mit sich bringen wird. Und er kritisiert, dass es bis heute keine Einigung darüber gibt, wie diese Verluste ausgeglichen werden sollen.

"Für mich ist es eigentlich jämmerlich, dass man in so eine Situation reingeht, ohne dass man vorher klare Absprachen trifft." Christian Böttger, Bahnexperte

Über die politische Diskussion hinaus sieht Böttger auch das Deutschlandticket selbst kritisch. "Die Zahl der Leute, die neu dazugekommen sind, ist sehr gering", sagt er. Und wegen des Deutschlandtickets vom Auto auf die Bahn umgestiegen, seien nur ganz wenige Menschen. Stattdessen gebe es viel mehr zusätzliche Fahrten, erklärt er. "Also Verkehr, der ansonsten gar nicht stattgefunden hätte."

Jede Mobilität, auch der Bahnverkehr, verursache jedoch einen ökologischen Fußabdruck. Daher wirke das Deutschlandticket eigentlich "gegen alle verkehrspolitischen Grundprinzipien, denen sich Deutschland verbunden fühlt", sagt Böttger.

Deutschland-Ticket: "Ist als Ansatz falsch"

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.09.2025 05:56 Min. Verfügbar bis 18.09.2026 WDR 5


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WDR-Redakteur Volker Schaffranke kritisiert, dass das Deutschlandticket eigentlich nur denen etwas bringt, die schon vorher ein Abo hatten. Im ländlichen Raum würde es nicht genutzt, weil "da der Bus nur zweimal am Tag kommt". Und auch Pendler haben laut Schaffranke mehr Nachteile als Vorteile durch das Ticket.

"Dass ist ein Taschenspieler-Trick, keine Verkehrswende." WDR-Redakteur Volker Schaffranke

Er sagt: "Was will ich als Pendler? Pünktliche Züge, attraktive Verbindungen, ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Was habe ich? Volle Bahnen, tägliche Verspätungen und fehlende Verbindungen." Pendler wären also besser bedient, wenn das Geld dafür eingesetzt würde, den Bahnverkehr zu verbessern und nicht für "das schlecht gemachte und nicht durchdachte Deutschlandticket."

Pro-Contra-Gespräch zum Deutschlandticket

WDR Studios NRW 18.09.2025 03:51 Min. Verfügbar bis 18.09.2027 WDR Online


Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Interview mit Bahnexperte Christian Böttger
  • Kommentar von WDR-Wirtschaftsredakteur Carsten Schabosky
  • Kommentar von WDR-Redakteur Volker Schaffranke
  • Statement von Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands

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