Mehr Mädchen werden wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelt
Stand:
2023 wurden doppelt so viele 10- bis 17-Jährige wegen Essstörungen behandelt wie vor 20 Jahren.
Von Lena Sterz
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Zu den Kommentaren [2]Sie war gerade 13, als sie das erste Mal wegen einer Esstörung in der Uniklinik Köln behandelt werden musste. "Ich kann mich noch gut an sie erinnern, weil man bei ihr wirklich sieht, dass man langfristig dranbleiben muss", erzählt Professor Stephan Bender, ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychatrie Köln. "Sie konnte zunächst entlassen werden, musste jedoch später erneut stationär aufgenommen werden. Anschließend erfolgte die Weiterbehandlung Zuhause und der Bezug einer spezialisierten Wohngruppe. Heute ist sie volljährig und hat eine stabile Persönlichkeit entwickelt," fasst Bender ihre Geschichte zusammen.
Mit 13 Jahren ist sie nicht die jüngste Patientin, die wegen Magersucht behandelt wird. "Wir haben auch Zehnjährige, die wir stationär aufnehmen müssen," berichtet Bender. Nicht untypisch für die aktuelle Entwicklung: Wenn man die Statistiken aller Altersgruppen berücksichtigt, ist die Zahl der Menschen mit Essstörungen in Krankenhäusern in den letzten 20 Jahren ungefähr gleich geblieben. Aber bei den 10- bis 17-Jährigen waren es 2023 doppelt so viele wie 2003.
Magersucht am häufigsten
Die meisten der Mädchen werden wegen Magersucht behandelt, gefolgt von Bulimie, der Ess-Brech-Sucht. Bei Essstörungen sind mehr als 90 Prozent der Betroffenen weiblich. Und fast die Hälfte der stationär Behandelten sind inzwischen zehn bis 17 Jahren alt. Während viele Diagnosen wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit bei Jugendlichen rückläufig sind, nahmen Behandlungen wegen Essstörungen in NRW seit 2019 um etwa 55 Prozent zu.
Experten sehen als Gründe für den Anstieg bei Essstörungen unter anderem sozialen Druck, Schönheitsideale in sozialen Medien und psychische Belastungen in der Pandemie. Eltern sollten Warnsignale wie verändertes Essverhalten oder extreme Beschäftigung mit Figur und Gewicht ernst nehmen und frühzeitig Hilfe suchen.
"Die Pandemie hat da noch einmal einen Schub gegeben", sagt Stephan Bender. "Die Zahlen gingen anschließend allerdings nicht zurück, denn auch schon vor der Pandemie gab es einen Anstieg und eine Verschiebung in ein jüngeres Lebensalter." Die Ursachen sieht er unter anderem in den sozialen Medien.
Herausforderungen im Alltag und Einfluss digitaler Medien
"Es gibt wenig Möglichkeiten in diesem Alter dem sozialen Druck zu entfliehen," meint Bender. Bei den Betroffenen engten sich die Themen immer stärker auf Figur, Gewicht und Essverhalten ein. Der Selbstwert werde häufig fast ausschließlich über Leistung und äußere Erscheinung definiert.
Neue Therapieansätze: Home Treatment und familienbasierte Therapie
2023 waren Betroffene im Schnitt mehr als 50 Tage im Krankenhaus. Um diese Zeit zu verkürzen, legen viele Kliniken wie die Uniklinik Köln inzwischen stärker den Fokus auf die Einbindung der Familie. Der sogenannte familienbasierte Ansatz wird unter anderem in Köln und Aachen intensiv verfolgt. "Home Treatment" ermöglicht eine frühere Entlassung aus der Klinik und die Fortsetzung der Behandlung im vertrauten Umfeld zuhause durch multiprofessionelle Teams. "Wir können dadurch deutlich früher entlassen," berichtet Bender.
Grenzen und Chancen der Heimbehandlung
Nicht jede Familie könne diese Verantwortung übernehmen. "Es gibt Familien, die mit der Schwere des Störungsbildes überfordert sind", erzählt Bender. Home Treatment sei kein Ersatz für jeden stationären Aufenthalt, sondern eine wichtige ergänzende Therapiestrategie. Der Ansatz biete jedoch große Chancen, nachhaltige Therapieerfolge zu erzielen, wenn die Verankerung zuhause stark ist.
Unsere Quellen:
- Statistisches Bundesamt
- Nachrichtenagenturen AFP und KNA
- WDR-Interview mit Prof. Stephan Bender, Uniklinik Köln
Über dieses Thema haben wir am 11.08.2025 auch im WDR Hörfunk berichtet: WDR aktuell ab 10 Uhr, etwa auf WDR 2 und WDR 5.
2 Kommentare
Kommentar 2: Janno schreibt am 12.08.2025, 09:08 Uhr :
Schuld ist auch unsere Esskultur und die damit verbundene Volkskrankheit Adipositas. Das Essen in Supermärkten besteht fast nur aus Fett und Zucker, will man etwas nahrhaftes essen muß man selbst kochen oder ein Vermögen ausgeben. Teenager können in der Regel beides nicht. Sie essen so wie man es ihnen vorlebt, nehmen dadurch zu viel zu und wissen keinen anderen Weg als die zu viel aufgenommenen Kalorien mit den für Magersucht typischen Methoden wieder loszuwerden.
Kommentar 1: Franziska 1 schreibt am 11.08.2025, 20:28 Uhr :
Das große Problem weil Teens unter Magersucht usw. leiden, sind die vielen Influenzer die sich in sozialen Medien erlaubt breit machen. Der Beauty- Wahn beeinflusst unsere Teenager enorm. Ich habe gelesen mit 14Jahren schon gefällt ihnen ihre Nase, der Mund und Busen nicht mehr, sie wollen ausschauen wie ihre Idole. Das großzügige Digital hat es nun endgültig geschafft unsere jungen Mädchen psychisch krank zu machen. Viele erwachsene Promis sollten sich schämen mit Schönheits -Werbung und Hungerkost auf unsere Jugend einzuwirken. Da gibt es einige die sich noch dabei bereichern ohne Gewissensbisse zu haben, bei Shows. Wer kann die Jugend davor schützen, doch nur die Familie. Wenn die Mutter aber selbst Dauergast beim Schönheitschirurgen ist, dann wird sie der Tochter nicht dagegen sprechen. Davon gibt es viele Reality -Stars bei Tim Tok und Instragram. Die Politik kann kaum was dagegen tun, wegen der Selbstbestimmung? Pandemie war schuld? Nein, der Wahn war schon X-Jahre zuvor!