Massiver Stromausfall in Berlin | WDR aktuell 02:43 Min. Verfügbar bis 05.01.2028

Reul zu Stromausfall: "Wir können nicht überall Polizisten hinstellen"

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Nach einem Anschlag sind Zehntausende Berliner ohne Strom: Auch in NRW sei die Infrastruktur angreifbar, sagt Innenminister Reul im WDR-Interview.

Im Südwesten von Berlin war am Samstagmorgen in weiten Teilen der Strom ausgefallen. In dem Gebiet sind am Montag immer noch rund 30.000 Haushalte und etwa 1.700 Gewerbekunden von der Energieversorgung abgeschnitten. Auslöser des Blackouts war ein offenbar linksextremistischer Anschlag auf Stromkabel.

Auch in NRW sei die Infrastruktur angreifbar, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montagmorgen im Interview mit WDR 2.

Interview mit Herbert Reul zum Stromausfall in Berlin WDR Studios NRW 05.01.2026 03:20 Min. Verfügbar bis 05.01.2028 WDR Online

WDR: Herr Reul, könnte ein Anschlag auf das Stromnetz wie jüngst in Berlin auch bei uns passieren?

Herbert Reul | Bildquelle: dpa/Federico Gambarini

Herbert Reul: Ja klar. Da muss man ehrlich sein, das sagen wir auch seit Monaten: Wir haben eine Infrastruktur, die angreifbar ist. Wir haben über viele Jahre das Thema auch nicht ernst genommen. Wir haben sogar vor lauter "Transparentitis" alles schön öffentlich gemacht, wo genau welcher Knotenpunkt ist, wo genau welche Stromverbindung ist - alles transparent und öffentlich. Das steht jetzt zur Verfügung für alle, die stören wollen.

WDR: In Berlin hat sich die linksextreme "Vulkan"-Gruppe zu dem Anschlag bekannt. Gibt es Anzeichen, dass die auch bei uns aktiv ist?

Reul: Wir haben auch bei uns im letzten Jahr 13 oder 14 Anschläge gehabt. Wobei man nicht genau weiß, ob das immer Linksextreme waren, ob es geplant war oder es sich einfach um Zerstörungswut handelte. Aber linksextremistische Gruppen waren teilweise beteiligt. Das ist ganz sicher.

Es sind dabei nicht nur geplante, organisisierte Veranstaltungen, sondern - ich sag' das ein bisschen salopp - "Mitmachveranstaltungen". Das heißt, im Netz wird für solche Gedanken geworben. Nach dem Motto: "Mach mit, du kannst dich auch daran beteiligen." Darum ist es ungeheuer schwer, die zu ermitteln.

WDR: Sie haben es angesprochen, wir hatten zum Beispiel einen Brandanschlag auf die Bahnstrecke Düsseldorf-Duisburg. Nun sagen Sie: Wir sind da nicht gut aufgestellt. Was braucht es denn?

Reul: Es braucht zunächst die Erkenntnis, dass es ein Problem gibt. Damit fängt es immer an. Zweitens braucht es einen Rahmen: Wir sind gerade dabei, das KRITIS-Dachgesetz zu verabschieden, das den Schutz kritischer Infrastrukturen stärken soll.

Dann werden die Betreiber alle selber auch Verantwortung übernehmen müssen. Wenn jemand teure Bagger im Hof stehen hat, baut er ja auch eine Videoanlage auf. Und Firmen schützen sich ja auch gegen Angriffe aus dem Netz. So wird man das jetzt auch an solch kritischen Stellen machen müssen.

Aber 100 Prozent Sicherheit wird es nie geben. Das gehört auch zur Wahrheit dazu. Wenn Sie sich allein die Bahnkilometer anschauen: Wir können ja nicht überall einen Polizisten hinstellen.

Das Interview führte Sabine Heinrich.

Für die Online-Version wurde das Gespräch gekürzt und sprachlich bearbeitet.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Herbert Reul bei WDR 2

Sendung: WDR 2, Das Morgenmagazin, 05.01.2026, 8 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 05.01.2026, 12.45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Peter Herwig 07.01.2026, 08:36 Uhr

    Wie wärs, wenn man doch einmal versuchen würde, nach 15-jährigen Aktivitäten dieser Verbrechergruppe, Ermittlungen zu betreiben?

  • 07.01.2026, 00:20 Uhr

    Name und Kommentar wg. Netiquette-Verstoßes gesperrt. (die Redaktion)

  • 07.01.2026, 00:14 Uhr

    Name und Kommentar wg. Netiquette-Verstoßes gesperrt. (die Redaktion)