Fortschritt durch Fußfessel: Mehr Sicherheit für Frauen
Aktuelle Stunde . 19.11.2025. 24:28 Min.. UT. Verfügbar bis 19.11.2027. WDR. Von Anne Bielefeld.
Häusliche Gewalt: Elektronische Fußfessel für Täter soll kommen
Stand:
Alle zwei Minuten wird ein Mensch in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. Elektronische Fußfesseln sollen jetzt helfen, die Zahl zu senken.
Von Sascha Wandhöfer
Noch nie hat es in Deutschland so viele Fälle häuslicher Gewalt gegeben wie 2024. Das Bundeskriminalamt hat für das Jahr 171.000 Betroffene gezählt - fast 80 Prozent davon Frauen. Bei Opfern bleibt oft die Angst: Was, wenn es wieder passiert? Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Opfer besser zu schützen - darunter die elektronische Fußfessel.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Familiengerichte die elektronische Fußfessel für so genannte "Hochrisikofälle" anordnen können - für eine begrenzte Dauer. So könnten die Gewalttäter sich zum Beispiel nicht unbemerkt der Wohnung der Opfer nähern. Außerdem können die Betroffenen, wenn sie wollen, einen GPS-Tracker bekommen, der anzeigt, wenn sich ein Täter nähert. Gleichzeitig wird dann die Polizei alarmiert.
In NRW werden schon Fußfesseln eingesetzt - Vorbild Spanien
Diese Regelung zur Überwachung von Gewalttätern heißt das "spanische Modell", weil sie in Spanien bereits seit 2009 gilt. Laut Bundesfamilienministerium ist dort seitdem keine so geschützte Frau mehr Opfer eines Femizides, also eines Frauenmordes, geworden. Allerdings gibt es in Spanien zusätzlich auf häusliche Gewalt spezialisierte Gerichte.
Das "spanische Modell" wird seit März auch in NRW angewendet. Im August trugen drei Täter eine Fußfessel und neun Personen hatten einen GPS-Tracker - darunter Opfer und ihre Kinder. Bis Ende des Jahres plant das Land NRW weitere Verschärfungen. So soll die Fußfessel zum Beispiel auch bei partnerschaftlicher Gewalt angewendet werden können - also nicht nur, wenn Täter und Opfer zusammenwohnen.
Zweifel an Wirksamkeit
Es gibt aber auch Zweifel daran, wie wirksam die elektronische Fußfessel ist. So zeigte sich Dorothea Hecht vom Verein "Frauenhauskoordinierung" im August im WDR skeptisch wegen der hohen verfassungsrechtlichen Hürden. Sie befürchtet, dass die Fußfessel daher in der Praxis nur selten zum Einsatz kommen könnte. Zudem fürchten Kritiker, dass es zu lange dauern könnte, bis Gerichte eine elektronische Fußfessel anordnen könnten.
Die Reform des Gewaltschutz-Gesetzes sieht vor, dass Familiengerichte Täter nach einer Körperverletzung oder einer Androhung von Gewalt dazu verpflichten können, an einem sozialen Trainingskurs oder einer Gewaltpräventionsberatung teilzunehmen. Und: Wenn Täter gegen Anordnungen verstoßen, wird ihre Strafe erhöht.
Unsere Quellen:
Über das Thema berichten wir auch im WDR Hörfunk im Mittagsmagazin auf WDR 2 und bei WDR Aktuell.