Den Brauch Weiberfastnacht gibt es schon seit dem 14. Jahrhundert: Am Donnerstag vor Aschermittwoch luden damals Städte verheiratete Frauen, Witwen und Töchter zu Festmahlen ein. Daraus entstanden ausgelassene Frauen-Umzüge und Zechgelage ohne Männer. Der Brauch entwickelte sich weiter und wurde nicht nur im städtischen, sondern auch im ländlichen Bereich begangen.
Belegt ist eine Feier im Kölner Benediktinerkloster St. Mauritius, wo Nonnen sich 1729 als Geistliche verkleidet und getanzt haben. Auch für den Alter Markt in Köln gibt es eine Beschreibung von 1810: Die Händlerinnen rissen mit dem Schlachtruf "Mötzenbestot" den Männern die Mützen und Hüte vom Kopf.
Mitten im Geschehen - unser Live-Ticker zu Weiberfastnacht 2026:
Der Beginn des organisierten Karnevals im Rheinland vor etwa 200 Jahren hat auch die Weiberfastnacht geprägt. 1824 begannen die Wäscherinnen von Bonn-Beuel, sich gegen Ausbeutung, Fehltritte von Männern und deren Karnevals-Eskapaden zu wehren. Aus ihren rebellischen Treffen entwickelten sich Traditionen, die viel mit Symbolik zu tun haben. Zum Beispiel das Stürmen von Rathäusern oder das Krawatteabschneiden.
Hier kurz erklärt zum Mitreden und Aufrischen von jeckem Wissen:
Die Rathaus-Stürmung
Eine Weiterentwicklung aus der Beueler Weiberfastnacht ist der Sturm auf das Rathaus, der sich auch in anderen Städten im Rheinland und in anderen Teilen von NRW verbreitet hat. Dabei geht es um die symbolische Übernahme der ehemals männer-dominierten Politik: "Alte Weiber" erstürmen die Rathäuser und bringen sie für einen Tag in ihre Hand.
Möhnensturm auf das Rathaus in Düsseldorf
Es haben sich unterschiedliche karnevalistische Gruppen unter Frauen gebildet, die auch Möhnenvereine genannt werden. Der Begriff Möhn bezeichnet ursprünglich jede ältere verheiratete Frau oder wurde abwertend für ältere unverheiratete Frauen benutzt. 1949 fand bei der Ratshaus-Erstürmung in Bonn zum ersten Mal eine Schlüsselübergabe statt. 1958 trat erstmals eine Wäscherprinzessin auf.
Das Krawatte-Abschneiden
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Früher trugen viele Männer Krawatte, die als ein Ausdruck von Status und Macht galt. Deshalb machen sich Frauen bis heute einen Spaß daraus, an Weiberfastnacht Krawatten abzuschneiden - auch wenn das nicht alle Männer lustig finden.
Krawatte-Abschneiden: Das mögen nicht alle Männer
Für Männer, die sich darüber ärgern, hat der Düsseldorfer Rechtsanwalt Philipp Hammerich die Angelegenheit mal rein rechtlich betrachtet. Das Abschneiden von Krawatten sei nicht erlaubt: "Gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) stellt diese Handlung eine Eigentumsverletzung dar", schreibt er auf der Internet-Seite bussgeldkatalog.org.
Prinzipiell sei sowohl eine Geldstrafe als auch eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren möglich. Doch wer in Karnevalshochburgen Schadenersatzforderungen stellen möchte, habe schlechte Karten, so Rechtsanwalt Hammerich. Im Rheinland sei es zur gängigen Rechtsprechung geworden, das Tragen einer Krawatte an Weiberfastnacht als stillschweigende Einwilligung zu werten.
Unsere Quellen:
- Informationen des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte
- Informationen der Stadt Bonn
- Informationen von Rechtsanwalt Philipp Hammerich
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR Hörfunk, WDR 2, 12.02.2026, 11.11 Uhr