Einigung Israel-Hamas: Die Geiseln kommen frei!
Aktuelle Stunde . 09.10.2025. 43:33 Min.. UT. Verfügbar bis 09.10.2027. WDR. Von Alexander Roettig.
Hoffnung auf Frieden: Was wir über die israelischen Geiseln wissen
Stand:
Die letzten Geiseln im Gazastreifen sollen bald freikommen. Was geschah seit dem 7. Oktober 2023 mit ihnen? Eine Chronologie.
In den Morgenstunden des 7. Oktober 2023 startete die islamistische Terrororganisation Hamas einen Großangriff auf Israel. Schwer bewaffnete Terroristen drangen zu Lande, mit Gleitschirmen aus der Luft und über das Meer in israelisches Staatsgebiet ein. Die Kämpfer richteten mit 1.200 Toten das schwerste Massaker an israelischen Zivilisten seit der Staatsgründung 1948 an.
Mehr als 250 Menschen wurden damals in den Gazastreifen verschleppt. Aktuell werden noch 48 Geiseln vermisst, nur rund 20 der Entführten sind nach israelischen Informationen noch am Leben. Die Geiseln werden unter grausamen Bedingungen festgehalten.
Kurz nach dem zweiten Jahrestag der Hamas-Offensive gibt es nun Hoffnung für die verbliebenen Geiseln. In der Nacht zu Donnerstag stimmten Israel und die Hamas zu, die erste Phase des US-Friedensplans umzusetzen. Alle verbliebenen Geiseln sollen demnach innerhalb weniger Tage freikommen. Im Gegenzug sollen fast 2.000 Palästinenser aus israelischer Haft entlassen werden. Außerdem soll Israel seine Truppen auf eine vereinbarte Linie zurückziehen.
Was ist seit dem Hamas-Überfall mit den Geiseln geschehen? Eine Chronologie ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
2023: Großangriff der Hamas, Kämpfe in Gaza und ein großer Gefangenenaustausch
Unmittelbar am Tag des Großangriffs fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe auf den Gaza-Streifen. Neben der Zerschlagung der Hamas ruft Israel die Befreiung der Geiseln als eines seiner Kriegsziele aus. Trotz der großen Zahl der Todesopfer, besonders unter der palästinensischen Zivilbevölkerung, lehnt die Hamas Forderungen nach der Freilassung der Geiseln zunächst ab.
Erst Ende Oktober werden vier Frauen freigelassen, eine Soldatin kann befreit werden. Ende November kommt unter internationaler Vermittlung eine mehrtägige Waffenruhe zustande: 105 israelische Geiseln kommen nach Hause, im Gegenzug werden 240 Palästinenser aus israelischer Haft entlassen.
Auch nach der Wiederaufnahme der Kämpfe in Gaza bemühen sich die israelischen Streitkräfte, Geiseln aufzuspüren und zu befreien. Im Dezember scheitert eine solche Rettungsaktion auf tragische Weise: Drei Geiseln werden irrtümlich für Feinde gehalten und erschossen.
In der israelischen Öffentlichkeit sorgt die missglückte Militäraktion für Entsetzen: Immer wieder kommt es zu Demonstrationen, bei denen die Angehörigen der Geiseln und ihre Unterstützer ein Ende der Kämpfe und einen Deal mit der Hamas zur Freilassung der Verschleppten fordern.
Ebenfalls im Dezember stoßen israelische Soldaten in einem Tunnel im Gazastreifen auf fünf tote Geiseln. Zuvor war bereits eine Militäraktion zur Rettung eines Mannes aus der Gewalt der Entführer gescheitert - die Geisel konnte nur tot geborgen werden.
2024: Immer mehr tote israelische Geiseln, Verhandlungen stocken
Israel erwirkt im Januar nach eigenen Angaben, dass im Gegenzug zur Lieferung von Medikamenten nach Gaza auch die Geiseln medizinische Hilfe erhalten. Kurz darauf erklärt die Hamas, sie habe keine Informationen über den Verbleib vieler israelischen Geiseln. Vermutlich seien viele von ihnen bei den Angriffen der Israelis ums Leben gekommen. Konkret wisse man von zwei toten Geiseln, denen es so ergangen sei, teilt die Hamas mit. Überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Im Februar meldet Israel selbst den Tod zahlreicher Geiseln: Die 29 Zivilisten und zwei Soldaten sollen nach Informationen israelischer Geheimdienste zum großen Teil bereits am 7. Oktober getötet worden sein. Es gebe außerdem noch unbestätigte Hinweise, dass mindestens 20 weitere Verschleppte nicht mehr am Leben sind. In Israel fordern bei Demonstrationen Tausende ein Ende der Kämpfe und die Freilassung der Geiseln. In Rafah kann die israelische Armee zwei Geiseln befreien. Gleichzeitig behauptet die Hamas, drei Verschleppte seien israelischen Luftangriffen zum Opfer gefallen
Im März berichtet die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, es gebe "klare und überzeugende Informationen", dass einige der von der Hamas als Geiseln gehaltenen Frauen und Kinder vergewaltigt und sexualisierter Folter ausgesetzt worden seien.
Im Mai macht US-Präsident Joe Biden einen israelischen Vorschlag für einen Geisel-Deal öffentlich: Auf eine sechswöchige Feuerpause soll ein dauerhafter Waffenstillstand folgen. Und schließlich der Wiederaufbau des Gazastreifens. "Es ist Zeit, dass dieser Krieg endet", sagt Biden. Der Plan kommt nicht zustande - ebenso wie vorangegangene Pläne der Hamas, die Geiseln gegen eine hohe Zahl palästinensischer Häftlinge auszutauschen.
Mitte Mai meldet Israel, dass die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk entdeckt wurde. Außerdem werden drei weitere Geiseln tot aufgefunden, die wie Louk während der Hamas-Invasion auf dem Gelände eines Techno-Festivals entführt wurden.
Erst im Juni kann die israelische Armee wieder einen Erfolg vermelden: Eine Frau und drei Männer werden aus der Gewalt der Hamas befreit, wenig später noch eine männliche Geisel. Im August und September werden außerdem jeweils sechs Leichen von Entführten entdeckt. Nach israelischen Angaben sollen die Männer und Frauen kurz vor dem Eintreffen der Armee noch am Leben gewesen sein.
2025: Waffenstillstand scheitert, Hoffnung auf US-Friedensplan
Im Januar häufen sich Meldungen über einen bevorstehenden Durchbruch bei den Verhandlungen. In der ersten Phase einer Waffenruhe sollen demnach innerhalb von sechs Wochen 33 israelische Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge freikommen.
Tatsächlich werden zunächst drei Frauen, dann vier Soldatinnen in die Freiheit entlassen, Ende Januar folgen erneut zwei Geiseln und fünf ebenfalls am 7. Oktober entführte thailändische Staatsangehörige. Im Februar gibt es weitere Freilassungen, dann stoppt die Hamas den Austausch und begründet dies mit Verletzungen des Abkommens durch Israel.
Die Geisel Eli Scharabi wird von Hamas-Kämpfern vorgeführt
Erst im Mai wird wieder eine lebende Geisel befreit, diesmal als Ergebnis einer Vereinbarung der Hamas mit den USA - es handelt sich um den letzten Verschleppten mit US-amerikanischem Pass. Die Verhandlungen zwischen der Hamas und Israel über die Geiselfrage sind derweil ins Stocken gekommen. Israel lehnt es mittlerweile kategorisch ab, die Angriffe auf Gaza für einen Austausch einzustellen oder zu pausieren.
Israelis demonstrieren gegen den Kriegskurs
Nach einigen Monaten, in denen nur wenige Geiseln tot geborgen wurden, veröffentlicht die Hamas Propagandavideos, in denen zwei Verschleppte in sehr schlechtem körperlichen Zustand zu sehen sind. Nach wie vor lehnt die israelische Regierung einen weiteren "Deal" mit der Hamas zugunsten der Geiseln ab. Mittlerweile demonstrieren in Tel Aviv und anderen israelischen Städten Hunderttausende gegen den Kriegskurs der Regierung. Es wird angenommen, dass nur noch höchstens 22 Geiseln am Leben sind.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, RTR, afp und AP
- Beitrag der Deutschen Welle vom 09.11.2023
- Landeszentrale für politische Bildung B-W
- Beitrag der Tagesschau vom 15.01.2025