Nürnberger Zoo tötet Paviane
Aktuelle Stunde . 29.07.2025. 31:06 Min.. UT. Verfügbar bis 29.07.2027. WDR. Von Cengiz Ünal.
Nach Pavian-Tötung in Nürnberg: Wie halten es NRW-Zoos?
Stand:
Am Dienstagnachmittag kam die Nachricht, die viele schon erwartet und zum Teil befürchtet hatten: Der Tiergarten Nürnberg hat trotz Protesten von Tierschützern zwölf Paviane getötet, weil im Gehege zu wenig Platz war. Der Zoo-Direktor erhielt im Anschluss zahlreiche Morddrohungen.
Von Lars Faulenbach
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Zu den Kommentaren [47]Nach der Tötung der Tiere kamen per Post und Mail etliche Drohungen gegen den Direktor des Zoos Dag Encke in Nürnberg an. In den sozialen Medien finden sich außerdem Dutzende weitere unspezifische Morddrohungen gegen ihn. Zehn seien konkret und zur Anzeige gebracht worden, teilte der Zoo Nürnberg mit.
Das bayerische Polizeipräsidium Mittelfranken prüfe sogar rund 170 Zuschriften auf strafrechtliche Inhalte. Diese seien aus ganz Deutschland eingetroffen und richten sich teils auch gegen den stellvertretenden Direktor sowie die Mitarbeitenden des Tiergartens.
Bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sind mittlerweile außerdem rund 350 Anzeigen wegen der Tötung der zwölf Paviane eingegangen.
Tiergarten Nürnberg nennt Tötung "alternativlos"
Zoodirektor Dag Encke hatte, wie er sagte, keine Alternative mehr zu der Tötung der Tiere gesehen. Alle Möglichkeiten, die Größe der Gruppe zu begrenzen - etwa durch Verhütung oder durch die Abgabe von Tieren an andere Zoos oder Auffangstationen - seien gescheitert. Auch eine weitere Vergrößerung des Geheges kam demnach nicht in Frage.
Auch Zoos in NRW müssen "Überbevölkerung" managen
Vor dem Problem, dass Tiergruppen zu groß für ihr Gehege werden, stehen auch die Zoos in NRW, so Michael Rolfs, stellvertretender Direktor des Naturzoos in Rheine: "Professionell ist es richtig, dass sie in einer Population zu viele Tiere haben, das ist in der Natur auch so. Dort gibt es allerdings eine natürliche Selektion."
Durch Raubtiere, Krankheiten und Nahrungsmangel werden Tierpopulationen in der Natur unter Kontrolle gehalten. In Gefangenschaft muss das der Mensch tun, findet Rolfs. Bei Huftieren sei das auch akzeptiert.
In Rheine werden getötete Tiere an Raubtiere verfüttert
Der Naturzoo Rheine schießt und schlachtet zum Beispiel überzählige Antilopen-Böcke und verfüttert sie dann an die Raubtiere: "Da wird ein Tier, das anderthalb Jahre ein super Leben hatte und gutes Futter bekommen hat, getötet und etwa an einen Tiger verfüttert. Nachhaltiger und artgerechter geht es nicht."
Ähnlich wird es auch im benachbarten Allwetterzoo in Münster gehandhabt. Dort werden zum Beispiel Kaninchen, Meerschweinchen oder Ziegen geschlachtet - seltener auch Gnus oder Wasserböcke - und an Raubtiere verfüttert, schreibt der Zoo: "Wir sehen den Vorteil darin, dass die Tiere hier bis zu ihrem Tod ein art- und bedürfnisgerechtes Leben geführt haben und auch am Ende ihres Lebens keinen Transportstress oder Ähnliches hatten."
Wuppertaler Zoodirektor will Tieren nicht die Sexualität nehmen
Auch der Direktor des Wuppertaler Zoos, Arne Lawrenz, sieht das so. Der Zoo in Wuppertal geht schon lange offen mit dem Fakt um, dass zum Beispiel die Ziegen aus dem Streichelzoo irgendwann als Zoofutter enden.
Denn in den Zoo-Gehegen könne eine Überbevölkerung nur vermieden werden, wenn einzelne Tiere getötet würden. Denn nicht immer gebe es die Möglichkeit, überflüssige Tiere abzugeben. Verhütung kommt für Lawrenz nicht in Frage: "Ich kann ein Tier nicht guten Gewissens einsperren, wenn ich ihm einen seiner wichtigsten Triebe nehme, nämlich die Sexualität." Das sei häufig auch für die Funktion der einzelnen Tiergruppen wichtig.
Tierschützer kritisieren Zuchtprogramme der Zoos
Tierschützer hingegen kritisieren die Zuchtprogramme der Zoos. Diese würden über den Bedarf züchten, sagt zum Beispiel James Brückner vom Tierschutzbund: "Wenn ein Zoo zu viele Tiere einer Art züchtet, obwohl eine Auswilderung nicht möglich ist, und dass darin gipfelt, dass Tiere getötet werden, hat das mit Artenschutz nichts mehr zu tun.
Der Dortmunder Zoo hingegen betont, dass genau wegen der Aufgabe, bedrohte Arten zu schützen und die Biodiversität zu erhalten, es manchmal notwendig sei, einzelne Tiere zu töten. Dies sei alternativlos, wenn Tiere, die für die Zucht nicht mehr notwendig seien, nicht mehr artgerecht untergebracht werden könnten. In diesen Fällen passiere das auch im Dortmunder Zoo.
Quellen:
- Tiergarten Nürnberg
- Allwetterzoo Münster
- Zoo Dortmund
- Interview Michael Rolfs, Naturzoo Rheine
- Interview Arne Lawrenz, Zoo Wuppertal
- Interview James Brückner, Tierschutzbund
- Nachrichtenagentur dpa
47 Kommentare
Kommentar 47: Regina schreibt am 31.07.2025, 19:06 Uhr :
Mir kommt die Galle hoch....und das nennt sich Zoo?Es ist unfassbar, das Menschen sich alles erlauben dürfen .Ich sag schon immer =Tiere sind die besseren Menschen.
Kommentar 46: Brigitta S. schreibt am 31.07.2025, 16:50 Uhr :
Am 31. Juli, also heute wird mit dem Welttag der Ranger all jenen gedacht, die sich für den Schutz des natürlichen und kulturellen Erbes unseres Planeten einsetzen. Diese sogenannten Wächter verteidigen die bedrohte Wildnis. Um die bedrohten Wildtiere zu beschützen helfen Wildhüter, die Wilderer erwischen. Leider sind es meist die schwachen Afrikaner die hungern und nur den Job für reiche unbekannte Menschen machen, die Tiere töten lassen. Die Ranger stehen an der Front für die Natur unter Einsatz ihres Lebens. Der Welt-Ranger-Tag macht auf die Arbeitssituation zum Schutz der Wildtiere weltweit aufmerksam, damit diese Tiere in ihrer Heimat bleiben können. Artgerecht bleiben sie nur dort am Leben und Sterben, wie die Natur es vorschrieb in der Savanne. Europäer sollten das verstehen und diese Wildtiere nicht nach Europa importieren, wo sie zu viele werden wie die jetzigen Paviane im deutschen Zoo und getötet wurden.
Kommentar 45: Jutty schreibt am 31.07.2025, 16:00 Uhr :
Also das Problem ist ja nicht von heute auf morgen entstanden. Wohl hat der Zoodirektor und alle Beteiligten zugeschaut wie die Paviane sich ständig weiter vermehren und dann folgedessen zu wenig Platz da war und dann untereinander in der Gruppe der Paviane wohl auch Aggressionen entstanden sind. Das ist normal. Was nicht normal ist, dass die Tiere dafür jetzt getötet wurden. Ein Armutszeugnis für den Tiergarten Nürnberg. Aber natürlich kann man mit immer wieder Jungtieren mehr Besucher in den Zoo locken. Das ist doch niedlich -leider zahlen die Tiere die Rechnung -so wie jetzt geschehen. Es macht mich traurig -welche unfähigen Personen über Leben und Tod von Geschöpfen entscheiden dürfen. Hier müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden!!! Forderung:Suspendierung des Verantwortlichen Zoodirektors! im Übrigen ist das nicht der erste Skandal im Tiergarten Nürnberg! Es muss jetzt Konsequenzen haben !
Kommentar 44: Brigitta S. schreibt am 31.07.2025, 14:39 Uhr :
Wurde nicht heuer der Grundstein für den Umbau des Giraffenhauses im Nürnberger Tiergarten gelegt? Ein schönes Dachgebäude über den Giraffen? Paviane werden aus Platzmangel getötet, während man gleichzeitig das Giraffenhaus aufwendig saniert und erweitert? Was für eine Doppelmoral, für die Giraffen hat man Raum und Geld. Artengerecht ist ein Giraffenhaus nicht, gibt es Wild Tierhütten in der Savanne? Nein, nur für die Besucher gibt es Übernachtungs- Lodges. Deutschland ist ein kaltes Land, man sollte die exotischen Tiere dort lassen wo sie naturgemäß die Wärme bekommen. Für die Besucher ist es ein neues Highlight das Giraffenhaus? Wildtiere sind nicht geboren worden um sie ins Schaufenster stellen zu können. Das Thema macht mir einen dicken Hals, es ist besser sich die Nerven zu schonen. Wer hört schon auf den Tierschutz, wenn es um einen Zoo geht. Der Rubel, sorry - der Euro muss rollen im Land auf Kosten dieser Tiere.
Kommentar 43: Margit Weber, nürnberg schreibt am 31.07.2025, 13:53 Uhr :
Man sollte halt schon im Vorfeld die Tiere kastrieren , bei Anschaffung!! Damit kann man doch die zu grosse Vermehrung deutlich eindämmen M
Kommentar 42: Bestell20 schreibt am 31.07.2025, 13:23 Uhr :
Es solle die Zoos überhaupt nicht mehr geben.... es gibt keine artgerechten Zoos....und den Kindern sollte man am Streichelzoo direkt sagen, dass die Tiere dann verfüttert werden, wenn die Kinder mit dem Streicheln fertig sind.
Kommentar 41: Anonym schreibt am 31.07.2025, 11:22 Uhr :
So ein selten dämlicher Bulls**t, den man überall lesen muss. Platzmangel, alternativlos... Bla bla bla... Es macht einfach nur betroffen, dass diese armen Tiere nun daran glauben mussten, weil irgendwelche Deppen gerne Wildtiere zur Vergnügung einsperren, nicht kalkulieren können und dann zu faul sind sich um die überzähligen Tiere zu kümmern. Lasst euch nicht blenden und boykottiert diese Vollzugsanstalten für Vierbeiner, nicht nur in Nürnberg sondern deutschland-, oder besser weltweit. Tiere einsperren hat rein gar nichts mit Artenschutz zu tun, lasst euch da nicht veräppeln, egal wie viel Zeug die über ihre ach so tollen Zuchtprojekte schwadronieren. Wohin das ganze führt, hat man ja jetzt wieder eindrucksvoll gesehen. Gezüchtet für die Tonne bzw. für den Geiermagen. Ich geh mir dann jetzt mal 50 unkastrierte Katzen und Kater aus dem Tierheim holen, wieso sollte ich Verantwortung für die Tiere tragen, wenn die Zoos sich da auch rauswinden.
Kommentar 40: teuer bezahlte Dilitanten schreibt am 31.07.2025, 11:13 Uhr :
Die Verantworlichen sind wahrscheinlich hochbezahlte Spezialisten , vom Zoo Direktor bis zum Veterinaer und diesen Pseudospezialisten faellt nichts anderes ein, als die Tiere zu toeten ? Warum war es diesen Fachleuten nicht moeglich eine geplante Gebutenkontrolle durch Sterilisation bzw Kastration zu ermoeglichen oder war das zu kompliziert fuer sie ? Haben diese teuer bezahlten Zooleute ihren Job gemacht oder haben sie nur kondome an die Paviana verteilt ?
Kommentar 39: Jade Noir schreibt am 30.07.2025, 22:46 Uhr :
Unfassbar, dass für alle diese Lösung als vollkommen legitim erscheint. Statt das Problem darin zu sehen, dass Zoos diese Problematik erst herbei führen, wird das Ergebnis von fehlkalkulation und gescheitertes Populationsmanagement mit der Tötung der Tiere versucht zu bereinigen. Man sollte sich eingestehen, dass das Konzept von Zoos nicht artgerecht ist, nichts mit artenschutz zu tun hat. Es sollte nach einer Lösung gesucht werden für die Tiere ein Ende dieser Quälerei zu bewirken und das nicht indem man sie tötet sondern einfach nicht nach züchtet, die Tiere auswildert bei denen es möglich ist. Sanctuaries mit einbinden und die Tiere einen schönen Lebensabend verbringen lassen. Bis jeder Käfig leer ist!
Kommentar 38: Hb schreibt am 30.07.2025, 19:03 Uhr :
Da unser Planet auch unter Überbevölkerung leidet, frage ich mich, werden da auch bald Menschen entnommen und wie die Paviane per Kopfschuss exekutiert? Dieses Massaker hat mir bewusst gemacht, dass Zoos boykottiert gehören, allen voran der Nürnberger. Mögen die Mörder der Paviane in der Hölle schmoren und durch Karma ihre gerechte Strafe in diesem Leben finden für den Schmerz und das Leid, das sie den Tieren und ihren Familien angetan haben.
Kommentar 37: Tarik.F schreibt am 30.07.2025, 18:13 Uhr :
Tiergarten verdient es sehr viel Geld durch Besuch, von das Geld was die verdienen haben bis dahin könnten die das Raum vergrößern und so hätten wir das verhindern könnten. Aber der Direktor hat keinen Kopf zum Denken sondern er hat nur Kopf für Frisur oder ein Hut zu tragen
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 30.07.2025, 19:34 Uhr :
@Tarik.F Tut mir leid es sagen zu müssen. Auf so einen Kommentar hätte man besser verzichtet. Unsachlich, unlogisch und noch dazu persönlich den Direktor angreifen, geht gar nicht.