Sparkasse, Postbank, ELSTER: So erkennt man die neue Phishing-Welle

3 Min. 27 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

Neue Phishing-Welle Betrüger geben sich jetzt als Bank oder Finanzamt aus

Stand:

Fast täglich warnen Verbraucherschützer derzeit vor neuen gefälschten Nachrichten. Betrüger geben sich darin als Bank, Finanzamt oder WhatsApp aus – und greifen auch immer öfter auch zum Telefon. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt die aktuellen Maschen und wie man sich schützen kann.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Die Nummer im Display sieht echt aus, am Telefon meldet sich angeblich die Sparkasse: Es gebe ein ernsthaftes Sicherheitsproblem, man möge bitte kurz einen Auftrag in der eigenen pushTAN-App freigeben – auf diese Weise verschaffen sich Betrüger Zugang zum Konto.

Vor genau diesen Anrufen warnt aktuell die Sparkasse Westmünsterland. Die Rufnummer ist gefälscht (das ist technisch möglich), der Auftrag eine Überweisung an Betrüger. Die Bank betont: Mitarbeiter würden Kunden niemals telefonisch auffordern, Überweisungen oder andere Vorgänge per pushTAN freizugeben.

Häufig hängen Anruf und E-Mail zusammen: Wer auf einer gefälschten Webseite seine Zugangsdaten eingibt (hingelockt durch eine Phishing-Nachricht), bekommt kurz darauf den Anruf, um notwendige Daten zu erfragen. Mit den erbeuteten Daten richten die Täter ihr eigenes Handy für die TAN-App ein oder starten eine Überweisung. Die Freigabe soll das Opfer am Telefon erteilen. Von solchen Mails kursieren gerade besonders viele.

Die Maschen der vergangenen Tage

Das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW hat allein in der vergangenen Woche sechs neue Kampagnen gemeldet. Im Namen der Sparkasse heißt es: "S-pushTAN Online – Verifizierung notwendig!"

Banken und Sparkassen verschicken keine Mail mit aktuellen Aufträgen

Banken und Sparkassen verschicken keine Mail mit aktuellen Aufträgen

Kunden der Bonner Postbank sollen ihre Daten bestätigen, sonst drohen angeblich Einschränkungen in der BestSign-App. Auch Kunden von Santander und easybank bekamen falsche Post. Wieder andere Mails behaupten, WhatsApp werde das Konto löschen, wenn man seine Aktivität nicht binnen 24 Stunden bestätigt.

Besonders bösartig und bundesweit ein Problem: Potenzielle Opfer bekommen eine Mail zum angeblichen "ELSTER Registerdatenabgleich". Die Steuerdaten wichen angeblich ab, man solle Adresse und Bankverbindung bestätigen. Solche Nachrichten wirken hoch offiziell, schließlich handelt es sich bei Elster um die elektronische Steuerverwaltung.

Schon Ende August lockten Fälscher mit einer angeblichen Steuererstattung und fragten Kreditkartendaten ab. Auch die Steuerverwaltung stellt klar: Sie fragt per E-Mail niemals nach Kontoverbindung, PIN oder Steuernummer.

Immer dasselbe Muster

So unterschiedlich die Absender, so vergleichbar die angewendeten Tricks: Es fehlt meist jede persönliche Anrede, die Absenderadresse der E-Mail, SMS oder WhatsApp ist oft fragwürdig, ferner machen die Betrüger Druck durch eine kurze Frist oder einer Drohung: Wer nicht sofort reagiert, dem drohen Sperrung, Löschung, Ärger mit dem Finanzamt.

Vorsicht: Derzeit kursieren viele Mail, die sich auf ELSTER beziehen

Vorsicht: Derzeit kursieren viele Mail, die sich auf ELSTER beziehen

Am Ende steht immer ein Link zu einer gefälschten Seite, auf der man Zugangsdaten oder Kartennummern eingeben soll. Oder eine Zahlungsaufforderung: Seit dem Frühjahr kursieren falsche Mails zum Rundfunkbeitrag, die 55,08 Euro per Sofortüberweisung verlangen. Der Beitragsservice in Köln fordert nie per Mail zur Sofortüberweisung auf.

Auf Rechtschreibfehler als Warnsignal ist dagegen immer weniger Verlass. Das Bundeskriminalamt stellt in seinem aktuellen Lagebild fest, dass Künstliche Intelligenz (KI) Phishing-Mails authentischer macht. Die Texte klingen heute oft so glatt wie echte Post von der Bank.

Wie groß das Problem in NRW ist

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen meldet für 2025 rund 55.000 Fälle von Cybercrime. Der dokumentierte Schaden liege allein im Inland bei 41,5 Millionen Euro. Dazu kommen rund 100.000 Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel diente, etwa Betrug beim Online-Kauf. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein: Viele Opfer schämen sich und zeigen nichts an.

Dabei trifft es längst nicht nur Unvorsichtige. Wer eine echt wirkende Nummer auf dem Display sieht und eine Stimme hört, die das eigene Konto kennt, lässt sich schnell unter Druck setzen. Banken verweisen im Schadensfall gern auf die Sorgfaltspflicht ihrer Kunden. Gegen gefälschte Rufnummern und falsche Webseiten müssten aber vor allem Banken und Netzbetreiber mehr tun.

So schützt man sich

Die wichtigste Regel: Links in Mails und SMS zu Bank, Steuer oder Konto nie anklicken. Wer unsicher ist, öffnet die App oder tippt die Adresse selbst in den Browser. Echte Hinweise finden sich auch dort. Zusätzlich schützt die Zwei-Faktor-Anmeldung, bei WhatsApp heißt sie "Verifizierung in zwei Schritten" und lässt sich in den Einstellungen unter "Konto" aktivieren.

Bei Anrufen gilt: auflegen und selbst zurückrufen, und zwar unter der Nummer von der Bankkarte oder der offiziellen Webseite. Keine Bank fragt am Telefon nach PIN, TAN oder einer Freigabe in der App. Zeigt die Banking-App bei einer Überweisung an, dass Name und IBAN nicht zusammenpassen, sollte man die Warnung ernst nehmen.

Verdächtige Mails lassen sich an phishing@verbraucherzentrale.nrw weiterleiten. Das hilft, andere zu warnen.

Wenn es schon passiert ist

Falls man doch auf einen Betrug reinfällt: Dann zählt jede Minute, denn Echtzeitüberweisungen lassen sich kaum zurückholen. Sofort die Bank anrufen und Konto oder Karte sperren lassen, das geht auch über den Sperr-Notruf 116 116. Passwörter ändern, vor allem, wenn man sie mehrfach nutzt. Und Anzeige erstatten: In NRW geht das rund um die Uhr online über die Internetwache der Polizei.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Vorsicht vor den neuen Phishing-Maschen, 17.09.2026, 10:00 Uhr

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