Pokémon feiert Geburtstag | WDR aktuell

02:33 Min. Verfügbar bis 27.02.2028

Pokémon wird 30: Warum Pikachu und Co. immer noch so erfolgreich sind

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Pokémon wird heute 30 Jahre alt. Seit Jahrzehnten sind Pikachu und Co. bei jung und alt beliebt, einige Sammelkarten sind inzwischen Millionen Euro wert. Was macht das Franchise so erfolgreich?

Satoshi Tajiri war besessen von Käfern. Als Kind, so wird erzählt, liebte es der Japaner, die Krabbeltiere zu fangen und zu studieren - weswegen ihn seine Mitschüler "Konchu-hakase" (deutsch: Dr. Insekt) nannten.

Jahre später blickte der angehende Spieleentwickler mit Wehmut auf das zubetonierte Tokio, dessen Expansion die Naturräume seiner Kindheit verschlang. Aus seiner Nostalgie entstand eine visionäre Idee: Tajiri wollte die Leidenschaft seiner Kindheit in die digitale Welt retten.

Am 27. Februar 1996 schlug die Geburtsstunde von Pokémon, kurz für "Pocket Monsters" (Taschenmonster). Mit seinem Team bei Game Freak entwickelte Tajiri ein Konzept für den Gameboy: Fantastische Wesen mit Superkräften, die man mit Kapseln (Pokébälle) fängt und gegen andere "Monster" antreten lassen konnte. Unterstützt wurde er dabei von Nintendo-Ikone Shigeru Miyamoto, der unter anderem Super Mario und The Legend of Zelda entwickelt hat.

Größer als Micky Maus oder Star Wars

Was als ambitioniertes Projekt für Nintendos Konsole begann, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Franchises der Welt, das selbst Micky Maus und Star Wars in den Schatten stellt. Das milliardenschwere Pokémon-Imperium reicht heute von Videospielen, über TV-Serien, Kinofilmen bis hin zu Investment-Anlagen im Millionenwert.

Auch bei uns ist das Pokémon-Fieber ungebrochen. Ob Pikachu-Mottopartys bei Kindergeburtstagen oder lange Schlangen vor Spielwarenläden wie jüngst in Köln, wo neue Karten binnen 20 Minuten ausverkauft waren - Pokémon ist überall. Warum begeistert Pokémon uns auch nach 30 Jahren noch?

Pokémon hat Fans auf der ganzen Welt

"Weil man auf so viele Weise Pokémon-Fan sein kann. Die Games zocken, den Anime gucken, Pokémon-Karten sammeln oder Plüschtiere und Figuren: Die Marke holt Fans auf der ganzen Welt ab", sagt WDR-Reporterin Julia Kiem Reck. Sie ist Fan, seit sie 3 Jahre alt ist, seit sie ihren ersten Gameboy bekam. Ihr Zuhause ist ein kleines Pokémon-Museum.

Auch Arthur aus Paris ist Fan, seit er zwei Jahre alt ist. "Ich liebe Pokémon, weil ich es unglaublich finde, dass es so viele verschiedene von ihnen gibt und dass jeder sein Lieblings-Pokémon finden kann. Inzwischen gibt es mehr als 1.000 Pokémon, aber jeder hat seinen Liebling. Mein Favorit: Plinfa!" Plinfa ist ein Wasser-Pokemon, das einem Pinguin ähnelt.

Pokémon hat hohen Nostalgie-Effekt

Ein Spieler spielt "Pokémon Go" auf dem Handy

Die App "Pokémon Go"

Der Medienwissenschaftler Claus-Peter Ernst hat 2015 eine Studie dazu veröffentlicht, wie Pokémon so erfolgreich werden konnte. "Ein großer Teil des Erfolgs ist auf den Nostalgie-Effekt zurückzuführen, den ich empfinde, wenn ich Pokémon von klein auf gespielt habe", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Gerade für Menschen um die 30 Jahre hat Pokémon eine besondere Bedeutung. Sie gehören zur ersten Generation, die mit dem Franchise groß geworden ist. Studien zeigen, dass Kindheitserinnerungen im Erwachsenenalter an den Pausenhof oder das erste eigene Computerspiel ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit auslösen können.

Cosmo: Pokémon weltweit - 30 Jahre "Gotta Catch 'Em All"

WDR Studios NRW 27.02.2026 03:42 Min. Verfügbar bis 27.02.2028 WDR Cosmo


Pokémon wie ein Haustier

"Ich möchte mich nicht allein fühlen. Und was benötige ich dafür? Ich brauche Freunde, Familie. Die Forschung hat gezeigt, dass auch Haustiere dieses Bedürfnis erfüllen können", sagte Prof. Ernst. Pokémon könnten dieses Bedürfnis befriedigen, auch wenn es nur virtuelle Haustiere sind.

"Ich verbringe mit den Monstern viel Zeit, ich muss sie erstmal fangen, sie trainieren und dann in den Kampf schicken, um vielleicht der größte Pokémon-Trainer der Welt zu werden. Dieses Zugehörigkeitsgefühl spielt eine große Rolle, aber auch der soziale Aspekt, der durch das Gefühl zustande kommt, etwas gemeinsames erreicht zu haben. So ähnlich wie bei einem Fußballteam."

Wenn Erwachsene also heute wieder spielen, knüpfen sie an diese Gefühle an. Das gibt Halt in einer oft schnellen und unsicheren Welt. Pikachu und Co. bieten ihnen eine einfache, vertraute Welt mit klaren Regeln: Man sammelt, trainiert, kämpft - und wird besser. Dieses Prinzip von Entwicklung und Fortschritt spricht grundlegende menschliche Bedürfnisse an.

Pokémon ist nie stehen geblieben

Neue Spiele, Serien und Apps haben zudem dafür gesorgt, dass immer neue Generationen sofort eingestiegen sind. Ein Beispiel dafür: Pokémon Go. Seit die App 2016 erschien, gehen Menschen nach draußen, treffen sich in Parks und auf Plätzen, um gemeinsam "Monster" zu fangen. Forscher der Northern Illinois University fanden heraus, dass das Begegnungen fördert und Gespräche zwischen Fremden erleichtern kann. Das Spiel wird so zum sozialen Raum.

Monika Take-Hülsmann lächelt in die Kamera. Sie trägt einen langen Wintermantel.

Monika Take-Hülsmann

Monika Take-Hülsmann aus Ostenfelde im Kreis Warendorf streift täglich durch die Straßen, immer auf der Suche nach den seltensten "Monstern" für Pokémon Go. Sechs Smartphones hat die 72-Jährige dabei. Hier erzählt sie, wie sie als Seniorin ihr Herz an das Spiel verloren hat:

"Die Pokémon-Community ist von Beginn an das Fundament und die Inspiration für die Marke, und die Leidenschaft unserer Fans hat es Pokémon ermöglicht, einen bleibenden Einfluss auf die Popkultur weltweit und über Generationen hinweg zu haben", sagt Kenji Okubo, Präsident von The Pokémon Company International.

Kritik an Pokémon

Trotz seines Erfolgs steht die Marke aber auch immer wieder in der Kritik. Vor allem bei neueren Spielen bemängelten Fans technische Probleme und fehlende Innovation. Titel wie Pokémon Karmesin und Purpur wurden wegen der Grafik, Performance und Bugs diskutiert. Auch die Entscheidung, in manchen Editionen nicht mehr alle bekannten Pokémon verfügbar zu machen, sorgte für Proteste in der Community.

Hinzu kommt die überbordende Kommerzialisierung. Pokémon ist längst ein globales Merchandising-Imperium - von Sammelkarten bis zu Luxus-Kooperationen.

Sammelkarte für fast 14 Millionen Euro

Wie wertvoll die Marke heute ist, zeigt der Markt für die Sammelkarten. Wenige Tage vor dem 30. Geburtstag von Pokémon wurde die äußerst seltene Sammelkarte mit dem Namen "Pikachu Illustrator" in den USA für den Rekordpreis von 16,5 Millionen Dollar (13,9 Millionen Euro) versteigert.

Pikachu auf einer Pokémon-Karte

Der Verkäufer ist der Influencer und Wrestler Logan Paul, der Käufer der Risikokapitalgeber AJ Scaramucci. Pokémon macht also nicht nur Kinder froh, sondern Erwachsene ebenso - und das seit mittlerweile 30 Jahren.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Cosmo, COSMO, 27.02.2026, 07:15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 27.02.2026, 12.45 Uhr

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