Ein Fahrzeug des Winterdienstes verteilt bei Ratingen im Schneetreiben auf der Autobahn 52 Streusalz.

In manchen Gemeinden wird das Streusalz knapp - so ist die Lage in NRW

Stand:

Gemeinden in NRW warnen, dass Streusalz knapp wird. Wie ist die Lage in NRW und was steckt dahinter? Fragen und Antworten.

Der Winter dauert noch nicht so lange und trotzdem nehmen die Streusalzvorräte schnell ab. Denn wegen der glatten Straßen müssen viele Streufahrzeuge ausrücken. In der Gemeinde Burbach im Kreis Siegen-Wittgenstein und der Gemeinde Leopoldshöhe im Kreis Lippe werden zum Beispiel bald wohl nicht mehr alle Straßen wie bisher gestreut.

Gemeinde Burbach warnt vor Knappheit – wie groß ist das Problem?

Von ursprünglich rund 250 Tonnen Streusalz, die die Gemeinde Burbach vor dem Winter eingelagert hatte, sind schon mehr als 80 Prozent verbraucht. Im Moment hakt es gerade bei den Nachbestellungen, weil es unter anderem nicht genug Spezial-Lkw geben soll, mit denen die Salz-Silos wieder befüllt werden können, heißt es von der Gemeinde.

Trotzdem rechnet der zuständige Bereichsleiter Thomas Leyener nicht mit chaotischen Zuständen auf den Burbacher Straßen, weil nicht mehr genug gestreut werden könnte. Am heutigen Donnerstag habe man noch eine Lieferung bekommen und jetzt werde man sich vor allem um Hang- und Steilstraßen kümmern, außerdem unter anderem um Schulwege. Immerhin: Anfang kommender Woche rechnet man in Burbach mit der nächsten Salzlieferung.

Auch die Gemeinde Leopoldshöhe wartet vergeblich auf Streusalz-Lieferung

Die 17.000-Einwohner-Gemeinde Leopoldshöhe in Lippe steht ebenfalls vor dem kalten Wochenende schlecht da. Die Gemeindeverwaltung teilte mit, sie habe zwar "rechtzeitig" Streusalz bestellt, es sei bislang aber nicht angekommen. Der vorhandene Streusalzbestand reiche nur für die Hauptverkehrsstraßen, Rettungswege und andere wichtige Strecken.

Man müsse mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umgehen. Daher könne es in Nebenstraßen glatt sein. Die Gemeinde appelliert zur Vorsicht und ermahnt die Bürgerinnen und Bürger, Schnee nicht vom eigenen Grundstück auf die Straße zu schieben. "Dadurch entstehen zusätzliche Gefahren für den Verkehr und den Winterdienst", so die Gemeinde.

Was sagen die Streusalz-Hersteller – wie ist die Nachfrage derzeit?

Unter anderem in Rheinberg Borth (Kreis Wesel) gibt es ein Salzbergwerk. Das Unternehmen K + S gewinnt dort wie auch an zwei weiteren Standorten außerhalb von NRW Streusalz. Dort stellt man tatsächlich fest, dass es eine sehr hohe Nachfrage gibt, die sogar die eigenen "logistischen Kapazitäten übersteigt".

Mitarbeiter des Winterdienstes hält Streusalz in den Händen

Die Firma bestätigt auch das Problem, das aus Burbach gemeldet wird. Dass nämlich die Spezialfahrzeuge, mit denen die Salzsilos aufgefüllt werden, besonders stark gefragt seien. Deshalb könne es derzeit "zu Engpässen und längeren Lieferzeiten" kommen, hat das Unternehmen dem WDR mitgeteilt.

Könnte es sein, dass auch auf Autobahnen oder Bundesstraßen nicht mehr gestreut wird?

Zuerst sind im Falle knapper Salzmengen die Kommunen betroffen, weil sie das Ende der Kette seien, sagt Leyener von der Gemeinde Burbach. An erster Stelle stehen die Autobahnmeistereien in der Lieferkette. Und auch Bundes- und Landstraßen, für die der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig ist, haben Vorrang vor den kleineren Straßen der Kommunen.

Von Straßen NRW heißt es, man sei "gut gewappnet" für die eisigen Tage. 80.000 Tonnen Salz hatten zu Beginn der Saison in den verschiedenen Depots der Straßenmeistereien gelagert. Zudem gebe es bei einem Lieferengpass noch eine zentrale Streusalz-Reserve von 11.000 Tonnen. Derzeit seien die Lagerbestände noch hoch, sagt man bei Straßen NRW. Dort sieht man also noch keinen Grund zur Sorge.

Wintervorbereitung: Wie sieht es mit Streusalz aus?

WDR Studios NRW 08.01.2026 2 Min. 22 Sek. Verfügbar bis 08.01.2028 WDR Online


Ist das Streusalz auch an anderen Stellen in NRW schon knapp?

Wir haben stichprobenartig nachgefragt. Das Ergebnis: Von wirklichem Streusalz-Mangel im Land kann man derzeit noch nicht sprechen. Aus der Städteregion Aachen heißt es zum Beispiel, man habe keine Probleme, es sei noch genügend da. Auch beim Städte- und Gemeindebund NRW spricht man nur von lokalen Engpässen, die es geben kann. "Regional kommt es aber zu extremen Witterungsverhältnissen, die teilweise eine angespannte Situation hervorrufen können", heißt es vom Städte- und Gemeindebund.

Auch beim Städtetag NRW hat man von weiteren Engpässen bisher noch nichts gehört. Dort betont man außerdem, dass Streusalz "schon längst nicht mehr das vorrangige Streumittel" sei. Das Räumen mit Pflug oder Fräse sei bei Schneedecken oft am effektivsten, heißt es vom Städtetag und häufig sei der Einsatz von Sand oder Splitt bei leichten Glättelagen ausreichend.

Unsere Quellen:

  • Gemeinde Burbach
  • K+S Aktiengesellschaft
  • Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen
  • Städtetag NRW
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR 2, Der Nachmittag, 08.01.2026, 16:40 Uhr

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