Tag der Wiederbelebung

Aktuelle Stunde 16.10.2025 15 Min. 26 Sek. UT Verfügbar bis 16.10.2027 WDR Von Andreas Hodapp

Angst vor der Wiederbelebung - Wie überwinden wir sie?

Stand:

Bleibt ein Herz stehen, muss schnell gehandelt werden. Die Hürde das zu tun, ist oft groß. Wie überwinden wir sie?

Von Daniel Schwingenheuer

"Ich merkte sofort, da stimmt was nicht mit dem Herzen", erzählt Petra Bleimann. Sie war mit ihrer Familie im Skiurlaub, als ihr 21-jähriger Sohn Steffen im Skilift plötzlich bewusstlos wird. Oben angekommen ruft Petra direkt Hilfe. Danach rettet sie Steffen zusammen mit ihrem Mann das Leben.

Ich hab direkt zu meinem Mann gerufen, du beatmest und ich drücke - 30 mal, dann beatmest du. Das war von diesem Erste-Hilfe-Kurs noch drin und das war dann am Ende die Rettung. Petra Bleimann, hat ihrem Sohn das Leben gerettet.

Zehn Minuten haben die beiden Eltern die Prozedur durchgezogen, bis die Rettungskräfte vor Ort waren.

120.000 Betroffene im Jahr

In Deutschland bleiben im Schnitt 120.000 Herzen im Jahr stehen – die meisten davon zuhause. Die Gründe dafür sind vielfältig: Herzrhythmusstörungen, Lungenerkrankungen, Vergiftungen oder auch Unfälle. In der Situation zählt jede Sekunde. Je früher Ersthelfer mit der Reanimation beginnen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Genesung.

Notärzte sollen in Deutschland in der Stadt nach maximal acht Minuten vor Ort sein. Auf dem Land kann es etwas länger dauern, maximal zwölf Minuten. Ohne Sauerstoff stirbt das Gehirn nach drei bis fünf Minuten ab. Es gibt also eine Zeit, die durch Ersthelfer überbrückt werden muss.

Der Auftrag ist klar: Die Helfenden müssen das Blut im Körper des Betroffenen zum Zirkulieren bringen. Nur dadurch kann das Gehirn weiter mit Sauerstoff versorgt und am Leben gehalten werden, bis die professionelle Hilfe vor Ort ist. Das Hilfsmittel: die Herzdruckmassage.

"10.000 Menschenleben könnten jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, wenn sich mehr Menschen eine sofortige Herzdruckmassage zutrauen würden", schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Aber genau das ist häufig das Problem. Warum trauen wir uns eine Reanimation nicht zu?

Das Problem mit der Angst

Die Angst, dem Betroffenen weh zu tun, ist immer wieder Thema. Die Person zu verletzen, vielleicht eine Rippe zu brechen, das wollen viele verständlicherweise nicht. Was gegen diese Angst hilft, ist, den Blick zu weiten und zu überlegen, was eigentlich passiert.

Wiederbelebung heißt, dass der Patient vorher verstorben ist. Wir müssen ihn wieder zurückholen ins Leben. Alles was sie nicht tun, ist schlimmer als das, was sie tun. Norman Hecker aus, er ist Chefarzt am Klinikum Gelsenkirchen

Eine gebrochene Rippe heilt innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Neben der Angst um die betroffene Person gibt es auch die Angst um die eigene Gesundheit, die Menschen hindert zu helfen. Zum Beispiel wenn es um die Beatmung geht, bei der die Möglichkeit besteht, sich eventuell mit Krankheiten anzustecken.

"Viele Menschen ekeln sich auch vor den Patienten. Es kann ja auch jemand sein, der sich übergeben hat oder blutverschmiert ist", sagt Notarzt und Gründer des Aktionsbündnisses "Erste Hilfe" Dr. Raoul Groß. Ein Grund die Herzdruckmassage nicht durchzuführen sei das aber nicht. Selbst wenn man die Beatmung weglasse, sei immer noch viel Sauerstoff im Blut (bei Erwachsenen), der das Gehirn weiter versorgen könne. Bei der Herzdruckmassage habe man nur mit den Handballen Kontakt. "Da gibt es eigentlich keine Möglichkeiten sich anzustecken."

Reanimation | Kurzvideo

42 Sek. Verfügbar bis 09.07.2027

Reanimationsunterricht bald in NRW-Schulen

Nur in gut 55 Prozent der Fälle wird eine Reanimation durch Ersthelfende vor Ort begonnen. Dabei ist die Zahl in den letzten Jahren schon deutlich gestiegen. Und sie soll weiter nach oben gehen. Ab dem Schuljahr 2026/2027 startet in NRW der Reanimationsunterricht in allen Schulen mit der Sekundarstufe I. Ab dem nächsten Jahr werden also Schüler in der siebten, achten und neunten Klasse verpflichtend in Reanimation geschult. Das Vorbild ist Skandinavien. Die Laienreanimationsquote liegt dort bei über 80 Prozent.

Zwei Jahre ist es her, dass Steffen im Skiurlaub das Herz stehengeblieben ist.

Man kann gar nicht fassen, was man fühlt, wenn man das hört. Das ist überwältigend. Steffen, wurde von seiner Mutter Petra wiederbelebt

Unsere Quellen:

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Steffi 16.10.2025, 18:16 Uhr

    An der Schule,an der ich arbeite,lernen die Kinder bereits in Klasse 2-4 , wie Erste Hilfe geleistet werden kann. Im 4. Schuljahr steht Reanimation auf dem Plan. Wissen bringt Sicherheit.

  • 2 Arzt aus NRW 16.10.2025, 16:29 Uhr

    Grundsätzlich könnte man schon viel weiter sein. Die Erkenntnisse über die positiven Effekte von Reanimationsschulungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, dass erstens die Ersthelferquote ansteigt und zweitens, dass damit auch mehr Reanimationen erfolgreich sind, diese Erkenntnisse sind fast 20 Jahre wiederholt untersucht und gezeigt worden. Umsetzung in der Praxis in Deutschland eher sehr schleppend. Telefonreanimation durch Rettungsdienstleitstellen. Studien sind auch hier vorhanden und tendenziell positiv. Umsetzung in der Fläche deutscher Rettungsdienstleitstellen - sehr heterogen kann man sagen. First-Responder-Dienste im Rettungsdienst. Das war bereits in den 90er Jahren klar, Umsetzung in den deutschen Rettungsdiensten eher durchwachsen. Erst-Helfer-Apps. Ja, da tut sich was. Aber leider machen viele benachbarte Regionen, unterschiedliche Apps. Also flächendeckende Lösungen eher nein. Als Arzt sage ich: da ist viel Luft nach oben. Es fehlen Strukturen und Geld.

  • 1 Tanja 16.10.2025, 15:04 Uhr

    Der Reanimationsunterricht ist eine sehr gute Sache, um schon die Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen die Angst und die Unwissenheit davor nehmen zu können! So können mehr Leben gerettet werden💚

Weitere Themen

Mehr Nachrichten