USA und Iran einigen sich auf zweiwöchige Feuerpause | Aktuelle Stunde WDR 08:35 Min. Verfügbar bis 08.04.2027

Waffenruhe mit Iran: USA laut Experte "Garant für Unsicherheit"

Stand:

Die USA haben sich mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Was bedeutet das für US-Präsident Donald Trump und wie geht es jetzt weiter? Darüber haben wir mit einem Sicherheitsexperten gesprochen.

Am Mittwoch um 2.00 Uhr deutscher Zeit wäre das Ultimatum, das US-Präsident Donald Trump dem Iran gestellt hatte, abgelaufen - kurz vor Ende der Frist einigten sich die beiden Länder dann auf eine zweiwöchige Waffenruhe.

Der iranische Außenminister kündigte an, die für die weltweite Ölwirtschaft wichtige Straße von Hormus eingeschränkt zu öffnen. Trump hatte zuvor gedroht, die iranische Zivilisation auszulöschen, sollte der Iran die Meerenge für den Schiffsverkehr nicht freigeben.

Vermittelt wurde die Feuerpause durch Pakistan. Vertreter des Irans übermittelten der US-Regierung in Washington einen Zehn-Punkte-Plan als Vorschlag für ein dauerhaftes Kriegsende. Am kommenden Freitag soll es weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad geben.

Christian Mölling | Bildquelle: ddp/HMB Media/Uwe Koch

Wie belastbar ist die Waffenruhe? Und kann US-Präsident Trump den Schritt als Erfolg verkaufen? Darüber haben wir mit dem Politikwissenschaftler und Sicherheitsexperten Christian Mölling gesprochen. Der gebürtige Bad Oeynhausener ist Direktor des forschungsorientierten Thinktanks Edina (European Defence in a New Age), der sich auf europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie Rüstungsfragen konzentriert.

WDR: Die Waffen schweigen jetzt für zwei Wochen, aber die Region bleibt weiter unter Waffen. Für wie belastbar halten Sie die Verabredung, die wir heute früh zur Kenntnis nehmen?

Christian Mölling: Ich halte sie schon für insofern belastbar, als dass der amerikanische Präsident deutlich gemacht hat, dass er ein Ende des Konflikts haben möchte. Er möchte dabei eine gesichtswahrende Lösung haben. Das könnte jetzt diese Lösung sein, die er braucht, um das zu beenden. Es ist ein bisschen eine andere Situation, als wir das von anderen Konflikten kennen.

WDR: Israel führt diesen Krieg gemeinsam mit den USA und wird sich nur teilweise beteiligen. Im Libanon soll weitergekämpft werden, heißt es. Heißt für mich: Trump hat die Lage in der Region nicht mehr so vollständig unter Kontrolle. Wie sehen Sie das?

Mölling: Naja, vollständig unter Kontrolle hatte er sie nie. Er hat sich ja ganz offensichtlich mit den Israelis abgesprochen, die ihre eigenen Ziele haben, warum sie den Iran angreifen (...).

Ich glaube, was auf lange Sicht viel schlimmer für Trump, die Amerikaner und die USA ist, dass sie möglicherweise Partner am Golf, in den Golfstaaten verloren haben, die mit der Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen worden ist, also dass keine Rücksprache mit ihnen über diesen Angriff gehalten wurde, sicherlich nicht sehr erfreut sind. Es gibt letztendlich eine Geschichte und ein Kapitel, das nach diesem Waffenstillstand geschrieben wird und auch ohne das Ergebnis dieses Waffenstillstandes wahrscheinlich negativ für die USA ausfallen wird.

US-Waffenruhe mit dem Iran: "Gesichtswahrend für Trump" WDR 5 Morgenecho - Interview 08.04.2026 04:59 Min. Verfügbar bis 08.04.2027 WDR 5

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WDR: Das heißt, diese alte Verabredung am Golf - die USA geben Sicherheit, vom Golf kommt das sehr billige Öl - gilt jetzt vielleicht nicht mehr?

Mölling: Die USA haben diese Verabredung ja gekündigt, indem sie den Iran angegriffen haben. Das war immer Teil der Abmachung, wenn man das so will. Und vor allen Dingen haben sie die Folgen nicht bedacht. Ich glaube, das ist das Schlimmste, wovor man sich jetzt einfach sorgen muss, dass wir mit dieser Administration zumindest eine Administration haben, die die Folgen ihres Handelns nicht abwägen kann und allein auf eine Stärke vertraut, die sie eben dementsprechend nicht mehr hat.

WDR: Andererseits muss man zur Kenntnis nehmen, gestern stand die Drohung im Raum, man werde eine gesamte Zivilisation auslöschen. Kurz vor Ablauf des Ultimatums gab es massive Angriffe auf die iranische Infrastruktur, auf Brücken, Autobahnen, Kraftwerke, auf die Ölinsel Kharg. Man könnte auch vermuten, das hat nochmal Bewegung in die Sache gebracht.

Angriffe auf Teheran | Bildquelle: dpa / Shadati

Mölling: Naja, das ist relativ unwahrscheinlich. Die Iraner haben sehr klar gesagt, dass sie die Straße von Hormus erst wieder freimachen, wenn die USA Reparationszahlungen geleistet haben. Das heißt, sie haben nochmal eins obendrauf gelegt. Die USA und Donald Trump haben sich in eine Situation manövriert, wo sie im Grunde genommen nur noch eine Möglichkeit hatten, nämlich zu eskalieren.

Oder aber sie finden einen gesichtswahrenden Weg raus. Der ist ihnen jetzt eröffnet worden durch die offizielle Anfrage der Pakistanis. Die Pakistanis sind sozusagen der Verhandlungsort zum jetzigen Zeitpunkt. Das heißt, Donald Trump war in einer Situation, in der er "Ja" sagen und etwas geben konnte und nicht darum bitten musste, dass man ihm irgendwo noch einen Ausweg generiert aus der verfahrenen Situation, in die er sich selber gebracht hat.

WDR: Kann der US-Präsident das, was wir gerade sehen, insofern zu Hause glaubwürdig als Sieg verkaufen?

Mölling: Ich glaube, das hängt davon ab, ob seine Anhänger das als Sieg haben wollen. Es ist so offensichtlich, dass es ein Misserfolg ist, also aus Trumpscher Sicht zumindest, der ja immer auf Kompromisslosigkeit gesetzt hat (...).

Ich glaube, was wichtiger ist, ist tatsächlich über diesen Moment hinaus zu gucken und zu sehen, dass Jahrzehnte amerikanischer diplomatischer Bemühungen hier im Grunde genommen gerade den Bach runtergegangen sind und diese Folgen für die Amerikaner für lange Zeit zu spüren sein werden: Dass sie kein Sicherheitsgarant mehr sind, sondern ein Garant für Unsicherheit.

Das Interview führte Ulrike Römer im WDR 5 Morgenecho. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet und gekürzt, ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Christian Mölling im WDR 5 Morgenecho

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 08.04.2026, 6:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.04.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Uk 09.04.2026, 16:02 Uhr

    @Marian Was genau ist an dieser Berichterstattung tendenziös? Keine Argumente aber einfach mal trollen und die Öffentlich Rechtlichen diffamieren. Trump hat einen Krieg angefangen- militärisch absolut überlegen. Aber die strategische Karte des Irans übersehen - Straße von Hormus. Das iranische Regime ist keine Frage absolut grausam und menschenverachtend. Nun hat die USA ein Land angegriffen ohne die NATO zu informieren. Die NATO greift ja nur - wenn ein NATO Land angegriffen wird. Aber nicht wenn Trump denkt ich greife ein Land an ohne ein wirklich strategisches Ziel klar und deutlich zu benennen und jetzt sollen alle ihm helfen und wenn nicht? Dann nimmt er sich Grönland? Er hat ein Katastrophe forciert und feiert sich als König und alle anderen sind schuld an den negativen Folgen.

  • Brigitta S. 09.04.2026, 13:54 Uhr

    Weiß die linke Hand nicht was sie mit der rechten Hand vereinbart hat? Ein Tag danach wird berichtet über Angriffe. Bei USA, Israel, Iran bekommt man den Eindruck, als wären sie nicht wirklich an einer Waffenruhe interessiert. Wenn die Kriegsparteien keine Waffenruhe einhalten, was ist ihr weiteres Ziel? Von Israel war schon vorher zu erkennen, dass der Iran- Krieg fortgesetzt wird“. Man kann dazu nur sagen: „Größen- Wahnsinn lebt die Machtpolitik. Wenn ein Macht- Kopf fällt, kommt ein neuer Kopf nach, mit gleicher Kriegs-Ansicht? Der Politik-Größenwahn zieht weiter seine Kreise. Der Vertrag für Waffenruhe scheint umsonst gemacht. Der Größenwahn erniedrigt, verletzt, tötet und darunter leiden Menschen, die nichts anderes wollen als Frieden. Der angebliche Weltverbesserungswahn was die Politik befallen hat, scheitert. Weil sie selbst ihr eigenes Volk mitzerstören. Die globale normale Welt sagt „Danke“, was Regierungen alles bei Krieg an Zerstörung schaffen??? Never“!

  • Josef 09.04.2026, 07:51 Uhr

    Einen Sieg gibt es nur, wenn dieses menschenverachtende Mullah-Regime substituiert wird durch den Schah und die Opposition aus der iranischen Diaspora. Alles andere wäre nur Stückwerk und der Iran und die Achse des Bösen bleiben der Unruheherd in Nahost. Deshalb sollten Israel und dies USA weitermachen.