Die Menschen in Deutschland haben in diesem Jahr wieder mehr Geld für Bio-Lebensmittel ausgegeben. Laut einem Marktbericht des Deutschen Bauernverbands dürfte der Gesamtumsatz für ökologisch produzierte Lebensmittel über 18 Milliarden Euro liegen: ein Plus von acht Prozent.
Damit setzt sich der Trend des Vorjahres fort. Bereits 2024 war der Umsatz im Vergleich zu 2023 um fast 6 Prozent gestiegen. Es sind vor allem die Eigenmarken der Supermarkt- und Drogerieketten, die den Absatz antreiben. Aber auch der sogenannte Naturkostfachhandel kann in diesem Jahr vom Trend profitieren.
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der die Interessen der Bio-Landwirte in Deutschland vertritt, legt seine Zahlen für das Jahr 2025 erst in einigen Wochen vor. Doch dort hält man die Prognose des Deutschen Bauernverbands für realistisch, wie eine Sprecherin des Verbands dem WDR mitteilte.
Umsatz wächst – Produktion stagniert
Doch trotz des Wachstums: Die Produktion auf heimischen Feldern und in Ställen stagniert. Zwar ist der Ökolandbau nach Angaben des Bundesagrarministeriums zuletzt weiter gewachsen, aber nur minimal. In 2024 wurden 11,5 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet, nach 11,4 Prozent im Jahr 2023. Die Zahl der Ökobetriebe ging sogar leicht zurück.
Der Bio-Branchenverband hat bereits zu Jahresbeginn darauf hingewiesen, dass das Angebot, der Nachfrage hinterherzuhinken drohe. Mit der Folge, dass der Handel auf Importe angewiesen ist.
Doch warum stellen so wenige Landwirte – trotz des Wachstums – nicht auf ökologische Landwirtschaft um?
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit in Deutschland scheuen viele das Risiko. Denn die Umstellung auf biologische Landwirtschaft ist aufwändig und mit Investitionen verbunden. Und sie dauert, in der Regel zwei bis drei Jahre und muss anschließend von einer Kontrollstelle zertifiziert werden.
Aber während dieser Umstellungsphase, darf man die Produkte noch nicht als Bio-Produkte verkaufen, erst danach. Das heißt also: In dieser Zeit verkauft man die im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft teurer produzierten Produkte zu weiterhin niedrigen Preisen. Um angehende Öko-Landwirte zu unterstützen, gibt es daher staatliche Fördermittel.
Keine verlässlichen Signale aus der Politik
Aber auch nach der Umstellungsphase sind Landwirte auf staatliche Förderung angewiesen, unter anderem von der EU. Doch hier herrscht derzeit viel Unsicherheit. Im Juli hat die EU-Kommission ihre Pläne für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 vorgestellt.
Es drohen Kürzungen für die Landwirtschaft, die auch die Öko-Bauern treffen würden. Zudem: Zukünftig sollen die einzelnen Mitgliedsstaaten eigenverantwortlicher über die Mittelvergabe entscheiden. Wie sich das auf die Förderung der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland auswirken wird, lässt sich noch nicht absehen.
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft vermisst hier verlässliche Signale aus der Politik, erklärte eine Verbandssprecherin gegenüber dem WDR.
Zudem: Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat kürzlich das Förderprogramm für den tierschutzgerechten Umbau von Schweineställen gestrichen, das die Vorgängerregierung eingeführt hatte.
Insgesamt machen Bio-Lebensmittel in Deutschland übrigens immer noch einen eher geringen Anteil am Gesamtumsatz aus, im Jahr 2023 lag er bei gerade einmal 6,3 Prozent.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft
- Deutscher Bauernverband
- EU Kommission
Sendung: WDR 2, Nachrichten, 28.12.2025, 12:00 Uhr